Rezept für Lachs-Spinat-Türmchen Happs mit Apps

Wer jetzt noch nicht kochen kann, wird's bis Weihnachten nicht mehr lernen - aber ein Grundlagenwerk unterm Baum kann helfen. Dabei gilt: Selbst Klassiker wie der "Köchlöffel" kommen heute nicht mehr ohne Web-Applikation aus.

Peter Wagner

Von Hobbykoch


Als ich vor langer Zeit spürte, dass meine kochbuchfreie Küchenwelpenzeit ihrem Ende entgegeneilte, und mir klar wurde, dass ich meine mir liebgewordene Wildheit wenigstens ab und zu mit einem Hauch Strukturgebung mischen sollte, landete ich bei einem großen, kartonierten Buch mit einem Löffel mit roter Soße auf dem Cover. Ich sollte nicht der Einzige sein.

Denn unzählige deutsche Hobbylöffelschwinger zwischen Anfang dreißig und Mitte fünfzig wurden mit dem meistgelesenen (und -geschenkten) Grundlagenbuch pfannensozialisiert: "Kochen. Die neue große Schule". Der von dem Verleger Friedrich-Karl Sandmann zusammen mit dem Food-Fotografen Arnold Zabert ausgeheckte Lehrbuchklassiker feiert gerade sein 30. Jubiläum und nennt sich nun "Kochen. Die neue digitale Schule"*, hat aber mit seinen Wurzeln weit mehr gemein als nur den puristischen Löffel mit der roten Soße auf dem Titel, welcher namensgebend für die umgangssprachliche Bezeichnung dieser Ikone ist: "Der Kochlöffel".

Von Beginn an beeinflusste dieses Buch mit seiner klugen Systematik der Step-by-Step-Anleitungen, der lehrreichen, aber nie lehrerhaften Aufarbeitung der Ernährungs- und Kochpraxisgrundlagen und nicht zuletzt auch der bis heute sofortigen Heißhunger evozierenden Food-Fotografie Millionen von heimischen Hobbyköchen.

Dabei sind sogar die alten Ausgaben von Anfang der neunziger Jahre mit einigen schrulligen Ausnahmen wie Tournierten Rüben, Buntschnittgemüse, schrecklich "verlorenen" Eiern, Flambieranleitungen, Kindergeburtstagsgarnituren und Fixierung auf nationale Kochklassiker (Nudel-Gemüse-Auflauf, Hühnerfrikassee oder Königsberger Klöpse liefen damals unter "Internationale Rezepte") noch überraschend zeitlos. Wer das alles kochen kann, braucht sich auch heute nicht verstecken.

Per Rubbelpasswort in die digitale Küchenwelt

Die aktuelle Geburtstagsausgabe mit gewohnt einfach erlernbaren modernen Rezepten für eine leichte und gesunde Küche führt den "Kochlöffel" aber auch ein in die neue Welt der Apps, Digi-Videos und Social Webs. Ein individuelles Rubbelpasswort in jedem Buch schaltet mit den bei den Rezepten abgedruckten QR-Codes oder direkt über die elektronischen Zugänge ins Web und der kostenlosen App für iPhones, Android-Handys und Tablets den Weg frei zu hilfreichen Kochschulvideos in Ergänzung zu den nun eher stylish als didaktisch daherkommenden Steps im Buch.

Den Claim "Die neue digitale Schule" löst das Buch allerdings nur halbherzig ein. Auf seinen elektronischen Schauplätzen fehlen die andernorts längst üblichen praktischen Mobile-Features wie dynamische Einkaufslisten oder kurze Warenkunden völlig. Hier ist also noch Luft nach oben, um aus einem sehr guten Kochgrundwissenbuch ein perfektes zu machen. Dass selbst die smarteste App-Programmierung aber andersherum aus einem mittelmäßigem Einsteigerbuch für sehr blutige Anfänger kein Meisterwerk machen muss, zeigt die TV-Köchin Sarah Wiener in ihrem mit angestrengt fröhlichem Ösi-Schmäh zusammengeschusterten "Kochen kann jeder"*.

Dass sich analoge und digitale Küchenwelten in einem lehrreichen Basiskochbuch mit zugleich durchgehend appetitanregenden Rezepten durchaus auf Augenhöhe begegnen können, demonstriert Hans Gerlach, einer der verdientesten Kochlehrer des Landes, in seinem aktuellen "Kochen - so einfach geht's"*. Von Papayasalat bis hin zur Weihnachtsgans erklärt Gerlach dem Anfänger in 70 Grund- und 140 Speisenrezepten das perfekte Kochen dieser Gerichte mit dem Medium, das neben Video das anschaulichste ist: 1000 Fotos zeigen jeden wichtigen Schritt - und die intelligent programmierte App mit allen Grundrezepten gibt es kostenlos dazu.

"So einfach geht's" könnte auch die Überschrift zur heutigen Tageskarte sein, denn zu den anstehenden Feierlichkeiten will ja niemand lange in der Küche herumstehen, die Stehparty-Gäste sollen aber trotzdem was Leckeres mit ihrem Champagner herunterspülen können - ein perfekter Auftritt für unsere einfach vorzubereitenden, aber raffiniert schmeckenden Lachs-Spinat-Häppchen.

Was auch zum Jahresende die alte Regel bestätigt. Kochen kann jeder. Vor allem, wenn er es kann.


*Buchhinweise:
Kochen. Die neue digitale Schule. Zabert Sandmann, München; 280 Seiten, 300 Rezepte; 24,95 Euro.
Sarah Wiener: Kochen kann jeder. Gräfe und Unzer, München; 192 Seiten, 70 Rezepte; 19,90 Euro.
Hans Gerlach: Kochen - so einfach geht's. Gräfe und Unzer, München; 288 Seiten, 210 Rezepte; 24,99 Euro.



insgesamt 4 Beiträge
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Frickleburt Frogfart 21.12.2013
1. Zesten...
Die restlichen 400 Gramm von der Meerrettichwurzel kann man ja dann getrost wegwerfen, wenn man die "10 g frische Meerrettichzesten" mit dem zuvor extra teuer erworbenen Zestenreißer - auf den natürlich im Rezept nicht hingewiesen wird - abgehobelt hat.
Rickie 21.12.2013
2. Nicht mal das Standardkochbuch verschont einen
Können die einen nicht schlicht in Ruhe lassen mit ihren unnötigen Apps und dafür anschauliche statt stylishe Step-by-step-Bilder bringen? Meerrettischwurzel gibt's gratis bei mir im Garten für Selbstausgräber. Noch und nöcher... ;-)
drponnonner 21.12.2013
3.
Zitat von sysopPeter WagnerWer jetzt noch nicht kochen kann, wird's bis Weihnachten nicht mehr lernen - aber ein Grundlagenwerk unterm Baum kann helfen. Dabei gilt: Selbst Klassiker wie der "Köchlöffel" kommen heute nicht mehr ohne Webapplikation aus. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/rezept-fuer-lachs-spinat-haeppchen-a-940147.html
Na, dann fangen Sie mal an zu lernen Herr Wagner. Vielleicht klappts ja bis naechstes Jahr Weihnachten.
caiman 22.12.2013
4. Offensichtlich...
Zitat von drponnonnerNa, dann fangen Sie mal an zu lernen Herr Wagner. Vielleicht klappts ja bis naechstes Jahr Weihnachten.
... sind Sie ein Optimist ;-) Im Ernst: Wagner's Artikel und auch die Rezepte finde ich in den letzten 3, 4 Wochen durchaus passabel, deutlich weniger Chi-Chi, und die Buchrezensionen können auch hilfreich sein (besonders der Seitenhieb auf Frau Wiener, der wohl prominentesten Nicht-Köchin gefiel mir). PS: Zestenreisser kosten kein Vermögen, und mit dem Rest der Wurzel macht man sich halt seinen Sahnemeerrettich selber... ;-)
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