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Ramen-Burger: Hau die Nudeln auf den Grill!

Von Hobbykoch

Tageskarte Küche: ?? Fotos
Peter Wagner

Wie wird man heutzutage in der Gastronomie berühmt? Mit Promi-Gästen? Mit High-End-Sterneküche? Mit Fred-Feuerstein-Menüs? Nein: mit Hamburgern, die aus asiatischen Nudeln gemacht sind. Bühne frei für den New Yorker Ramen-Burger!

Wenn ein durchschnittlicher, Dauerhype-gestählter New Yorker sich freiwillig hinter 150 Wartenden in die Schlange stellt, um irgendwann satte acht Dollar für einen simplen Hamburger zu löhnen - ja, dann muss das Bratfleischbrötchen tatsächlich in aller Munde sein. Seit Herbst vergangenen Jahres der noch immer ungebrochene Top-Trend im Ostküsten-Fastfood: der Ramen-Burger. Eigentlich könnte er auch Keizo Burger heißen, nach seinem Erfinder, dem 35-jährigen New Yorker Programmierer mit japanischen Wurzeln, Keizo Shimamoto. Bei einer Japan-Rundreise sah Shimamoto, dass die klassischen, uralten japanischen Nudelsorten Somen, Soba oder Udon in der Heimat seiner Ahnen kaum noch eine Rolle spielen - überall sind es die aus China erst vor knapp hundert Jahren nach Japan herübergenudelten Ramen, die in Schüsseln und Tellern landen.

Ramen-Nudeln werden so gut wie immer ohne Ei aus Weizenmehl, Salz und Wasser hergestellt, in China heißen sie Mie. Die japanische Ramen-Abart ist allerdings deutlich leuchtend gelber in der Farbe, was durch die Zugabe von phosphorsäurehaltigem Wasser entsteht und bei den typischen, durch Frittieren der Nudeln lange haltbar gemachten chinesischen Ein-Mann-Tütensuppen zum Aufgießen durch die Beimengung von modifizierter Tapiokastärke quasi zurückgeklaut wurde.

In Japan sind Ramen-Fastfood-Lokale mit ihren unzähligen ratzfatz wegputzbaren Eintopf- und Suppengerichten so verbreitet wie bei uns Pommesbuden. In einem dieser Stehimbisse in Tokio beobachtete Shimamoto, wie der Koch eine kleine Portion gekochter Ramen in eine Metallhülse stopfte und auf den Grill stellte. Die beidseitig gebratene Scheibe wurde dort zu einer Art Schweineschinken (Yakibuta) als Beilage gereicht, und genau dies brachte Shimamoto auf die zündende Idee.

Hybrid für die Massen: Cragel, Bruffin & Ramen Burger

In New York tobte zu dieser Zeit an den Straßenverkaufsständen der große Krieg zwischen drei Neuerfindungen der Fastfood-Hybridkunst: Cragel versus Cronut versus Bruffin. Anfangs konnte der Williamsburger Bäcker Scot Rossillo von seiner Erfindung - Croissant-Teig in Bagel-Backformen ausgebacken - so wenig Output liefern, dass seine Cragels auf dem Schwarzmarkt für über 80 Dollar die Besitzer wechselten. Inzwischen gibt es diese Hybriden an jeder zweiten Ecke für kleine Münze neben den Bruffins (herzhaft gefüllte Muffins aus Brioche-Teig) und der Cragel-Abart in Donut-Form, dem Cronut.

Natürlich ist die Herde längst ein paar Stände weiter getrampelt, zu Shimamotos Grill in der "Smorgasburg", der hippen Delicatessen-Markthalle in Brooklyn. Dort wartet sie geduldig, bis sie ihre acht Dollar für den Ramen-Burger löhnen darf - innen ein stinknormaler, fetttriefender Rinder-Patty vom Grill, aber mit zu zwei Scheiben gebratenen Ramen-Nudeln als Brötchenersatz.

Kalorienmäßig ist das kein Fortschritt, denn Shimamoto benötigt pro zwei Bun-Scheiben jeweils ein Ei, um die Stärkebomber-Nudeln beim Backen in der Presse zu jener strukturellen Identität zu führen, die es braucht, damit man dazwischen eine derbe Flatsche gegrillten Rinderhacks in den Händen halten kann - da sind mit etwas Mayo und Vollzuckerketchup blitzschnell schon mal 800 Kilokalorien vernascht.

Um nun nicht sämtliche gewichtigen Errungenschaften der noch immer aktuellen Fastenzeit zunichte zu machen, wurde der Ramen-Burger für die "Tageskarte" erheblich nährwertentschärft: Wir braten die Buns in einer beschichteten Pfanne mit wenig Öl, formen leckere Patties aus frisch gehackten Garnelen, Zwiebeln, Ingwer und Chili und basteln aus Ultralight-Zutaten eine dennoch ordentlich auf die Zunge drückende Wasabi-Mayonnaise.

Und freuen uns, dass endlich der alte BBQ-Doofkappenspruch Wirklichkeit wird: "Lass' uns doch am Samstag ein paar Nudeln auf den Grill hauen!"

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Gebratene Nudeln
mischpot 12.04.2014
sind nun wirklich nichts neues. Nudeln in der Pfanne wie Rösti oder kleine Pfannkuchen zu braten gibt es schon sehr lange. Hat vielleicht der ein oder andere schon mal zu Hause gemacht.
2. Wasserstoffatome sind nichts Neues
einEi 12.04.2014
Zitat von mischpotsind nun wirklich nichts neues. Nudeln in der Pfanne wie Rösti oder kleine Pfannkuchen zu braten gibt es schon sehr lange. Hat vielleicht der ein oder andere schon mal zu Hause gemacht.
Natürlich sind die Bestandteile dieser Kombination nichts Neues, aber die Zusammenstelleng ist neu, in Anlehnung an lokale Trends wie dem Cronut etc. Eigentlich gibt es außerhalb der molekularen Küche nie etwas Neues, aber neue Impulse, aus denen wieder andere Dinge entstehen. Ob das alles delikat, famos und wünschenswert ist, diese Herumkobinierereieiei, ist eine andere Frage, gelle.
3.
fuerbrie 12.04.2014
Obwohl ich nie den Drang verspürt habe, etwas aus dieser Seite zu kochen, muss ich sagen, dass der Ramen-Burger ein sehr witziger Beitrag ist. Kreativ und einfach, international, nur muss man wie immer eine Menge seltsamer Zutaten besorgen, die man dann nie wieder braucht.
4.
agua 12.04.2014
Danke für diese Anregung. Den nächsten Nudelrest werde ich nicht auf herkömmliche Art und Weise, wie in #1 erwähnt verwerten, sondern etwas Neues ausprobieren. Mit Reis wahrscheinlich ebenfalls möglich.
5. Na, vielleicht ein anderes Mal
katkaleen 12.04.2014
Heute gibt es nämlich Yakiudon mit Rind, Paprika und Frühlingszwiebeln. Einfach, schnell und lecker. Itadakimasu!
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Zum Autor
  • Gunter Glücklich
    Der in Hamburg lebende Autor Peter Wagner, Jahrgang 1960, kocht länger, als er für Geld schreibt: Seit seinem 16. Lebensjahr ist das Schnibbeln, Simmern und Sautieren sein liebstes Hobby. Als furchtloser Esser mag der hauptberufliche Musikkritiker im Grunde alles, solange es mit Liebe und Verstand aus frischen Zutaten gekocht wird.
  • Weitere Wagner-Rezepte finden Sie auf seiner Männerkochseite www.kochmonster.de

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