Kabeljau mit Risotto: Eins! Zwei! Skrei!

Von Hobbykoch Peter Wagner

Auf Rezept: Winterkabeljau mit Risotto
Fotos
Peter Wagner

Jetzt drehen wir den Farbregler mal bis zum Anschlag - und zwar runter. Aber wer braucht schon Farben für die Augen? Beim "Skrei schwarzweiß" sorgen Winterkabeljau, Pilze und Reis ja schließlich dafür, dass es bunt wird im Mund.

Auch wenn nicht jedes Rezept zu Hause nachkochbar ist, können Sterneköche immer wieder Inspirationen geben. Ein Kapitel ausschließlich mit Gerichten zum Thema "Schwarz/Weiß" zum Beispiel hat der Kölner Spitzenkoch Hans Horberth in seinem großartigen Buch "Kulinarische Kontraste"* zusammengetragen. In ihm lehrt Horberth, der wegen eines Verkehrsunfalles kurz vor Veröffentlichung des aktuellen "Michelin" die Verleihung des zweiten Sterns für sein Restaurant "La Vision" im Hotel Wasserturm nicht feiern konnte und bis heute noch nicht voll genesen ist, wie sich kulinarische Kontraste elegant und schmackhaft um- und einsetzen lassen.

In Kapiteln wie Heiß/Kalt, Land/Meer, Süß/Sauer und Süß/Salzig zeigt er das ganze Spektrum der mutigen Aromenpaarungen von klassisch (Aal mit Bete und Meerrettich; Kalbshaxe mit Quitte) über edel (Königstaube mit Kerbelrübchen, Steinbutt mit Holunder) bis hin zu vogelwildem Crossover von Erdbeere und Essig, Schweinebauch und Yogitee, Seeteufelleber mit süßsauren Graupen oder Lachs mit weißer Schokolade.

Letztere paarte Horberths britischer Dreisterne-Kollege Heston Blumenthal schon vor Jahren erfolgreich mit Kaviar, was wegen ähnlicher organo-chemischer Komponenten in beiden Zutaten harmonischer gelang, als sich auf den ersten Blick vermuten ließe. Bei der weißen Schokolade ist ja nicht die Kakaobutter, sondern die Vanille Träger des Leit-Aromas, und die passt nicht nur zu Möhren (wie im Möhrenkuchen), sondern in vorsichtiger Dosierung sogar zu Krustentieren.

Horberths farbloses Kapitel inspirierte dagegen unsere heutige "Tageskarte" und ihr Rezept für "Skrei schwarzweiß". Der Kölner zeigt dort viel Fischiges in klarer Kontrastumgebung, zum Beispiel weißen Sepia mit Lakritz, Blumenkohl mit Kaviar, Saint Pierre mit Nori-Algen, dazu Klassiker wie Schafsmilch mit Vanille oder Ei mit Trüffel. Skrei findet sich dort ebenfalls, Horberth setzt ihn auf mit Maderajus und Balsamico süß-sauer abgeschmeckten Belugalinsen.

In der Pfanne auf die Haut legen

Über die Vorzüge des norwegischen Winterkabeljaus haben wir schon berichtet, deshalb sei nur eine Kleinigkeit hinzugefügt. Wir hatten unlängst Gelegenheit, einen Lofoten-Kabeljaufischer zu fragen, wie er denn selber den Skrei am liebsten hätte. Hierbei erfuhren wir zweierlei: Dass nur Süd-Norweger oder Ausländer den "Skrei" wie "Ei" aussprechen, die Leute hier oben zwischen Narvik und Tromsø aber gaaanz laaang "Skreeeei" sagen. Und dass der Fisch ordentlich in der Pfanne gebraten werden müsse. Oder gedünstet. Oder gekocht. Oder in Öl pochiert.

Aus Genießersicht hat der Fischer absolut recht, denn beim Skrei ist nur wichtig, dass man ihn nicht übergart, aber das gilt ja für fast jeden Fisch. In der Pfanne sollte man ihn am besten auf der Haut braten, nach dem Wenden auf die Filetseite sofort vom Herd ziehen und kurz nachziehen lassen. Wenn keine Haut mehr dran ist, besser eine Lage eingefettetes Backpapier in die Pfanne legen und den Fisch mit dessen Hilfe wenden.

Im heutigen Rezept wird nicht gebraten, der Skrei soll wegen unseres schönen Teller-Kontrastes so weiß wie möglich bleiben. Wir kombinieren ihn mit zwei nicht minder weißen Komponenten - einer herzhaft säuerlich abgeschmeckten Joghurtcreme und strahlend weißen Hypsizygus-Buchenraslingen. Damit kontrastieren drei tiefschwarze Spezereien: schwarzer Knoblauch, Schwarzkümmel und schwarzer Risottoreis Riso Venere.

Weil das alles miteinander nicht nur toll aussieht, sondern hervorragend am Gaumen harmoniert, darf sich auch der weltoffenste Gourmet dieses kulinarische Schwarzweiß-Denken erlauben.


*Buchtipp:
Hans Horberth: Kulinarische Kontraste: Das Spiel der Gegensätze. Matthaes Verlag, Stuttgart; 314 Seiten; 69,90.

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insgesamt 3 Beiträge
Outdoorer 03.03.2013
Seit meiner Jugend bin ich begeisterter Hobbykoch und wage mich auch oft und gerne an sterneverdächtige Rezeptkreationen. DIESES Skreirezept mit Risotto (was sich für mich spontan einfach sehr passend anhörte, weshalb ich den [...]
Seit meiner Jugend bin ich begeisterter Hobbykoch und wage mich auch oft und gerne an sterneverdächtige Rezeptkreationen. DIESES Skreirezept mit Risotto (was sich für mich spontan einfach sehr passend anhörte, weshalb ich den Artikel auch aufgerufen habe) ist für mich allerdings NACH dem Lesen aus mehreren Gründen ein Lustkiller erster Güte: 1. Weil ich keine Rezepte mag, bei denen das "Design" offensichtlich den Vorrang vor dem Geschmack hat. Außerdem gehe ich in einen Gothic-Club, wenn ich Lust auf düsteres Ambiente habe, sicher aber nicht in die Küche. 2. Schwarzer, fermentierter Knoblauch, Mandelöl, Yoghurt, Merlot? Sorry, das hört sich für mich ind er Kombi nicht verlockend sondern auf Teufel komm raus "Hip" bzw. originell an. 3. Riso Venere kaufe ich..online bei Amazon? Das reicht als Grund allein schon aus, dieses Rezept nicht nachzukochen.... Insgesamt kann ich auf solche Rezepte sehr gut verzichten....
autocrator 03.03.2013
Sie kochen nach Rezept? Nach Rezept zu kochen ist wie Karaoke–Singen: Da kommt nur Lächerliches bei heraus. Wobei "Kochen" kann man das sowieso nicht nennen, denn "Kochen" ist ein kreativer Akt ... nach [...]
Zitat von OutdoorerSeit meiner Jugend bin ich begeisterter Hobbykoch und wage mich auch oft und gerne an sterneverdächtige Rezeptkreationen. DIESES Skreirezept mit Risotto (was sich für mich spontan einfach sehr passend anhörte, weshalb ich den Artikel auch aufgerufen habe) ist für mich allerdings NACH dem Lesen aus mehreren Gründen ein Lustkiller erster Güte: 1. Weil ich keine Rezepte mag, bei denen das "Design" offensichtlich den Vorrang vor dem Geschmack hat. [...] Insgesamt kann ich auf solche Rezepte sehr gut verzichten....
Sie kochen nach Rezept? Nach Rezept zu kochen ist wie Karaoke–Singen: Da kommt nur Lächerliches bei heraus. Wobei "Kochen" kann man das sowieso nicht nennen, denn "Kochen" ist ein kreativer Akt ... nach Rezept wird einfach nur "zubereitet". Rezepte und die dazugehörenden designten Bilder sind für einen echten Koch höchstens Ideengeber, Inspiration, Anregung. Und unter der Prämisse hat Wagner diesen Sonntag seltenerweise einen gelungenen Artikel hingekriegt, in dem er u.a. auch sehr schön das Grundhandwerk des Fischbratens erläutert (=Anregung, wie man's alternativ zubereiten kann), bevor er das von ihm offenbar so hochgeschätzte Sous-vide–Verfahren einmal mehr überstrapaziert. (Er wird schon wissen, was er an dieser völlig steuerungslosen Zubereitungsmethode findet.) Persönlich finde ich schwarz-weiss allein auf dem Teller nicht so die ansprechende Kombination. Aber das ist bekanntlich Geschmackssache: Meine Experimente mit Blau–Pink sind auch nicht jedermanns Sache. Insgesamt: Dochdoch, wenn er will kann er schon, unser Wagner! Ist zwar jetzt nicht "meins", was er da zusammengekocht hat, aber es ist schon anregend, was er da vorstellt, und spätestens heute Nachmittag, wenn ich in der Küche stehe, werde ich mir überlegen, was ich mit meinem schneeweißen Reis anstellen werde .... :-)
Arthurs Tochter 03.03.2013
...ist eine feine Art, diesen Fisch zuzubereiten. Allerdings vergisst Herr Wagner darauf hinzuweisen, dass er bei 52° C weniger als lauwarm auf den Teller kommt. Und 25 Minuten sind zu lang. Besser (saftiger) wird er mit maximal [...]
...ist eine feine Art, diesen Fisch zuzubereiten. Allerdings vergisst Herr Wagner darauf hinzuweisen, dass er bei 52° C weniger als lauwarm auf den Teller kommt. Und 25 Minuten sind zu lang. Besser (saftiger) wird er mit maximal 15 Minuten. Etwas Abhilfe schaft nur eine Infusion mit einem anderen Aromengeber (z. B. Petersiliensaft oder Rote Bete Saft etc.), da dann die Wärme besser nach innen geleitet wird. Oder aber man nimmt ihn nach dem Garen aus dem Beutel (in den bei mir immer noch ein Stück Butter kommt) und legt ihn ganz kurz in die heiße Pfanne. Weiter Fettzugabe ist dann nicht mehr notwendig. Erst gestern Abend genau so wieder zubereitet, allerdings nicht so trist wie auf den obigen Bildern, die eher an eine Begräbnisanstalt erinnern. Photo gibts hier: http://goo.gl/F5dyG
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  • Sonntag, 03.03.2013 – 09:13 Uhr
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Auf Rezept - Basiskochen mit Peter Wagner
  • Gunter Glücklich
    Im Küchenkursus "Basiskochen" von unserem "Tageskarten"-Hobbykoch geht es 20 Sonntage lang um die Geheimnisse, Grundlagen und Anwendungstricks der zehn wichtigsten Kochtechniken.

    Es geht ums Braten, Frittieren oder Rösten und um die feinen Unterschiede zwischen Dünsten, Dämpfen und Schmoren.

    In jedem Teil werden zwei Rezepte vorgestellt, in deren Zentrum die jeweilige Gartechnik steht: ein leichtes und ein raffiniertes.

  • Alle bereits erschienenen Rezepte des "Basiskochen" finden Sie hier.

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