Riskante Brückenpläne Dresdner Elbtal bleibt Unesco-Welterbe - vorerst

Trotz umstrittener Brücken-Baupläne behält das Elbtal seinen Titel als Welterbe. Allerdings nur vorläufig: Die Unesco hat der Stadt eine Frist bis Oktober gesetzt, Alternativen zum derzeitigen Entwurf der Waldschlösschenbrücke vorzulegen.


Christchurch - Das Welterbe-Komitee der Unesco hat Dresden ein Ultimatum gesetzt: Sollte der ursprüngliche Brückenentwurf zur Ausführung kommen, werde das Elbtal von der Weltkulturerbeliste gestrichen. Mit der Entscheidung hat Dresden jetzt rund drei Monate Zeit, um neue Vorschläge für die Flussüberquerung zu unterbreiten.

Elbtal in Dresden: Über die Wiese im Vordergrund würde die Waldschlösschenbrücke führen
DPA

Elbtal in Dresden: Über die Wiese im Vordergrund würde die Waldschlösschenbrücke führen

Die Uno-Organisation für Erziehung und Kultur (Unesco) hatte der 20 Kilometer langen Flusslandschaft den Titel "Welterbe" im Jahr 2004 zuerkannt. Im vergangenen Jahr setzte sie die Region aber wegen des Brückenbauplans auf die Liste der "gefährdeten Stätten". Es besteht die Sorge, dass das Bauwerk die Landschaft verschandelt. Eine Aberkennung des Welterbe-Titels wäre ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Unesco.

Die Stadt Dresden, die durch einen Bürgerentscheid an einen Brückenbau gebunden ist, hat sich für einen alternativen Entwurf ausgesprochen. Gleichzeitig versuchte sie, den Baubeginn zu verhindern, den das Regierungspräsidium Dresden angeordnet hat. Mit ihren Klagen vor Gericht hatte die Stadt Dresden jedoch keinen Erfolg. Anfang Juni stellte Bundesverfassungsgericht fest, dass der Bürgerwille höher bewertet werden könne als die Vorgaben der Unesco. Dresdens Stadtsprecher Kai Schulz sagte, die Stadt Dresden sei derzeit nicht mehr Herrin des Brückenbaus. Sie müsse jetzt sehen, wie das Regierungspräsidium auf die neue Lage reagiere.

Der Dresdner FDP-Bundestagsabgeordnete Jan Mücke zeigte sich nach der Entscheidung der Unesco skeptisch. "Wir sollen bis Oktober etwas vorstellen, was man nicht vorstellen kann", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Christchurch. Der Bürgerentscheid für die Brücke sei eindeutig gewesen. "Im Grunde genommen haben wir jetzt nur einen neuen Termin", sagte Mücke. "Es bleibt beim Ultimatum." Auch mit neuen Alternativentwürfen wäre Dresden "nicht aus dem Schneider".

Tunnel bevorzugt

Nach Angaben von Mücke würden Vorbereitungsarbeiten für die Brücke wie etwa Erdarbeiten die Aberkennung des Titels nicht sofort mit sich ziehen. Schließlich bleibe dadurch der "einzigartige Charakter" des Areals als Voraussetzung für eine Einstufung als Welterbe erhalten. Wenn allerdings der eigentliche Bau der Brücke beginne, "fliegt Dresden von der Liste", sagte er.

Die meisten Komitee-Mitglieder sprachen sich nach Angaben des Dresdner Architektur-Professors Ralf Weber für einen Tunnel statt der Brücke aus. "Fast jedes delegierte Land hat in seinem Wortbeitrag einen Tunnel als präferierte Lösung bezeichnet", sagte Weber der dpa in Christchurch. Ein Tunnel sei eine Lösung sowohl im Sinne des Bürgerentscheids als auch der Vorgaben der Unesco.

Unesco-Direktor Francesco Bandarin hatte noch kurz vor der Entscheidung Unverständnis für den geplanten Brückenbau signalisiert. Mit dem 2004 verliehenen Welterbe-Titel sei Dresden eine moralische, politische und rechtliche Verpflichtung eingegangen, dieses Erbe zu bewahren, sagte er dem MDR-"Sachsenspiegel".

phw/dpa/ddp



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