Fotograf Robert Lebeck Auf Augenhöhe mit dem King

Elvis in Uniform, Willy Brandt mit Schnute, Hitchcock auf Hafenrundfahrt: Robert Lebecks Bilder sind so besonders, weil er sich auf seine Intuition verließ - und so die Abgebildeten als Menschen zeigt. Jetzt wird der Fotojournalist 85.

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Aus seinen Aufnahmen ließe sich ein Bilderbuch über die Geschichte der Bundesrepublik herstellen. Kaum ein wichtiger Politiker oder bedeutender Künstler wurde nicht von ihm fotografiert: Adenauer mit einem Auge, Brandt auf einem Esel, Kohl als Napoleon. Beuys, Kinski, Romy Schneider. Robert Lebeck, der an diesem Freitag 85 Jahre alt wird, gilt als fotografischer Chronist des Landes.

Dabei wollte Lebeck nie das perfekte Foto machen. Einige seiner besten Werke wirken fast unbeabsichtigt. Wo es nur ging, verließ sich der Autodidakt auf seine Intuition. "Oft habe ich die Bilder nebenher gemacht und auf den Zufall gesetzt", sagte er einmal.

Der gebürtige Berliner war nie erpicht auf die Sensation - und hatte sie deshalb so oft im Kasten. So war es auch bei der Aufnahme, die ihn 1960 berühmt machte und ihm alle Türen öffnete. Ein wütender junger Mann entriss dem belgischen König Baudouin bei einer Parade im Kongo dessen Degen und rannte davon. Lebeck gelang als Einzigem ein Foto der Situation, es ging um die Welt und wurde zum Symbol für das Ende des Kolonialismus in Afrika. Lebeck hatte als Einziger einen anderen Standort als die Fotografenmeute gewählt - so tat er es in den nächsten Jahren immer wieder.

Wie 1979 bei Khomeinis Rückkehr aus dem Exil, als ihm die begeisterte Menge bei seiner Ankunft in Teheran den Turban vom Kopf riss.

Nur der Augenblick zählt

Lebecks große Zeit begann 1966, als Henri Nannen ihn zum "Stern" holte und ihn zu einem der bestbezahlten Fotografen der Republik machte. Es waren die goldenen Zeiten des Magazinjournalismus, als Kosten und Aufwand keine Rolle spielten. Lebeck, stets von starkem Fernweh geplagt, durfte reisen, so viel er wollte. Und reiste durch Afrika, hinter den Eisernen Vorhang - allein 17-mal in die Sowjetunion - oder durch Ostasien, um den Durst der Bundesbürger nach Bildern aus der weiten Welt zu stillen.

Aber auch vor der eigenen Haustür trieb sich Lebeck gern herum. Seine Fotoreportage "Deutschland im März", die 1982 zwölf Doppelseiten des "Stern" füllte, bewegte die Republik. Er lichtete kranke Bäume, tanzende Passanten, urinierende Menschen beim Kölner Karneval und Schnäppchenjäger am Wühltisch ab.

Akzente setzte Lebeck auch im anderen großen Genre der Fotografie, dem Porträt. Er verließ sich dabei ebenfalls voll auf sein Gespür für Momente. Ihm gelangen außergewöhnliche Aufnahmen, weil es für ihn unerheblich war, ob er Prominente oder Arbeiter fotografierte. Er sah sie immer als normale Menschen, die ihren Alltag bewältigen.

Willy Brandt begleitete er über zwei Jahre lang fast durchgehend, fotografierte ihn bei Dienstreisen genauso wie im Urlaub auf Fuerteventura. Am eindrücklichsten aber waren seine Fotos von Romy Schneider, zu der er eine enge Beziehung pflegte. Lebeck zeigte erstmals die traurige Schneider, die sich hinter dem zur stets strahlenden Schönheit stilisierten Leinwandstar verbarg. Er schaffte es, großes Vertrauen zu vermitteln, sie auch in schwachen Situationen abzulichten.

Bis 1995 stand er in Diensten des "Stern". Seitdem arbeitet er als freier Fotograf und betätigt sich als Sammler von Fotografien und Illustrierten.

Er finde es schade, sagte er einmal, dass heutige Fotografen ihre Intuition nicht zuließen. Sie würden sich bei Terminen nur über Objektive und andere Technik unterhalten - und so die gute Einstellung verpassen.


Ausstellung "Robert Lebeck - In die Welt". Flo Peters Gallery, Hamburg. 21. März bis 17. Mai.

Ausstellung "Robert Lebeck - zum 85. Geburtstag". Johanna Breede Photokunst, Berlin. 22. März bis 7. Juni.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
e-hugo 21.03.2014
1. Seitenverkehrt
Zitat von sysopRobert Lebeck/ Courtesy Flo Peters GalleryElvis in Uniform, Willy Brandt mit Schnute, Hitchcock auf Hafenrundfahrt: Robert Lebecks Bilder sind so besonders, weil er sich auf seine Intuition verließ - und so die Abgebildeten als Menschen zeigen. Jetzt wird der Fotojournalist 85. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/robert-lebeck-wird-85-fotos-von-elvis-presley-romy-schneider-brandt-a-959906.html
Bild 8 ist seitenverkehrt
karend 21.03.2014
2. Allet Jute
Zitat von sysopRobert Lebeck/ Courtesy Flo Peters GalleryElvis in Uniform, Willy Brandt mit Schnute, Hitchcock auf Hafenrundfahrt: Robert Lebecks Bilder sind so besonders, weil er sich auf seine Intuition verließ - und so die Abgebildeten als Menschen zeigen. Jetzt wird der Fotojournalist 85. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/robert-lebeck-wird-85-fotos-von-elvis-presley-romy-schneider-brandt-a-959906.html
Tolle Fotos. Die zehnminütige Ausbildung zum Fotografen erzeugte ein Schmunzeln. Alles Gute, Robert Lübeck (oder besser: Allet Jute zum Jeburtstach)! Mögen Sie noch oft auf den Auslöser drücken!
december_flower666 21.03.2014
3. Seitenverkehrt?
Wenn man in einen Spiegel fotografiert ist es logisch, daß man den NIKON-Schriftzug auf der Kamera rückwärts lesen muß...
bartholomew_simpson 21.03.2014
4.
Zitat von e-hugoBild 8 ist seitenverkehrt
Wenn man in einen Spiegel sieht oder fotografiert, dann ist es so richtig;-).
stockfisch1946 21.03.2014
5. Wenn ich die großen Leute,
die mein Leben immer wieder bereichert haben Revue passieren lasse, ist Herr Lebeck jedenfalls dabei. Herzlichen Glückwunsch.
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