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Rock gegen rechte Gewalt: Mit Sonntagsreden gegen Neonazis

Von Holger Kulick

Während deutsche Sprachwissenschaftler den rechten Begriff "National befreite Zone" zum Unwort des Jahres deklarierten, machten in Berlin Musiker und Künstler deutlich, wie ernst sie solche Orte nehmen. Im Rahmen einer Tournee gegen rechte Gewalt trauen sie sich nicht dort hin.

Reicht Rock gegen rechts? Bundestagspräsident Wolfgang Thierse mit dem Schauspieler und Sänger Ben Becker sowie Initiator Udo Lindenberg
AP

Reicht Rock gegen rechts? Bundestagspräsident Wolfgang Thierse mit dem Schauspieler und Sänger Ben Becker sowie Initiator Udo Lindenberg

Berlin - Vier Konzerte unter dem Titel "Rock gegen rechte Gewalt" wollen der Rockoldie Udo Lindenberg "und Freunde" Anfang Februar zu Gunsten der "Stern"-Aktion "Mut gegen rechte Gewalt" veranstalten. Und zwar in den Großstädten Dresden, Hamburg, Rostock und Berlin, nicht aber in Gegenden wo die Rechtsaußen herrschen. Neben Lindenberg sind ohne Gage die "Söhne Mannheims", City, Nena, Knorkator, Ben Becker , Keimzeit, Peter Maffay, Heinz Rudolf Kunze. In einigen Initiativgruppen gegen rechte Gewalt werden sich die Prominenten auf ihrer Route informieren. Im Vordergrund steht aber eine "große Party", verspricht auf einer Pressekonferenz als Moderator Ingo Appelt, um "die zu bündeln, die sich auf der richtigen Seite befinden". Eine Spendensammlung für Nazi-Aussteigerprojekte steht dabei im Vordergrund. Aber beeindruckt das auch Rechtsradikale?

Sonntagsreden auf Künstler-Art

"Wir haben ja alle Angst", sich richtig in die Szene zu bewegen, gestand der Komiker Appelt ein, schließlich stehe er auch auf einer schwarzen Liste der Neonazis für "sauberes Fernsehen". Ziemlich peinlich wirkte es für die Teilnehmer der Pressekonferenz, wie der Initiator der Tournee, der Rockmusiker Udo Lindenberg seine "Rock gegen Rechts"-Tournee präsentierte und die Sonntagsreden der Politiker über Rechtsradikalismus beklagte, aber praktisch selber eine hielt. Nur eben im Szenejargon, wenn er über "die rechten Zombies aus den Kloaken" jammert, die natürlich alle "zum Kotzen" sind. Aber dies sei sowieso "nicht die Inquisition, die durch die Lande marschiert, um Leute zu bekehren", bekräftigte Appelt. Aber was dann? "Wir machen die besseren Partys, es ist besser, zu uns rüberzukommen" warb Udo Lindenberg.

Die Tourneedaten: 4. Februar Dresden, 6. Februar Hamburg, 8. Februar Rostock und 10. Februar Berlin. Die Karten kosten 30 Mark.

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