Rockfestival in Norwegen Live-Sex für den Regenwald

Besucher des größten norwegischen Rockfestivals wurden gestern Zeugen eines ungewöhnlichen Auftritts: Zum Hardcore-Sound der Band Cumshot boten zwei Skandinavier Geschlechtsverkehr auf der Bühne - als Protest gegen die Abholzung des Regenwalds.


Umstrittene Sex-Darbietung von Johansen und Ellingsen beim Quart-Festival: "Fuck for Forest"
AFP

Umstrittene Sex-Darbietung von Johansen und Ellingsen beim Quart-Festival: "Fuck for Forest"

Kristiansand - Wie die Schwedin Leona Johansen, 21, und ihr norwegischer Partner Holm Ellingsen, 28, am Mittwoch in zahlreichen Interviews mit der norwegischen Presse sagten, war ihr öffentlicher Geschlechtsakt als Protestaktion gegen die globale Zerstörung des Regenwaldes gedacht. Am Dienstagabend wurden mehrere tausend Zuschauer auf dem Quart-Festival in Kristiansand Zeuge des Sex-Spektakels während eines Auftritts der norwegischen Hardrockband mit dem passenden Namen Cumshot.

Mehrere Umweltorganisationen teilten später mit, dass sie eine Spende des Paares aus Einnahmen für ihre Pornodarbietungen über 150.000 Kronen (rund 18.000 Euro) nicht annehmen wollten, weil das Geld aus gesetzeswidrigen Handlungen stamme. Sex in der Öffentlichkeit ist in Norwegen in jeder Form verboten. Mitglieder des Stadtrates von Kristiansand, der Geburtsstadt von Prinzessin Mette-Marit, kündigten an, gegen die Festivalveranstalter und das Paar Anzeige zu erstatten. Johansen und Ellingsen betreiben eine Umweltschutz-Organisation namens "Fuck For Forest" (etwa: "Vögeln für den Wald").

Die ungewöhnliche Aktion war nicht der einzige Skandal, der das Quart-Festival in die Schlagzeilen brachte: Kurz vor dem Konzert von Cumshot hatte die koreanische Künstlerin Shu Lea Cheang allerdings ihr Vorhaben abgesagt, auf dem Festivalgelände ein halbtransparentes Zelt zu errichten, in dem Paare Sex haben sollten. Die Freiwilligen sollten dann von Shu beim Akt gefilmt, die Aufnahmen dann nach dem Festival im örtlichen Kunstmuseum im Rahmen einer Installation gezeigt werden. Die für ihre provokanten Bilder und Filme ("Fresh Kills") bekannte Künstlerin reagierte mit der Absage ihres Projekts auf massive Proteste aus der südnorwegischen Provinzstadt.

"Traurig, traurig," meinte etwa Kristiansands Bürgermeister Bjarne Ugeland am Wochenende zu der Sexfilm-Aktion und bedauerte, dass "die ganze Aufmerksamkeit ja von der Musik und anderen positiven Erlebnissen für die Jugendlichen abgelenkt wird".

Das Quart-Festival (5. bis 10. Juli) findet seit zwölf Jahren in Kristiansand statt und gilt als größtes Rock-Ereignis Norwegens. In diesem Jahr spielten unter anderen internationale Bands und Künstler wie Morrissey und die Black Eyed Peas, in den kommenden Tagen sollen noch die Pixies, Franz Ferdinand, Alicia Keys und Sean Paul auftreten.



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