RTL-Dreiteiler "Die Patin" Mutti beim Morden

Sind Hausfrauen die besseren Verbrecher? Im Mafia-Thriller "Die Patin" wird Veronica Ferres als Vorort-Lady zum Gangster-Boss. Ein kunstvoll verschlungenes Verschwörungsspektakel, das nur ein Problem hat: die Hauptdarstellerin.

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Bislang war sie vollkommen damit ausgelastet, den Kindergeburtstag für ihre Tochter zu organisieren. Doch auf einmal muss die Society-Dame aus Bad Homburg, jenem edel verwitterten Städtchen, in dem Frankfurts obere Zehntausend gerne ihr Geld in geräumigen Villen parken, eigenhändig allerlei riskante Transfers erledigen. Zum Beispiel in Paris wichtige Geldschiebereien mit Moskauer Oligarchen organisieren. Oder fünf Millionen Dollar durch Weißrussland schmuggeln. Oder fünf Tonnen Heroin nach Marseilles.

Ein ansehnliches internationales Netzwerk hat sich der Gatte von Katharina Almeda (Veronica Ferres) nämlich in den Glas-und-Stahl-Kulissen seiner Großspedition aufgebaut, einen Geldwäschebetrieb auf höchstem Niveau. Und als der Konzernchef hinter Gitter kommt, muss die Dame des Hauses eben selbst ran – allerdings weniger aus Ehrgeiz denn aus Überlebenswillen: Die Mafia bedroht ihre Familie, der Bundesnachrichtendienst (BND) hält ihren Mann gefangen, und das Bundeskriminalamt (BKA) lässt sich partout nicht davon abbringen, sie selbst für eine der Drahtzieherinnen im internationalen Drogenhandel zu halten. Eine Zwangslage, aus der sich Frau Almeda nur mit purem Aktionismus befreien kann.

Von der Speckgürtelmama zur Mafia-Chefin

Das ist die große Leistung dieses komplexen Thriller-Szenarios: dass die Handlung bis in die letzte Untereinheit der korsischen Mafia und den hintersten Winkel des deutschen Behördendschungels in sich plausibel bleibt. Wenn man nirgendwo Deckung findet, bleibt einem eben nichts anderes übrig, als in die Schusslinie zu streben.

Denn geschossen wird hier von allen Seiten, auch von der anfangs so unbedarften Unternehmerfrau. Gerade noch gibt sie dem Opa per Telefon Anweisungen, wie die Bauchschmerzen der Tochter zu kurieren seien, da greift sie schon selbst zum MG, um die Heroinladung vor den Flics in Südfrankreich zu schützen: Das Abendessen steht zum Warmmachen im Kühlschrank, Mutti ist noch mal kurz zum Morden raus.

Von der Speckgürtelmama zur Mafia-Chefin: Was in "Die Patin" von Veronica Ferres durchgespielt wird, hatte zuvor schon einmal Catherine Zeta-Jones in Steven Soderberghs "Traffic" (2000) absolviert. Während im US-Original quasi-journalistisch die Koks- und Kapitalströme im kleinen Grenzverkehr zwischen Mexiko und Kalifornien nachgezeichnet wurden, bleibt der Drogenhandel im deutschen Nachbau allerdings im mehr oder minder bekannten Kinomilieu verhaftet – inklusive stimmiger Referenzen an den Drogenkrimi "French Connection II".

Deutscher Behördenwahnsinn

Dafür ist der Subplot, in dem das Konkurrenzverhältnis zwischen BKA und BND beleuchtet wird, von einem im deutschen Fernsehen seltenen Aberwitz: Während BKA-Kommissar Kranold (Axel Prahl) den Unternehmer Almeda für seine Geldwäschegeschäfte drankriegen will, hat der BND ihn als Kronzeugen auf internationaler Ebene im Visier und hält ihn in Südfrankreich gefangen – auch um deutsche Rüstungsindustrielle, die weitläufig in Almedas Geschäfte verstrickt sind, zu schützen. Jede Kostenstelle kocht hier ihr eigenes Süppchen, man belügt und bekriegt sich gegenseitig. Behördenwahnsinn eben.

Lobenswert, dass RTL diesen verschachtelten Krimi von Christoph Darnstädt (Buch) und Miguel Alexandre (Regie) als Dreiteiler produzieren lassen hat, also in jenem Format, dass bei deutschen Fernsehanbietern einen schlechten Ruf genießt und inzwischen gerade zur Weihnachtszeit besonders gefürchtet wird.

Ständig gehen in "Die Patin" neue Türen und doppelte Böden auf, konstant verschieben sich die Grenzverläufe zwischen Gut und Böse. Im Serienrahmen hätten die Zuschauer kaum die nötige Aufmerksamkeit aufbringen können, als Zweiteiler hätte der Stoff erheblich an Komplexität eingebüßt.

Getriebenes Muttertier

Einen kleinen Haken hat dieses Vorzeigeunternehmen dennoch: die Hauptdarstellerin. Veronica Ferres variiert hier ein weiteres Mal ihre Rolle als getriebenes Muttertier, und in ihrem wie immer mordsgerechten Wüten gehen gelegentlich die Subtilitäten flöten, die dieses verschlungene Verschwörungsszenario zwischen hoher Politik, großem Geld und globalisiertem Verbrechen eigentlich auszeichnet.

Eine Szene absolviert Ferres indes tatsächlich mit Witz und Bravour: In einem Moskauer Kreditinstitut werden ihr von einem russischen Oligarchen fünf Millionen Dollar überreicht. Ein Haufen druckfrischer Geldscheine in einem fabrikneuen Stahlkoffer, wer zählt da schon nach? Hausfrauchen Almeda tut es, zieht damit die genervten Blicke der Nadelstreifengangster auf sich – und vermeldet nach einigen zähen Stunden, dass 10.000 Dollar zu fehlen scheinen. In Wirklichkeit hat sie sich die Dollarnoten unbemerkt in die eigenen Taschen gesteckt. Profiarbeit nennt man so was wohl.

Ein paar mehr solcher Auftritte hätten diesem Film, in dem Veronica Ferres selbst mit bleispuckendem Maschinengewehr den Eindruck rechtschaffener Empörung vermittelt, ganz gut getan. Wäre die Hauptperson doch auf diese Weise in ein durchaus inspirierendes Zwielicht gerückt.

Mit dem ewigen Gerechtigkeitsbollwerk Ferres ist das aber natürlich nicht drin. Würde sie nicht die Titelrolle spielen – dieser monströse Krimi könnte seine unweihnachtliche Botschaft noch viel rigoroser verbreiten: Frauen sind einfach die besseren Verbrecher.


"Die Patin – Kein Weg zurück": 14., 15. und 17. Dezember, jeweils 20.15 Uhr, RTL



insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
aqualung 14.12.2008
1. Keine Chance
Zitat von sysopSind Hausfrauen die besseren Verbrecher? Im Mafia-Thriller "Die Patin" wird Veronica Ferres als Vorort-Lady zum Gangster-Boss. Ein kunstvoll verschlungenes Verschwörungsspektakel, das nur ein Problem hat: die Hauptdarstellerin. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,596151,00.html
Keine neue Erkenntnis: Filme mit Vroni sind grundsätzlich zu meiden. Obwohl...Axel Prahl ?! Nee, lieber doch nicht !
VorwaertsImmer, 14.12.2008
2. Der Angriff der 20 Meter Frau....
Für Fans des emazipatorischen Hau-Drauf Kinos habe ich noch einen anderen Klassiker parat: "Der Angriff der 20 Meter Frau". Neben "der Patin" ein weiteres Juwel für den geneigten Zuschauer.....
freelance, 14.12.2008
3. Ferres
ist absolutes no-go für mich!
faustjucken_de 14.12.2008
4. Ich werde es nie verstehen...
Wer guckt sowas nur? Ich konnte nach drei Absätzen vor Langeweile nicht mal den Artikel zu Ende lesen. Wer kann was anderes erwarten als ein tumbes Machwerk mit der logischen Konsistenz einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung ?
Ben-99, 14.12.2008
5. Devote Presse-Mafia-Braut
... so schlecht ist sie eigentlich gar nicht. Sicher, an eine Nadja Uhl reicht die Vroni nicht heran, aber sie ist immer noch erträglicher als zum Beispiel eine vom milliardenschweren Ehemann gepushte Laiendarstellerin der Kategorie Maria “Burdine” Furtwängler. Auch Iris Berben halte ich für überschätzt. Daß viele inzwischen so genervt auf Veronica Ferres reagieren, hängt wohl auch mit ihrer ständigen Medienpräsenz vor allem in der Springer-Presse zusammen. Daß man eine erfolgreiche, angesehene Charakterdarstellerin sein kann, ohne es nötig zu haben, dauernd mit “Bild”-Reportern rumzuhängen, beweist auch Senta Berger, die sich erst im reifen Alter zu einer wirklich guten Schauspielerin entwickelt hat. Vielleicht gelingt Frau Ferres das ja auch noch einmal irgendwann.
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