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RTL-Format "Erwachsen auf Probe": Firmen ziehen Werbespots zurück

Erst der Protest von Kinderschützern - jetzt ein Boykott durch Großunternehmen: Werbekunden wie Storck und Ikea ziehen ihre Spots aus dem Umfeld der Doku-Soap "Erwachsen auf Probe" zurück. RTL will dennoch an dem umstrittenen Format festhalten.

Hamburg - Die in die Kritik geratene RTL-Sendung "Erwachsen auf Probe" gerät weiter unter Druck. Insgesamt elf Unternehmen sollen nach Informationen des Vereins Verantwortung für die Familie e.V. bereits ihre Werbung aus dem Umfeld der Doku-Reihe zurückgezogen haben, unter anderem der Süßwarenhersteller Storck und das Möbelhaus Ikea.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE bestätigte Bernd Rössler, der Unternehmenssprecher von Storck: "Wir haben unsere Media-Agentur gebeten, im Umfeld dieser Sendung keine Werbung zu schalten." Auch der Lebensmittel-Discounter Lidl will dort nicht mehr werben. Eine Sprecherin gab an, dass das Unternehmen vermehrt Kundenschreiben zu diesem Thema erhalten habe.

Kerstin Bartels, Unternehmenssprecherin von VHV Versicherungen, sagte SPIEGEL ONLINE, man habe den Programmmachern bei RTL vertraut: "Nachdem wir uns die Sendung allerdings selbst angesehen haben, sind wir schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass wir ein derartiges Programm nicht mit Werbebuchungen unterstützen möchten."

Außerdem sollen nach Auskunft von Verantwortung für die Familie e.V. die Firmen Danone, Nintendo, Söhnlein, das Gesundheitsunternehmen GlaxoSmithKline, Arzneimittel-Hersteller Boehringer Ingelheim, der Baumarkt Obi und KarstadtQuelle Versicherungen ihre Werbung zurückgezogen haben.

Eine Sprecherin des RTL-Werbezeitenvermarkters IP Deutschland hat den Rückzug einiger Firmen aus "Erwachsen auf Probe" inzwischen bestätigt. Für den Sender entstünden jedoch keine Verluste, da die Spots der betroffenen Unternehmen vertragsgemäß an andere Stellen im RTL-Programm umgebucht worden seien.

Trotz der Stornierungen will RTL die umstrittene TV-Reihe "Erwachsen auf Probe" nicht absetzen. "Wir werden an dem Format festhalten", sagte eine RTL-Sprecherin am Mittwoch.

Der Verein Verantwortung für die Familie e.V. hatte zuvor Strafanzeige gegen "Erwachsen auf Probe" gestellt. Die Sendung erregte in den vergangenen Wochen den Unmut vieler Verbände und Politiker, weil in der Sendung Teenager den Umgang mit Babys und Kleinkindern erlernen. Die Eltern gaben zu diesem Zweck ihren Nachwuchs bis zu vier Tage an die Jugendlichen ab. Laut RTL hatten die Erziehungsberechtigten ihre Kinder jedoch immer per Monitor unter Kontrolle.

can/dpa

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