RTL in der Kritik DDR-Show ist keine "Verhohnepiepelung"

Der Kölner Fernsehsender RTL wehrt sich gegen Vorwürfe, seine geplante "DDR-Show" sei eine Verharmlosung der Menschenrechtsverletzungen in der ostdeutschen Diktatur. Auch das ZDF will mit einer eigenen Show auf die Ostalgie-Welle im TV aufspringen.


Köln/Berlin - Die Hilfsorganisation "Help", eine Einrichtung für Opfer politischer Gewalt in Europa, hatte in einem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben an den RTL-Intendanten einen Verzicht auf die von dem Kölner Sender geplante, große "DDR-Show" gefordert. Schon die Titelgebung impliziere eine "Verharmlosung der schlimmen zweiten Diktatur", hieß es zur Begründung. In der DDR seien Hunderttausende von Verbrechen, Freiheitsberaubungen, Menschenrechts- und Demokratieverletzungen geschehen. "Wir erwarten - und mit uns Millionen moralisch denkende und empfindende Menschen - dass Sie diese DDR-Diktatur-Verharmlosungs- und Verniedlichungs-Show weder produzieren noch senden", hieß es weiter.

Der Sender will trotz dieser Kritik an seiner Ostalgie-Revue festhalten. "Wir haben mit der Sendung 'Wir da drüben' bereits eine große DDR-Dokumentation gezeigt, die die politischen Zusammenhänge darstellte", sagte RTL-Redakteur Edgar Schnicke am Mittwoch. In dem am 3. September mit Oliver Geißen und Katarina Witt als Moderatoren startenden Format werde nun das ehemalige Alltagsleben von Millionen Menschen gezeigt.

Geplant sind Gespräche mit prominenten Gästen, Ausschnitte aus dem Fernseh- und Filmprogramm der DDR sowie eine Präsentation der ehemaligen Musik, Mode und Alltagskultur. Das sei keine "Verhohnepiepelung" oder ähnliches, sagte Schnicke. Er versäumte nicht, darauf hinzuweisen, dass "Help" auch schon Strafanzeige gegen Leander Hausmanns Film "Sonnenallee" wegen Beleidigung der Maueropfer gestellt hatte.

Kein Wunder, dass RTL sich nicht beirren lassen will. Denn nach Quizboom und Superstar-Schwemme scheint auch die Konkurrenz das Geschäft mit der Ostalgie zu wittern. Auch das ZDF will die Alltagskultur der DDR in einem Unterhaltungsformat darstellen. Das Format werde schon am 17. August, also gut zwei Wochen vor RTL, das erste Mal zu sehen sein, sagte Moderator Marco Schreyl, der gemeinsam mit Andrea Kiewel durch die Show führen soll, am Mittwoch bei der Vorstellung des neuen ZDF-Programms auf der Telemesse in Köln. Gerüchten zufolge arbeitet man auch bei Sat.1 an der Entwicklung einer eigenen Ost-Show.



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