Wegen Nazi-Vergangenheit: Journalistenpreis umbenannt

Aus der Rudolf-Vogel-Medaille wird der Journalistenpreis der Südosteuropa-Gesellschaft. Der bisherige Namensgeber habe in der NS-Zeit Propaganda verbreitet, teilte Verbandschef Gernot Erler mit. Der jüngste Preisträger hatte die Auszeichnung deshalb zuerst abgelehnt.

SOG-Präsident Erler: "Mehr auf die Verdienste geschaut" Zur Großansicht
DPA

SOG-Präsident Erler: "Mehr auf die Verdienste geschaut"

Hamburg/Berlin - Weil die Auszeichnung jahrelang den Namen eines Mannes mit Nazi-Vergangenheit trug, hat die Südosteuropa-Gesellschaft (SOG) einen Preis für Journalisten umbenannt. Die Rudolf-Vogel-Medaille heißt jetzt Journalistenpreis der Südosteuropa-Gesellschaft, wie deren Präsident Gernot Erler am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa sagte. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) hatte berichtet, dass der diesjährige Preisträger der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ) die Medaille nicht habe annehmen wollen, weil Vogel als Journalist NS-Propaganda verbreitet habe.

Die Südosteuropa-Gesellschaft wird auch vom Auswärtigen Amt finanziert und verleiht Erler zufolge die Medaille seit 1992 an Journalisten.

Erler, der Vizevorsitzender der SPD-Fraktion im Bundestag ist, sprach von "Versäumnissen". Man sei über die neuen Hinweise sehr dankbar, sagte er der dpa. Vogel, der für die CDU im Bundestag saß, habe mehr als 30 Jahre an der Spitze der Gesellschaft gestanden. "Man hat mehr auf die Verdienste geschaut." Es habe bisher keinen Anlass gegeben, Verdacht zu schöpfen.

Es sei zu bedauern, dass bisher weder die Gesellschaft noch Preisträger auf die Idee gekommen seien, genauer hinzuschauen - zumal es seit einiger Zeit sogar einen Wikipedia-Eintrag "mit sehr deutlichen Hinweisen auf die Tätigkeit von Vogel" gebe. Der 1991 gestorbene Vogel habe es "ganz offensichtlich geschafft, eine Entnazifizierung erfolgreich zu umgehen".

Die Gesellschaft mit Sitz in München habe nach den neuen Hinweisen sofort reagiert: Das Präsidium habe am Freitag die Auszeichnung umbenannt. Daraufhin habe der Preisträger der "NZZ", Andreas Ernst, dann doch die Ehrung am Samstag in Bochum entgegengenommen.

Das Auswärtige Amt teilte mit, dass es seit vielen Jahren die Gesellschaft als Institution für den Austausch mit Südosteuropa fördere. "Damit war nie ein Einfluss auf die Arbeit der Gesellschaft, die Entscheidungen ihrer Gremien und die von ihr verliehenen Preise verbunden."

sha/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Medienbranche
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite