Ruhrfestspiele Frank Hoffmann wird Castorfs Nachfolger

Frank Castorf hat ausgespielt - zumindest an der Ruhr, wo man den Regiestar als Chef der Recklinghäuser Festspiele nicht mehr haben will. Im August hatten die Gesellschafter den Theatermacher gefeuert, jetzt steht sein Nachfolger fest: der mehrfach ausgezeichnete Regisseur Frank Hoffmann.


Regisseur Frank Hoffmann: Bereit zur "Herkules-Aufgabe, Leute ins Theater zu holen"
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Regisseur Frank Hoffmann: Bereit zur "Herkules-Aufgabe, Leute ins Theater zu holen"

Nach viel Theater um Castorfs Nachfolge steht jetzt der neue Festspielchef fest: Der Dramatiker Frank Hoffmann aus Luxemburg wird neuer Intendant der Ruhrfestspiele in Recklinghausen. Der 50-jährige Leiter des Théâtre National du Luxembourg soll zunächst als Interims-Festspielleiter bis 2006 an der Ruhr das Ruder übernehmen. Dies gab heute der nordrhein-westfälische Kulturminister Michael Vesper (Grüne) nach einer Aufsichtsratssitzung bekannt.

Hoffmann ist in Recklinghausen kein Unbekannter: Der Theatermacher wurde von Castorfs Vorgänger Hansgünther Heyme bereits mehrfach zu den Ruhrfestspielen eingeladen. Zuletzt zeigte das Luxemburger Theater Thomas Bernhards "Theatermacher" in der Inszenierung Frank Hoffmanns bei den Ruhrfestspielen 2003.

Zum Programm für 2005 konnte Hoffmann zunächst keine Angaben machen. In dieser Frage müsse er sich "noch bedeckt" halten. Allerdings wolle er alle Genres bieten, sagte der 50-Jährige, der seinem neuen Amt mit viel Respekt begegnet. "Es ist eine Herkulesaufgabe, Leute ins Theater zu holen, ohne Kompromisse zu machen", sagte der Regisseur. Die Ruhrfestspiele in Recklinghausen zählen nach seiner Einschätzung zusammen mit Bayreuth zu den wichtigsten Festivals Deutschlands.

Der Bürgermeister der Stadt Recklinghausen, Wolfgang Pantförder (CDU), lobte die Wahl als "gute und schnelle Entscheidung". Nach der Auflösung des Vertrags mit Castorf habe man einen Intendanten gesucht, der das verlorengegangene Publikum wieder erreichen und als Theatermacher aus "der Kraft der Stadt und der Region" schöpfen könne.

Tatsächlich tritt Hoffmann ein schweres Erbe an: Unter der Leitung des Berliner Volksbühnen-Intendanten Castorf hatte sich die Zuschauerzahl der Ruhrfestspiele in der Saison 2004 auf rund 22.000 mehr als halbiert. Wie hoch der finanzielle Verlust genau ausfällt, wird derzeit noch geprüft. Ende Juni hatten die Gesellschafter des Festivals die Mindereinnahmen für 2004 noch auf mehr als 700.000 Euro beziffert. Die juristischen Auseinandersetzungen um die Entlassung Castorfs, dessen Vertrag eigentlich erst 2007 ausläuft, sind noch nicht abgeschlossen.

Wegen des finanziellen Engpasses muss Hoffmann für das kommende Jahr mit einem deutlich geringeren Festspieletat rechnen. Aufgrund der "finanziellen Altlast" müsse das Festival "um einiges beschnitten" werden, erklärte die Vorsitzende des Festspiel-Aufsichtsrates, Ingrid Sehrbrock. Konkrete Angaben machte sie aber noch nicht. Im kommenden Jahr soll zudem eine dauerhafte Lösung für die Intendanz gefunden werden. Sollte sich Hoffmann in seiner Arbeit bewähren, könne er auch für diesen Posten in Frage kommen.

Unterdessen wird auch die Leitung der Ruhrtriennale kontrovers diskutiert. Das am 31. August 2002 auf der Essener Zeche Zollverein gestartete Theater-, Oper- und Musikfestival wird aktuell von Kulturmanager Gerard Mortier geleitet. Mortier hat gerade seine erste Spielzeit absolviert und mit 25.000 Besuchern im Jahr 2004 für stolze 87 Prozent Auslastung gesorgt.

Als neuer Intendant wurde kürzlich Jürgen Flimm bestellt. Problem bei der Ernennung: Flimm ist auch als Leiter der Salzburger Festspiele verpflichtet. Mortier kritisierte die Doppelfunktion des Theaterregisseurs: "Man kann nicht gleichzeitig das Festival in Salzburg und die Ruhrtriennale leiten", so der Ruhtriennale-Chef heute in Paris gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "Das sind zwei Festivals, das ist nicht vereinbar."

Mortier zufolge seien zahlreiche Projekte, die Flimm für Salzburg ins Auge fasse, eigentlich Projekte für die Ruhr gewesen. "Das wird eine ständige Konkurrenz zwischen beiden Festivals sein", meinte Mortier, der selber Chef in Salzburg und Gründungsintendant der Ruhrtriennale war und jetzt in Paris die Leitung der Oper übernommen hat.

Flimm wies die Behauptungen umgehend zurück: "Von Konkurrenz kann gar keine Rede sein. Denn erstens steht das Programm für Salzburg noch gar nicht. Zweitens wird das Programm für die Triennale 2005 erst im Oktober abgeschlossen", so der Theatermacher heute gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Flimms fünfjähriger Vertrag als Intendant der Salzburger Festspiele beginnt im Oktober 2006, seine erste Saison wird 2007 starten. Die Ruhrtriennale soll er von Herbst 2004 bis 2007 leiten.



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