Rundfunkpionier Peter von Zahn ist tot

Der Rundfunkpionier und Fernseh-Journalist Peter von Zahn ist im Alter von 88 Jahren in Hamburg gestorben. Der erste deutsche Auslandskorrespondent beeinflusste Generationen von Reportern.


Hamburg - Von Zahn sei bereits am vergangenen Donnerstag einer schweren Krankheit erlegen, bestätigte seine Witwe Marion von Zahn am Samstag. Peter von Zahn gehörte zu den Rundfunkpionieren, die nach dem Zweiten Weltkrieg wesentlich am Wiederaufbau des Hörfunks und der Gründung des Fernsehens in der Bundesrepublik beteiligt waren. In der "Stunde Null" war er neben Peter Bamm, Axel Eggebrecht und Ernst Schnabel einer der ersten Journalisten-Stars.

Peter von Zahn
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Peter von Zahn

Von Zahn prägte mit seinen Fernsehberichten das Amerika-Bild der Deutschen in den 50er Jahren; seine langsame, eigentümlich betonende Sprechweise war unverwechselbar. Der Journalist, der nahezu dreitausend Hörfunkbeiträge verfasste und mehr als tausend Fernsehfilme drehte, baute den Nordwestdeutschen Rundfunk auf und war als erster deutscher Auslandskorrespondent nach dem Krieg Vorbild für Generationen von Reportern. Er war Leiter der Abteilung Wort in Hamburg und 1949 Leiter des NDR-Studios Düsseldorf.

Mit der Reihe "Von Rhein und Ruhr" entwickelte er neue Formen der Rundfunkreportage. Von 1951 bis 1960 arbeitete Peter von Zahn als Amerika-Korrespondent für Hörfunk und Fernsehen. In dieser Zeit entstanden seine Berichte "Bilder aus der Neuen Welt" und "Bilder aus der farbigen Welt".

Sein besonderer Stil brachte ihm zahlreiche Auszeichnungen ein. So erhielt er drei Mal den Adolf-Grimme-Preis, jeweils den DAG-Fernsehpreis in Silber und Gold sowie die Goldene Kamera und den Bayerischen Fernsehpreis. Sein Eintreten für das von Konrad Adenauer geforderte Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) bescherte von Zahn Probleme mit der ARD, bis er sich 1960 als Geschäftsführer der Windrose Film- und Fernsehproduktion selbstständig machte. 200 Stunden Programme entstanden in der Reihe "Die Reporter der Windrose berichten".

1982 trennte sich Peter von Zahn von der "Windrose" und produzierte noch gelegentlich mit seiner Firma "Anatol", die nach dem Labrador einer früheren Sekretärin von Zahns benannt wurde, fürs Fernsehen. Nach den Worten von Marion von Zahn war ihr Ehemann trotz der schweren Krankheit bis zuletzt aktiv. So habe er nach wie vor Zeitungsartikel verfasst, Vorträge gehalten und am dritten Teil seiner Lebenserinnerungen gearbeitet.

Der Reporter mit der markanten Stimme war am 29. Januar 1913 in Chemnitz als Sohn eines Offiziers zur Welt gekommen. Nach einem Volontariat im Münchner Verlag Langen-Müller studierte er Jura, Geschichte und Philosophie. Kurz nach seiner Promotion zum Dr. phil. 1939 brach der Krieg aus und er wurde zur Wehrmacht eingezogen. Von Zahn blieb bis 1945 Soldat und Kriegsberichterstatter. Der Vater von fünf Töchtern lebte bis zuletzt in Hamburg.



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