Israelkritische Karikatur in "Sunday Times": Murdoch twittert Entschuldigung

Karikaturen sind oft polemisch. Doch wo verläuft die Grenze zwischen Polemik und Geschmacklosigkeit? Eine Zeichnung über Israels Premier Benjamin Netanjahu in der britischen Zeitung "Sunday Times" sorgt für Aufregung. Jetzt hat sich deren Besitzer Rupert Murdoch per Twitter entschuldigt.

"Sunday Times"-Inhaber Rupert Murdoch distanziert sich von Netanjahu-Zeichnung Zur Großansicht
REUTERS

"Sunday Times"-Inhaber Rupert Murdoch distanziert sich von Netanjahu-Zeichnung

London/Hamburg - Mit einer Karikatur zu den Parlamentswahlen in Israel hat die britische Zeitung "Sunday Times" für Aufregung gesorgt. Vertreter jüdischer Gemeinden werfen dem Blatt Antisemitismus vor und reichten eine Klage vor dem Presserat ein.

Auslöser der Kontroverse ist eine Zeichnung des britischen Karikaturisten Gerald Scarfe, die ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag publiziert worden war. Darauf sieht man den israelischen Premier Benjamin Netanjahu, der aus Blut und Gliedmaßen von palästinensischen Männern und Frauen eine Mauer errichtet. Die Zeichnung trägt den Namen "Israeli Elections: Will Cementing Peace Continue?" Eine Anspielung auf Netanjahus Siedlerpolitik, die der Premier während der Parlamentswahlen immer wieder verteidigt hatte.

Neben dem unglücklich gewählten Veröffentlichungsdatum wurde auch die geschmacklose Umsetzung kritisiert. Das Abgeordnetenhaus der britischen Juden, die wichtigste Vertretung jüdischer Interessen in Großbritannien, zeigte sich entsetzt über die Parallelen zwischen Scarfes Zeichnung und "dem Blutgerücht". Damit sei der antisemitische Mythos gemeint, dass Juden Kinder ermorden würden und deren Blut für Rituale nutzen. Das Blutgerücht war in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder Anlass für Pogrome.

Jetzt reagiert der oberste Chef des Blattes auf die Antisemitismus-Vorwürfe. "Sunday Times"-Inhaber und Medienmogul Rupert Murdoch distanzierte sich am Montag per Twitter von Scarfes Arbeit. "Gerald Scarfe hat nie die Ansichten der Zeitung widergespiegelt", schrieb Murdoch. "Dennoch müssen wir uns deutlich für die groteske, anstößige Karikatur entschuldigen."

Auch der kommissarische Chefredakteur der Zeitung, Martin Ivens, fand am Dienstag klare Worte. Die Beleidigung des Holocaust-Gedenktages sei "das Letzte, was ich oder jemand anderes von der 'Sunday Times' tolerieren würde."

Karikaturist Scarfe hat sich zu der Debatte bisher nicht geäußert. Allerdings ist der Brite bekannt für kontroverse Darstellungen. So hatte er 1974 zum Rücktritt von Richard Nixon ein Bild gemalt, auf dem sich der Präsident mit der US-Flagge den Hintern abwischt. Auch Margaret Thatcher war ein beliebtes Motiv des Karikaturisten, der neben der "Sunday Times" auch für den "New Yorker" tätig war. Scarfes berühmteste Arbeit hat jedoch nichts mit Politik zu tun: 1979 entwarf er das Cover und die Animationen zum Pink-Floyd-Album "The Wall".

sbr/dpa/AP

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insgesamt 4 Beiträge
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1.
a24 29.01.2013
---Zitat--- Das Abgeordnetenhaus der britischen Juden, die wichtigste Vertretung jüdischer Interessen in Großbritannien, zeigte sich entsetzt über die Parallelen zwischen Scarfes Zeichnung und "dem Blutgerücht". Damit sei der antisemitische Mythos gemeint, dass Juden Kinder ermorden würden und deren Blut für Rituale nutzen. ---Zitatende--- Geschmacklos vielleicht, aber Kinder kann ich in der Karikatur nicht erkennen.
2. Heuchelei
stürmisch 29.01.2013
Israelkritische Karikaturen sind angeblich antisemitisch und verwerflich. Aber wenn man den Islam auf übelste verunglimpft und so viele Menschen mit Absicht verletzt ist es durch die Pressefreiheit geschützt. Da kann man nur den Kopf schütteln und hoffen, dass die Menschen ihr Hirn einschalten.
3.
hxk 29.01.2013
Zitat von a24Geschmacklos vielleicht, aber Kinder kann ich in der Karikatur nicht erkennen.
Die Anspielung, den Zusammenhang sollte man dennoch erkennen. So man es will.
4.
shuggarcgn 29.01.2013
Zitat von sysopREUTERSKarikaturen sind oft polemisch. Doch wo verläuft die Grenze zwischen Polemik und Geschmacklosigkeit? Eine Zeichnung über Israels Premier Benjamin Netanjahu in der britischen Zeitung "Sunday Times" sorgt für Aufregung. Jetzt hat sich deren Besitzer Rupert Murdoch per Twitter entschuldigt. Rupert Murdoch entschuldigt sich für Netanjahu-Karikatur - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/rupert-murdoch-entschuldigt-sich-fuer-netanjahu-karikatur-a-880313.html)
Mit welchem Kuckuck haben wir es denn hier zu tun? Seit wann ist Satire "problematisch" geworden? Seit ihr nicht die selbe Bastion gewesen, die die dänischen Barbarenakte als Bollwerk "der Freiheit" in den Himmel geschrien habt?
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