Medienmogul Murdoch zeigt Reue: "Ich habe versagt"

Fehler, Versagen, Entschuldigungen: Am zweiten Tag im Kreuzverhör zu dem Abhörskandal gibt sich Medienzar Rupert Murdoch reumütig. Doch ein Schuldeingeständnis kommt dem 81-Jährigen nicht über die Lippen - stattdessen bezichtigt er langjährige Mitarbeiter der "Vertuschung".

Rupert Murdoch vor der Leveson-Kommission in London: "Das tut mir leid" Zur Großansicht
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Rupert Murdoch vor der Leveson-Kommission in London: "Das tut mir leid"

London - Den zweiten Tag in Folge musste der Medienmogul Rupert Murdoch auf die Fragen des richterlichen Untersuchungsausschusses, der Leveson-Kommission, antworten. Nachdem der 81-Jährige am Mittwoch von sich noch das Bild eines harmlosen Zeitungsliebhabers zeichnete, gab er am Donnerstag schwere persönliche Fehler im Umgang mit der Abhöraffäre in seinem britischen Zeitungsimperium zu.

"Ich muss auch sagen, ich habe versagt, und das tut mir leid", sagte Murdoch. Die Abhörpraktiken bei der inzwischen eingestellten Zeitung "News of the World" seien ihm nicht bekannt gewesen. Er hätte sich mehr kümmern sollen, räumte er ein. Spätestens nach der Entlassung eines inhaftierten "News-of-the-World"-Reporters hätte er diesen befragen müssen und nicht weiter von einem Einzelfall ausgehen dürfen. Murdoch äußerte Bedauern für die von den Abhörmethoden Betroffenen und deren Familien. Ähnliches hatte er bereits bei seinem Auftritt vor dem Medienausschuss des Unterhauses im vergangenen Juli geäußert.

Murdoch sagte, er selbst und sein Sohn James seien Opfer einer "Vertuschung" durch Untergebene bei der "News of the World" gewesen. Ein oder zwei Mitarbeiter seines Medienkonzerns News Corp. hätten die Abhörpraktiken verheimlicht. Murdoch sagte, er werde die Namen der Mitarbeiter, an die er denke, nicht nennen, weil sie festgenommen werden könnten. Es habe sich jedoch um hochrangige Angestellte gehandelt. Einer der Mitarbeiter sei "lange, lange, lange Jahre" bei der "News of the World" sowie ein Vertrauter und "Trinkkumpan" von betroffenen Journalisten gewesen. Es handle sich dabei um einen "klugen Anwalt".

Kurze Zeit später meldete sich der ehemalige Hausjurist der Zeitung, Tom Crone, zu Wort. Murdoch könne seine Äußerungen nur auf ihn bezogen haben, erklärte er in einer Mitteilung. Dass er jedoch für eine "Verschleierung" verantwortlich gemacht werde, sei eine "beschämende Lüge". Auch sei nicht wahr, dass er die Konzernleitung falsch informiert habe, so Crone.

Cameron wird die Murdoch-Affäre nicht los

Journalisten der sonntäglichen Boulevardzeitung "News of the World" hatten im großen Stil die Handy-Mailboxen von Prominenten, Verbrechensopfern und Angehörigen getöteter Soldaten angezapft. Mehrere Journalisten und Manager, darunter Verlagschefin Rebekah Brooks, mussten gehen. Gegen sie und andere wird auch strafrechtlich ermittelt. Hinzu kam eine Affäre bei Murdochs Zeitung "The Sun": Reporter des Blattes stehen im Verdacht, Polizisten und andere Beamte bestochen zu haben. Hochrangige Offiziere von Scotland Yard mussten ebenfalls ihren Hut nehmen. Ziel des 2011 eingesetzten richterlichen Ethikausschusses ist es, Lehren aus der Affäre zu ziehen und Empfehlungen für einen neuen Pressekodex auszuarbeiten.

Murdoch wies vor dem Ausschuss Vorwürfe von sich, er habe Einfluss auf die Politik genommen, um seine wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen. Auch der britische Premierminister David Cameron wehrte sich gegen den Vorwurf, er habe das Parlament falsch informiert. Cameron hatte gesagt, er habe sich höchstens zwei Mal mit Murdoch getroffen. Eine Liste aus dem Untersuchungsausschuss legt nahe, dass es mindestens fünf, wenn nicht acht Treffen des Regierungschefs mit dem Medienzaren gegeben habe. Diese Liste wurde allerdings von dem Vorsitzenden des Ausschusses, Brian Leveson, noch nicht freigegeben.

Camerons Regierung steht unter Druck, weil sie vergangenes Jahr die komplette Übernahme des Fernsehsenders BSkyB durch Murdochs Unternehmen befürwortet hatte. Am Dienstag wurde bekannt, dass der von Cameron mit der Angelegenheit betraute Kulturminister Jeremy Hunt über seinen Mitarbeiter Adam Smith bereits zuvor Kontakt zu Murdoch-Lobbyisten gehabt hatte. Dies geht aus E-Mails hervor, die während der Untersuchung vom Murdoch-Konzern zur Verfügung gestellt worden waren. Die Opposition fordert vehement den Rücktritt Hunts, der auch für die Ausrichtung der Olympischen Spiele im Sommer in London zuständig ist. Es sei "kaum zu glauben", dass Hunt noch im Amt sei, sagte Labour-Parteichef Ed Miliband.

lgr/dpa/AFP

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