Medienmogul Murdoch: Angezapft von den eigenen Leuten

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Rupert Murdoch: "Ihr habt meine vollste Unterstützung"

Der Skandal um abgehörte Handys? Völlig überbewertet. Die Polizei? Total inkompetent. Rupert Murdoch hat in einer internen Besprechung über die Aufklärung des Abhörskandals in seinem Medienimperium gespottet. Wie das rauskam? Er wurde selber Opfer einer Lausch-Attacke.

London - Nach außen hin hat sich Rupert Murdoch immer reumütig gegeben, dass in seinem Medienimperium systematisch Handys angezapft wurden. Doch intern spielt Murdoch die Bedeutung des Abhörskandals um seine Boulevardtitel "The Sun" und "News of the World" deutlich herunter. In einer internen Beratung mit Londoner Vertretern seines Verlags bereute Murdoch eher, sehr eng mit den Ermittlern zusammengearbeitet zu haben. Die Polizei sei "total inkompetent" gewesen. Den ganzen Abhörskandal bezeichnete er als "annähernd Null".

Im Zuge der Enthüllung, dass bei Murdochs Boulevardzeitungen über Jahre hinweg Prominente und Angehörige von Verbrechensopfern abgehört worden waren,, waren mehrere hochrangige Mitarbeiter von Murdochs Medienkonzern News International verhaftet worden. Auf dem Höhepunkt der öffentlichen Empörung stellte Murdoch sogar sein Traditionsblatt "News of the World" ein.

Dass man nun weiß, wie Murdoch wirklich über den Abhörskandal und seine Folgen denkt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Ein Mitarbeiter schnitt nämlich seine Rede heimlich mit und spielte sie an die investigative Internet-Plattform Exaro weiter. Parallel wurden die Aufnahmen vom britischen Sender Channel 4 ausgestrahlt.

Murdoch beschwerte sich in den Gesprächen unter anderem auch über das harsche Vorgehen der Polizei. "Der Gedanke, dass die Polizisten angefangen haben, hinter euch her zu sein, euch und eure Familien um 6 Uhr morgens aus dem Bett geschmissen haben, das ist unglaublich", sagte Murdoch dem Bericht zufolge.

Von "größter Demut" keine Spur

Den versammelten Mitarbeitern, zu denen auch einige gehört haben sollen, die wegen Bestechung von Polizisten verhaftet wurden, sicherte er seine vollste Unterstützung bei rechtlichen Auseinandersetzungen zu - "auch wenn ihr zu sechs Monaten (Gefängnis - Anm. d. Red.) verurteilt werdet", wird Murdoch zitiert. "Wir reden hier über Geld für nachrichtliche Hinweise von Polizisten, das läuft doch schon seit hundert Jahren so."

Das interne Auftreten Murdochs steht im krassen Gegensatz zu seinem öffentlichen Auftritt vor einem Ausschuss des britischen Parlaments. Die Vorladung hatte der 82 Jahre alte Medienmogul als "Tag der größten Demut" in seinem Leben bezeichnet und volle Zusammenarbeit mit den Behörden zugesichert.

Unterdessen rückt die Verabschiedung eines neuen Regelwerks zur Regulierung des britischen Pressewesens in immer weitere Ferne. Der anhaltende Zwist zwischen Verlegern und Politik hat eine striktere Regulierung nach Vorschlägen eines richterlichen Untersuchungsausschusses verzögert. Mit einer Entscheidung wird nun nicht mehr vor Herbst gerechnet.

hpi/dpa/reuters

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Von den eigenen Lakaien aufs Glatteis geführt
rebell_am_ball 04.07.2013
Das ist dem alten Zausel aber mal richtig zu gönnen. Har.Har. Wahrschenlich tut ihm das mehr weh als jedes Polizeiverhör oder der Abgang seiner Ex. Es bedeutet nämlich, dass er seinen Laden nicht mehr im Griff hat.
2. haha
bonus_bonus 04.07.2013
Ekelhaft heuchlerisches Verhalten! Wer wissen möchte, warum sich solche Machtmenschen so verhalten, dem empfehle ich die YoutubeBeiträge von Erich Fromm: https://www.youtube.com/results?client=opera&q=erich+fromm&oe=utf-8&channel=suggest&um=1&ie=UTF-8&gl=DE&sa=N&tab=w1
3. Murdoch foxt alle aus
raffelnews 04.07.2013
In den UAE hat er bei einer Bootsfahrt G Long nach 16 Jahren am Steuer von Reuters ueberredet, MD seiner Londoner Times zu werden. Das war ein groesserer Coup, als Polizei und Parliament beim "Abhoerskandal" auszufoxen:) Stay tuned. Murdoch isn't finished.
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