Russland: Behörde unterbricht Pussy-Riot-Theaterstück

Aufführung mit Hindernissen: Das Pussy-Riot-Stück "Die Moskauer Prozesse" wurde in der russischen Hauptstadt erst von Beamten unterbrochen, dann von orthodoxen Christen und Kosaken.

Regisseur Milo Rau vor der Aufführung (am Freitag): Visumsärger in RusslandZur Großansicht
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Regisseur Milo Rau vor der Aufführung (am Freitag): Visumsärger in Russland

Moskau - Mitarbeiter der russischen Einwanderungsbehörde haben in Moskau die Aufführung eines Theaterstücks über den Prozess gegen die Punkband Pussy Riot unterbrochen. Vier Uniformierte in den weinroten Westen des Migrationsdienstes kamen unerwartet in das Sacharow-Zentrum in Moskau und überprüften die Papiere des Schweizer Regisseur Milo Rau.

Die in der Gerichtsshow anwesenden Juristen kritisieren das Vorgehen der Mitarbeiter der Ausländerbehörde als unverhältnismäßig. Dagegen verteidigte der Migrationsdienst den Sonntagseinsatz. "Herr Rau ist mit einem Geschäftsvisum nach Russland eingereist, das nicht für eine Erwerbs- oder Journalistentätigkeit gilt", sagte der Vizechef des Migrationsdienstes in Moskau, Sergej Kaljuschny. Der Regisseur sei nur verwarnt, nicht aber mit einer Geldbuße belegt worden, sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Mehrere Beteiligte des Pussy-Riot-Prozesses im vergangenen Jahr spielten mit, darunter auch Bandmitglied Jekaterina Samuzewitsch. Die Sprecherin des Sacharow-Zentrums sagte, sie habe keinerlei Zweifel, dass es der Einwanderungsbehörde eigentlich um das Theaterstück gegangen sei. Die Aufführung sei für zwei Stunden unterbrochen worden. Festnahmen habe es nicht gegeben. Der Regisseur sprach von "absurden Vorwänden" und einer "mühsamen Unterbrechung". "Das zeigt, wie es ist", sagte Rau.

Später wurde das Stück erneut unterbrochen, weil sich vor dem Sacharow-Zentrum orthodoxe Christen und Kosaken versammelt hatten. Einige von ihnen seien hineingebeten worden, um sich zu überzeugen, dass das Theaterstück nicht antireligiös sei, schrieb ein Mitarbeiter des Zentrums auf Facebook.

Die regierungskritische Punkband Pussy Riot hatte im Februar 2012 in der Moskauer Christi-Erlöser-Kathedrale gegen den damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Präsidenten Wladimir Putin protestiert. Im August wurden die drei Aktivistinnen der Gruppe zu jeweils zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Die Strafe für Samuzewitsch wurde später auf Bewährung ausgesetzt.


ore/AFP/dpa

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