Moskauer Künstler Ches Der Folien-Banksy

Evgeniy Ches platziert seine Bilder im Wald, zwischen den Bäumen scheinen Dinosaurier und Bären zum Leben zu erwachen. Hier erzählt er, wie seine Werke entstehen.

Evgeny Ches

Ein Interview von


Evgeniy Ches ist 35 Jahre und Künstler aus Moskau. In den Neunzigerjahren hat er mit dem Zeichnen von Graffiti begonnen, "seitdem hat mich die Begeisterung dafür nie verlassen". Ches bestreitet seinen Lebensunterhalt in Moskau als Künstler, organisiert Ausstellungen und Veranstaltungen.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Graffiti auf Folien zu sprayen?

Ches: Ich habe Aufnahmen im Internet gesehen, zwei Sprayer aus Frankreich haben das gemacht. Das hat mich interessiert, ich experimentiere gern und probiere unterschiedliche Techniken aus. Ich hatte gleich vor, nicht in der Stadt zu malen, sondern in der Natur.

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9  Bilder
Graffitikünstler P-183: Russlands Banksy

Mir schien das ein interessantes Bild zu sein: mit der Landschaft harmonisierende Street Art. Nach ein paar Jahren habe ich aufgehört, Schriftzüge zu malen und habe statt dessen Tiere gezeichnet, ein Eichhörnchen zum Beispiel. Das hat bei vielen ein großes Interesse hervor gerufen - vielleicht, weil Tiere für eine breite Masse verständlicher sind als Graffiti.

SPIEGEL ONLINE: Benutzen Sie eine besondere Folie?

Ches: Das erste Mal hatte ich einfach Frischhaltefolie gekauft, die man auch in der Küche benutzt. Sie ist aber zu schmal und zu dünn. Seitdem nehme ich Verpackungsfolie, die ich in einem Baustoffe-Geschäft kaufe.

SPIEGEL ONLINE: Die Fotos sehen so aus, als würden Sie vor allem im Wald malen. Wie wählen Sie den richtigen Ort aus?

Ches: Ich suche ziemlich lange nach dem richtigen Ort für das Bild, das ist wichtig für das Foto, das ich danach schieße. Manchmal laufe ich zwei bis drei Stunden und suche im Wald nach dem richtigen Fleckchen.

SPIEGEL ONLINE: Kommt es vor, dass Wanderer sich erschrecken?

Ches: Nein. Manchmal kommt jemand vorbei und interessiert sich dafür, was ich da mache. Aber diese Folienbilder halten nicht lange. Wenn ich das Foto geschossen habe, demontiere ich sie wieder, um die Umwelt nicht zu verschmutzen.

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Cellograffiti: Kunst auf Folie

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Besonderheiten, die man bei Cellograffitti beachten muss?

Ches: Es gibt ein paar Schwierigkeiten: Der Wind bläht die Folie auf, ihre Oberfläche ist extrem glatt. Und ich male die Tiere alle ohne jeglichen Hintergrund - was eine Herausforderung ist - damit sie sich möglichst gut in den Hintergrund einfügen. Beim Zeichnen der Konturen darf man keine Fehler machen, man kann ja anders als bei einer Wand nichts übermalen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Arbeit finden Sie besonders gelungen?

Ches: Mir gefällt der Dinosaurier am besten, aber ich hoffe, mir fällt bald noch etwas Ausgefalleneres ein.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange brauchen Sie für ein Bild?

Ches: Ohne die Zeit für die Suche sind das so drei bis vier Stunden.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie ein Vorbild? In Deutschland wurde beispielsweise viel über den Moskauer Street-Art-Künstler Pawel "P-183" geschrieben, bevor er sich vor einigen Jahren das Leben nahm.

Ches: Vorbilder habe ich nicht, aber es gibt ein paar Künstler die mir gut gefallen und die mich inspirieren. Pawel war ein guter Freund, es traurig, dass er nicht mehr unter uns ist.



insgesamt 4 Beiträge
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nadennmallos 01.02.2018
1. Lustige Sachen, aber "verschmelzen" eher nicht ...
... bis auf den Bieberbaum :)
oidahund 01.02.2018
2.
Ich finde das Ganze ziemlich orginell. Mir gefallen die Bilder. Gehen die beim Abnehmen kaputt? - Oder kann man die so abschneiden, dass das Bild erhaltenn werden kann?
dbeck90 02.02.2018
3. Folie anbringen will gelernt sein.
Von verschmelzen kann nicht die Rede sein. Ich würde erstmal 2-3 stunden damit verbringen, die Folie ohne 10.000+ zusätzliche Knitter, bevor ich mich 2-3 Stunden an das Bild mache. Bilder sibd übrigens gut gelungen. Aber die Folie... das wirkt eher recht hässlich als natürlich.
outsider-realist 02.02.2018
4. Kunst
Originell ist es durchaus aber am Ende ist es doch nur noch mehr Plastikmüll in der Natur. Das geht auch anders.
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