Eine Kolumne von Sibylle Berg
Notiz an mich: keine Ironie, keine Albernheiten, sehr sparsame Verwendung des lyrischen Ichs - Leser ist noch nicht bereit.
Notiz an die ANDEREN: Schrieb ich jüngst im Wahn der Selbstgerechtigkeit (Selbstzweifel gehören nicht zu meinen Fehlern) von der Unachtsamkeit der heutigen Berichterstattung durch staatlich geprüfte Journalisten, mache ich heute die gleiche Sülze.
Weder war ich bei den Modeschauen in Paris noch in Mailand und vermeine dennoch, in den letzten Jahren einen eindeutigen Trend in der Modeindustrie zu erkennen. Nicht nur die Mainstream-Unternehmen des PPR-Konzerns (Balenciaga, Brioni, YSL etc.), sondern auch die zahlreichen, detailbesessenen japanischen Labels, die die Messen in Europa langsam und friedlich übernehmen, zeigen eine Tendenz in der Modewelt.
Kreisch, was geht mich die Mode an, sind wir hier in der "Brigitte"?
Notiz an die Nachwelt: ruhig Blut.
Die Modeindustrie ist heute ein so prosperierender volkswirtschaftlicher Industriezweig, dass selbst der modedesinteressierteste Mensch zumindest von den Umsatzzahlen beeindruckt sein sollte. Zahlen beeindrucken doch heute alle, in einer Zeit, in der jedes Interesse nach geldwertem Vorteil abgewogen wird.
Ein wichtiger Umsatzfaktor dabei: die Männermode. In den vergangenen Jahren waren die Herrenkollektionen immer prächtiger, farbiger, eleganter und einfallsreicher als die Entwürfe für die Frauen.
Die Ideen der führenden Designer und Designerinnen für Damenmode lassen sich hingegen unter den Überbegriffen Karikatur oder Witz sortieren. Was war zuerst da - die Oligarchen-Gattin oder Gucci? Ist es die Verachtung für Damen oder die Stilisierung zu goldfarbenen Gebrauchsgegenständen, die Designer treibt? Oder ist es schlicht die Anforderung, die Zahlen stimmen zu lassen, die aus Modedesignern hoch bezahlte Manager hat werden lassen und die sie unter Druck Witze entwerfen lässt?
Kenner sagen, die Krise sei schuld. Immer in schlechten Zeiten kleideten sich Damen besonders - weiblich. Ich habe keine Ahnung, was damit gemeint sein kann und welcher Notstand Damen in Hufschuhe, in asymmetrische Spitzenlappen und in die immer selben Röhrenhosen zwingt, um das hart antrainierte Untergewicht zu demonstrieren. Um zu zeigen, dass man trotz des Überlebenskampfs eine echt lustige Gurke geblieben ist?
Zwei einfache Beispiele aus aktuellen Kollektionen. Frauen eiern durch Pfützen des Seins, der elegante Herr hingegen sieht auch beim Pferdehandel noch angenehm aus. Ja, nichts sonst. Keine Erkenntnis, nur Vermutungen.
Viele Frauen scheinen doch manipulierbarer, als ich gehofft hatte. Und die Erkenntnis: In einem Fummel, der den Schritt freilegt, kann man schlecht in einer kühl klimatisierten Vorstandsetage arbeiten, ohne sich eine Blasenentzündung zu holen.
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