S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Religion ist, wenn Männer unterdrücken

Warum verklären wir schreckliches Leid als hübsche Tradition? Im Namen der Religionen werden weltweit Frauen, Intellektuelle und Homosexuelle terrorisiert - und die Gewaltbereitschaft wächst sogar. Höchste Zeit, wieder für die Aufklärung zu kämpfen.

Eine Kolumne von


Früher, als ich aufgrund meiner hervorragenden körperlichen Verfassung meine Vorstellungen von der Welt noch mit Besichtigungen am Objekt abglich, besuchte ich Länder, deren Tradition keine Trennung von Staat und Religion vorsah.

Neben dem Umstand, als ausländische Frau jemand zu sein, mit dem Männer nicht reden, den sie aber begrapschen können, setzte mir am meisten die völlige Abwesenheit von Frauen im öffentlichen Raum zu. Die Atmosphäre war dumpf, unausgeglichen, latent aggressiv.

Vermutlich könnte man in Europa Ähnliches beobachten, wäre in Deutschland die NPD Regierungspartei oder regierten andernorts die Katholiken. In deren Schatten Männer, die sich durch nichts auszeichnen, endlich mal wer sein könnten, endlich mal Frauen den Kurs durchgeben könnten, den Intellektuellen Vorschriften machen dürften. Die Diktatur der grauen Masse, die Macht des kleinen Dummkopfs.

Das, was wir beschwichtigend als Tradition bezeichnen, ist nichts weiter als Diskriminierung, Sexismus und Rassismus. Statt zu Hause zufrieden an irgendetwas zu glauben, das keinen angeht, herrscht auf der Welt wieder zunehmend die Macht der Muskeln über den Verstand. Die Brutalität über die Diplomatie. Die Religion, von Männern erdacht und gemacht, ist die Vorstellung, die sie von der Welt haben, und fast immer hat sie mit der Unterlegenheit der Frau, dem Ausschluss von Randgruppen zu tun, und ich verachte sie dafür aufrichtig.

Der Religion allerdings ist das egal. Es schien doch, bevor die Elite der Welt deren ungebremste Globalisierung beschloss, als würde die Religion, gleich welche, sich langsam aber konstant zu einem Außenseiterhobby entwickeln. Als fände sie ihren Platz neben anderen esoterischen Weltbetrachtungen, würde zu etwas, das Menschen hilft, sich im geschützten Rahmen anderen überlegen zu fühlen.

Doch nun, da die Welt zu voll wird, es zu viele Menschen mit ähnlicher Bosheit gibt, keiner mehr weiß, was er mit seinem Leben anstellen soll, außer viel Geld zu erwerben, um sich irgendeinen Platz in der Überbevölkerung zu sichern, werden die jahrtausendealten, überholten Lehren wieder populär. Die Anleitung zur Ausgrenzung eines anderen Geschlechts und zur Dominanz von Personen mit Samenleitern funktioniert wieder hervorragend.

Der Verunsicherung der Menschen mit Dummheit und Brutalität zu begegnen, ist ein neuer starker Trend. Ordnung muss her, in Europa verarmt man oder wird konservativ, in Israel beginnen Religiöse, unzüchtige Frauen mit Steinen zu bewerfen, in weiten Teilen der Welt werden sie nach wie vor beschnitten, dann ist da noch die Todesstrafe für Homosexuelle. Der Drang zur Abgrenzung wächst und macht das ohnehin schwer erträgliche Leben unerträglich.

Der Garten Eden, der bei den Zeugen Jehovas immer so wunderschön gemalt die "Erwachet"-Broschüre schmückt, wäre einer gewesen, in dem Frauen Kopftücher oder String Tangas ohne was darüber getragen hätten. Männer in Chaps in den Supermarkt gehen können, Rentner mit Tiermasken auf Rollern fahren, und alle an etwas glauben können, was letztlich ihren Tod auch nicht verhindern wird.

Stattdessen bewegen wir uns zurück ins Konservative, Traditionelle, ein anderes Wort für überholt und inhuman, um, wenn alles gutgeht, als Lurche wieder in Gewässern zu verschwinden.

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insgesamt 355 Beiträge
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Seite 1
forumgehts? 18.02.2012
1. Religionen
Zitat von sysopWarum verklären wir schreckliches Leid als hübsche Tradition? Im Namen der Religionen werden weltweit Frauen, Intellektuelle und Homosexuelle terrorisiert - und die Gewaltbereitschaft wächst sogar. Höchste Zeit, wieder für die Aufklärung zu kämpfen. S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Religion ist, wenn Männer unterdrücken - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,815724,00.html)
wird so lange vorgeschoben, wie dies irgendwie möglich ist. Denn diese bieten die einfachste Möglichkeit der Rechtfertigung, dh ein höheres Wesen, das den Gewaltbereiten bisher auch nie widersprochen hat. Sollte diese Grundlage einmal wegbrechen, so wird man eben etwas anderes finden. Wer glaubt, solche Einstellungen durch gutes Zureden abschaffen zu können, der wurde bisher immer eines Schlechteren belehrt. Solche Leute können nur durch Androhung von Gegengewalt beeindruckt werden. Auch eine schwächliche Frau könnte ihren Ajatollah mit einem einzigen Axtschlag im Schlafe ins gelobte Jenseits befördern. Aber solange die Frauen einen so ausgeprägten Widerwillen gegen verschmutzte Bettwäsche haben, wird das nichts mit der Befreiung.
buechnergeorg 18.02.2012
2. Machterhalt
Religion dient eigentlich immer der Rechtfertigung bestehender Machtverhältnisse. Vielleicht gab es in der Vergangenheit auch andere Religionen, aber letztendlich bestimmten immer die Eliten, welche Religion es geben durfte und welche nicht. Das Christentum wäre schon lange vergessen, wenn Kaiser Konstantin es nicht als förderlich für seinen Machterhalt gesehen hätte.
super_nanny 18.02.2012
3.
Ich bin ausnahmsweise mal Frau Bergs Meinung, deshalb mein Aufruf an alle Frauen: Macht diesen Scheiß einfach nicht mit! Verzichtet insbesondere darauf Eure Kinder taufen zu lassen. Sie können sich als Jugendliche immer noch selbst für eine Religion entscheiden.
nunmallangsam 18.02.2012
4. Schade, Frau Sibylle...
Zitat von sysopWarum verklären wir schreckliches Leid als hübsche Tradition? Im Namen der Religionen werden weltweit Frauen, Intellektuelle und Homosexuelle terrorisiert - und die Gewaltbereitschaft wächst sogar. Höchste Zeit, wieder für die Aufklärung zu kämpfen. S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Religion ist, wenn Männer unterdrücken - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,815724,00.html)
Eigentlich stimme ich Ihnen inhaltlich hier vollkommen zu! Schade nur, dass Sie sich sprachlich der selben kreischenden Polemik bedienen, wie diejenigen die Sie kritisieren. Damit erreichen Sie, im besten Fall, garnichts, und im schlimmsten Fall das Gegenteil von dem was Sie beabsichtigen.
castelduro 18.02.2012
5.
Na ja, ob der Artikel jetzt was mit Männerbashing zu tun hat.. Man kann auch einfach mal Helmut Schmidts Tübinger Rede lesen. Da findet man, etwas weniger lustig formuliert, letztendlich die selben Schlussfolgerungen wieder. Dass Frau Berg die Frauen und Homosexuellen als besonders benachteiligt durch die Religionen sieht, ist nicht gerade abwegig. Nur den Männern die Schuld zu geben, das ist jedoch Quatsch. Unter den religiösen Fanatikern finden sich ebenso viele Frauen wie Männer.
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