S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Wenn Frauen an sich selbst scheitern

Warum muss, was einmal als Liebe begann, immer in Form schweigender alter Paare an Restaurant-Tischen enden? Diese Angst treibt vor allem Frauen um, die denken, dass Reden und Sex - besser gesagt: viel reden und viel Sex - alles sind, was eine Beziehung ausmacht.


Paare müssen quatschen, unentwegt. Auch nachdem die für Verblödung zuständigen Hormone ihren Einfluss verloren haben, muss gelabert werden, was das Zeug hält. Das triste Restaurant, im Sonnenlicht, da sitzt ein modernes, lebendiges Paar und redet ohne Pause.

"Immer wenn ich Speisekarten lese", würde sie sagen, "denke ich an den lyrischen Imperativ." "Ja", würde er erregt ausstoßen, "Žižek, ich denke an Žižek, manchmal auch an Lacan." Dann würden die beiden über die Wandfarbe (Rot im hegemonischen Diskurs ganz weit oben) zu ihren Gefühlen gelangen und über ihre Beziehung reden. Der Mann - ich schreibe, weil ich mich mit homosexuellen Stereotypen nicht auskenne, von Heteros - ist natürlich größer als sie, dunkelhaarig und schlauer. Ja, ein bisschen schlauer muss schon, und mehr Geld soll er auch haben, weil er ist ja der Mann.

Die große Panik vor dem angenehmen Schweigen von Paaren haben meist junge Frauen, die auch gerne gute Beziehungsgespräche führen wollen, am frühen Morgen, und der Mann sollte ihnen mit Blumen zeigen, dass er an sie denkt. Frauen hungern freiwillig und plappern vor sich hin: Ja, das ist doch unästhetisch sonst, sie übernehmen ohne jedes Hinterfragen die Kriterien des Marketings und überprüfen ihr Aussehen panisch, sie wollen gefallen. Ja - man muss doch begehrenswert sein, allein dieser Satz langte für eine tüchtige Tracht Prügel, sie sprechen mit hohen Stimmen, sie machen sich über Frauen lustig, die sich gehenlassen, sie finden Mutter zu sein die höchste Aufgabe im Leben einer Frau und bitte doch natürlich, die Geburt, schön weh soll es tun, schön bestrafen wollen wir uns, wenn wir uns schon nicht mehr beschneiden.

Wussten Sie, dass die meisten Frauen allein sind, weil sie an ihren seltsamen Kriterien in der Partnersuche scheitern? Wussten Sie, dass viele Frauen generell an sich scheitern?

Gleichberechtigung hört bei der Partnerwahl auf, kaum eine Frau heiratet einen zehn Jahre jüngeren einfältigen, aber hübschen Loser, wie Männer das gerne tun, weil es ihnen das gute Gefühl der Überlegenheit gibt, auf das Frauen freiwillig verzichten. Und da sitzen sie dann an Restaurant-Tischen und reden um des Redens willen, schütteln die Mähne und verhalten sich deckungsgleich mit den Bildern in ihren Köpfen, die aus blöden Filmen stammen. Wild muss seine Liebe sein, leidenschaftlich, Sex muss sein, aber viel und verrückt, und geredet muss werden, mit Torben, dem Manager, dass sich die Balken biegen. Ein gutes Gespräch ist, wenn keine Ruhe eintritt. Von sich entfremdet sitzen Torben und Jasmin, sie quatschen, als gäbe es kein Morgen, und sie werden sich wundern, wenn sie sich auseinanderleben, was sie dann bei der Scheidung angeben werden. Sie haben nie zusammengelebt, nie Ruhe ausgehalten, nie kennengelernt, wie angenehm es ist, bei sich zu sein, und den anderen mit Liebe anzusehen, auch wenn der Geschlechtsverkehr nicht mehr stattfindet, auch wenn Ruhe herrscht im Karton.

Machen Sie sich also keine Gedanken, Ihre Frage nach dem Schweigen alter Paare offenbart eine Geisteshaltung, die es zuverlässig verhindern wird, dass Sie je Teil eines alten Paares sein werden.

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insgesamt 192 Beiträge
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Seite 1
tobilechat 07.06.2011
1. Einsamkeit
Zitat von sysopWarum muss, was einmal als Liebe begann, immer in Form schweigender alter Paare an Restauranttischen enden? Diese Angst treibt vor allem Frauen um, die denken, dass reden und Sex - besser gesagt: viel reden und viel Sex - alles sind, was eine Beziehung ausmacht. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,766835,00.html
Zunächst mal: man ist immer allein. Auch zu zweit. Man sollte zunächst mal lernen, mit Einsamkeit und sich alleine klar zu kommen. Frauen sind zwar wunderhübsch, aber was denen heute so im Kopf rumspukt, das versteht kein Mann mehr. Und der Charakter ist im Zweifelsfall wichtiger als der perfekte Boppes. Und da finde ich halt diese Frauen, die meinen sie müssten die besseren Männer sein, wenig anziehend. Vielleicht etwas "off-topic", aber so sehe ich das.
Roque Spiegel 07.06.2011
2. ...
Zitat von sysopWarum muss, was einmal als Liebe begann, immer in Form schweigender alter Paare an Restauranttischen enden? Diese Angst treibt vor allem Frauen um, die denken, dass reden und Sex - besser gesagt: viel reden und viel Sex - alles sind, was eine Beziehung ausmacht. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,766835,00.html
Eine seltsam einseitige Interpretation. Würden Männer es ebenso handhaben wie Frauen, gäbe es wohl überhaupt keine Durchmischung der Schichten mehr. Ob das so wünschenswert ist? Viele Grüße von einem, der eine Beziehung mit einer mindestens ebenso, wenn nicht sogar noch klügeren Frau hat.
old_spice 07.06.2011
3. Hallo Frau Sibylle
so klug wie Sie schreiben - da sind Sie wohl sehr einsam ?
Spiegelkritikus 07.06.2011
4. Paare
Nun, es gibt auch Frauen und Männer jenseits der von einschlägigen Medien gepflegten Stereotypen und das ist nicht nur gut, sondern auch wichtig. Der ganz aufs Aussehen und oberflächlichen Small Talk fixierten Frau steht eine gegenüber, die ganz anders tickt, und sie hat natürlich ihr männliches Pendant. Das Schweigen des alten Paares am Tisch im Restaurant kann ganz unterschiedliche Interpretationen zulassen: Sie können sich in liebevoller Zuneigung verbunden sein und das in Ruhe genießen. Es kann aber auch längst alles gesagt und sogar ausgestritten sein! Letzteres liegt oft vor, wenn sich die zwei gar nicht mehr anschauen. Im Extremfall handelt es sich bei dieser Zweisamkeit um doppelte Einsamkeit oder gar Verbitterung. Paare sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie bilden.
fluxkompensator, 07.06.2011
5. seufz
Zitat von Roque SpiegelEine seltsam einseitige Interpretation. Würden Männer es ebenso handhaben wie Frauen, gäbe es wohl überhaupt keine Durchmischung der Schichten mehr. Ob das so wünschenswert ist? Viele Grüße von einem, der eine Beziehung mit einer mindestens ebenso, wenn nicht sogar noch klügeren Frau hat.
Ist außerdem nicht richtig. Gefühlt jede Woche gibt es doch auf SPON u.ä. den Artikel, wonach Ehen heutzutage immer sozialhomogener geschlossen werden, bzw. dass die Konstellation Hörr Direktor mit Sekretärin nicht hält. Ist auch logisch, denn ich als Hörr Direktor möchte natürlich, dass meine Gattin sich bei der Aids-Gala mit Frau Sibylle auf möglichst gleichem Niveau unterhalten kann, ist ja sonst peinlich. Naja, aber der Frau Sibylle geht es ja um sie Sterotype, wie sie selbst schreibt. Letztes Mal hatten wir "Alle Männer sind Schweine", da hatte Sie sogar ein Follow-up in der FAS (Glückwunsch dazu). Jetzt halt nochmal, weils so schön war. Ich als faltiger Mann sage: Diese Frau denkt zuviel über Probleme nach, die keine sind und versucht ihren und fremden Männern die auch noch einzureden. Habe ich durchgemacht, war der Vorhof zur Hölle. Finger weg, andere Frau suchen und glücklich werden. So wie ich. Einfache Probleme haben manchmal eben auch einfache Lösungen.
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