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S.P.O.N. - Helden der Gegenwart: Gehen Sie in die Politik, meine Damen!

Von Silke Burmester

Das kennen wir doch: Männer zerlegen ein Land, Frauen räumen es wieder auf. Aber Michelle Münteferings Entschluss, sich für den Bundestag zu bewerben, darf nur der Anfang sein. Es braucht noch mehr Politikerinnen, um Deutschland von dem Irrweg abzubringen, den das Land eingeschlagen hat.

Sehr geehrte Damen im besten Alter!

Sie haben einen ausrangierten Politiker-Gatten zu Hause? Zehren von seinem Namen und haben dennoch Ihre Aufgabe zugunsten des Gemeinwohls noch nicht gefunden? Sie suchen eine erfüllende Herausforderung? Und würden gern Ihre Eigenständigkeit und Kompetenz unter Beweis stellen? Dann kommen Sie in die Politik! Nachwuchssorgen, Imageprobleme und Quotenregelungen machen es Frauen derzeit besonders leicht, Fuß zu fassen und auch höhere Posten zu erklimmen - bei bester Bezahlung versteht sich.

Nehmen Sie sich ein Beispiel an Doris Schröder-Köpf, 48 Jahre und Michelle Müntefering, 31 Jahre alt. Sie sind die Heldinnen der Gegenwart, denn diese Politikergattinnen denken nicht im Traum daran, ihren 19 bzw. 39 Jahre älteren Männern beim Zittrigwerden zuzusehen. Im Gegenteil! Sie sind bereit, das nach vorn zu bringen, was ihre Gatten durch Hartz-IV ruiniert haben: die SPD.

Und das ist wahrlich kein leichtes Erbe. Da reicht es nicht, ein paar Kindergärten zu besuchen oder ein paar Krebspatienten das Haupt zu streicheln. Da muss an der Basis - vor den Arbeitsagenturen, im Park bei den Ein-Euro-Müllsammlern, den Minijobbern in der Altenpflege - gekämpft werden, da will die potentielle Anhängerschaft erobert und sollen die verlorenen Genossen zurückgewonnen werden. Und - das wird die bitterste Kröte sein, die diese Frauen schlucken müssen - das alte Rollenmuster muss akzeptiert werden: Die Männer zerlegen ein Land, die Frauen räumen es auf. Insofern darf der Entschluss der beiden, in den Landtag bzw. im Falle Michelle Münteferings in den Bundestag einziehen zu wollen, in der heldinnenhaften Tradition derer gesehen werden, die dieses Land aus der Zerstörung herausgeschaufelt haben: der Trümmerfrauen.

Wenn das Prestige schwindet, dürfen Frauen ran

Natürlich machen die zwei Trümmerfrauen der SPD noch keinen deutschen Frühling. Es braucht noch mehr Damen mit aussortierten, aber erfahrenen Männern im Schlepptau, um Deutschland von dem Irrweg den die Gier nach Geld eingeschlagen hat, abzubringen. Nicht, weil Frauen ohne Männer nichts wären, sondern um sich den Hillary-Effekt zunutze zu machen. Jenen Umstand, dass manche Tür bei gewichtigen Namen, Namen wie Clinton, schneller aufgehen. Wobei sich gewichtig nicht zwangsläufig auf die Körperfülle des Namensgebers beziehen muss.

Minu Barati-Fischer zum Beispiel. Auch eine Frau, die bei der Eheschließung ihren Mädchennamen als Zeichen der Eigenständigkeit behielt und wohl dennoch nicht auf eine mögliche Wirkung des Gattennamens verzichten wollte. Minu Barati-Fischer, Ehefrau von Joschka Fischer, bringt all das mit, womit sich auf dem politischen Parkett heutzutage glänzen lässt: Intelligenz, Autonomie, gutes Aussehen, Medientauglichkeit und einen Mann, der zu repräsentieren versteht.

Gelänge es Schröder-Köpf und Müntefering, Frau Barati-Fischer zum Eintritt in die SPD zu bewegen, wäre dies nicht nur ein gutes Zeichen hinsichtlich der kürzlich beschlossenen Selbstverpflichtung der SPD, dass den Führungsgremien der Bundespartei zukünftig 15 Prozent an Personen mit Migrationshintergrund angehören sollen, auch die gute alte Tradition der SPD-Troika könnte mit der SchröMüFi-Troika in die Zukunft geführt werden. Und dass diese auch in der Politik weiblich ist, daran wird keiner Zweifel haben, der den Prestigeverlust beobachtet, den der Beruf des Politikers erleidet.

Aktuell tut Christian Wulff was in seiner Macht steht, um das Amt des Bundespräsidenten zu demontieren. Auch das Gebaren seiner Berufskollegen, Verantwortung oder sogar Schuld weit von sich zu weisen, wie Guttenberg, Dieter Althaus oder auch Adolf Sauerland es getan haben, kratzt am Image der Volksvertreter. Und wie immer, wenn in einer Branche das Prestige schwindet, öffnet sie sich wie durch Zauberhand für Frauen.

Bleibt nur noch, Maike Kohl-Richter unterzubringen. Die 47-jährige, die vor drei Jahren den heute 81-jährigen Helmut Kohl heiratete, möchte sicherlich auch mal etwas anderes hören, als zum tausendsten Mal die Abenteuer, "wie ich und Gorbi die Mauer zu Fall brachten". Zu weit vom Haus wird sie sich sicherlich dennoch nicht wegbewegen wollen. Sie könnte das Amt für Denkmalpflege übernehmen.

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1. Diese Frauen könnten eine Entlastung für die Allgemeinheit darstellen
Arrivato 15.01.2012
Es könnte sein, dass es insgesamt der Allgemeinheit unseres Landes gut tun würde, wenn vor allem die fpolitisch fähigen "Zweit-, Dritt- oder Viertfrauen" der Politiker sich in der Poltik beruflich engagieren. Dann müssen sie zumindest eine Gegenleistung bringen für all die Wohltätigkeiten, in deren Genuss sie durch ihre (ex)politisch tätigen Ehemänner auf Staatskosten kommen. Dann sind vor allem die aktuell amtierenden Politiker wie z. B. Christian Wulff finanziell nicht mehr so bedürftig und anfällig für unsaubere Geschäftsbeziehngen und nicht mehr auf "gute, hilfsbereite Freunde" angewiesen.
2. Ja
caecilia_metella 15.01.2012
Frauen könnten überhaupt so langsam damit beginnen, irgendwas zu leisten. An ihrer Leistung für uns (alle) sollt ihr sie messen.
3. Was für ein frauenfeindlicher Artikel!
RalfHenrichs 15.01.2012
Burmeister geht es nicht um mehr Frauen sondern um mehr Politikergattinnen in der Politik. Haben die Frauen irgendetwas besonderes geleistet als sich den richtigen(?) Mann zu angeln? Vielleicht, aber das führt Burmeister gar nicht auf. Offensichtlich ist es hier egal. Sie beschreibt die Frauen zwar pauschal als attraktiv (machen attraktive Menschen bessere Politik?), kompetent (wo ist der Nachweis für deren Kompetenz?), autonom (wo ist der Nachweis?). Wenn Doris Schröder-Köpf bei der Linken, Michelle Müntefering bei den Piraten Karriere machen wollten, würde ich das Argument der Autonomie ja verstehen. Aber so? Und letztlich: welche Ideen haben diese Frauen denn? Vielleicht haben sie ja welche. Aber auch das ist Burmeister egal. Sie unterstellt ihnen einfach, dass sie eine andere (bessere) Politik als ihre Männer machen wollen, dass sie weniger korrupt sind. Auch hierfür bringt Burmeister kein Argument an. Man sollte diesen Artikel für die Saure Gurke nominieren.
4. Politikerfrauen
Spiegelkritikus 15.01.2012
Zitat von sysopDas kennen wir doch: Männer zerlegen ein Land, Frauen räumen es wieder auf. Aber Michelle Münteferings Entschluss, sich für den Bundestag*zu bewerben, darf nur der Anfang sein. Es braucht noch mehr Politikerinnen, um Deutschland von dem Irrweg abzubringen,*den*das Land*eingeschlagen hat. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,809013,00.html
Diese Thematk bietet sich zur satirischen Bearbeitung natürlich geradezu an und Frau Burmester macht das gar nicht übel. Nun wäre zu fragen, welche tatsächlichen Motive die betreffenden Altpolitiker-Gattinnen antreiben: Wollen sie wirklich der SPD eine bessere Zukunft bescheren oder erscheint ihnen nur die zu erwartende Witwenrente als zu gering? Wollen sie den Irrweg der Gier nach Geld und Macht in Land und Politik korrigieren oder sind sie diesem so richtig verfallen? Oder gehen sie nur in die Politik, weil ihre Männer allmählich nicht mehr so richtig können und von diesen zur Ablösung aufgebaut werden, auf dass der erlauchte Name in der Politik weiterbesteht? Haben wir es mit einer gedoppelten Geltungssucht zu tun? Wer diese Fragen realistisch beantwortet, der dürfte die wahren Motive zumindest erahnen - es sind selbstverständlich nur die edelsten! Und überhaupt sind Frauen, die einen bekannten Politiker zum Mann haben, doch prädestiniert für die Politik: Sie sind jung und qualifiziert und wenn man die Geschiedenen ebenfalls berücksichtigt, dann ist die angestrebte Frauenquote bei der SPD doch schnell erreicht!
5. Zusatz
RalfHenrichs 15.01.2012
Auch der Vergleich mit Hillary Clinton ist eine Unverschämtheit. Hillary hat einen jungen Mann geheiratet und mit ihm zusammen eine politische Karriere aufgebaut. In dieser Zeit hat sie ihre politische Kompetenz auch immer deutlich gemacht. Die anderen Frauen haben in jungen Jahren einen alten Politiker geheiratet.
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