S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Das Leben ist ein Witz, liebe Leute

Eine Kolumne von Sibylle Berg

Wozu brauchen wir Humor? Um uns nicht selbst ins Bein zu beißen. Um zu erkennen, dass wir nicht immer im Recht sind. Und um diese Welt zu ertragen. Eine sehr humorvolle Antwort an meine Kritiker im SPIEGEL-ONLINE-Forum.

Wie hältst du das SPIEGEL-ONLINE-Forum aus, fragte mich ein besorgter Mensch auf Twitter und brachte mich dazu, die Forum-Beiträge zu meinem vorigen Text zu lesen. Menschen schrieben über sich, und über mich, sie warfen mir Zynismus, Sarkasmus und Ironie vor, verzweifelt nach dem rechten Wort suchend und das heißt: Humor.

Der entsteht dadurch, dass man sich selber und die Welt um sich mit Distanz betrachtet und hat zur Folge, dass man sich nicht ins Bein beißt. Auch wenn es vielen der Forum-Schreiber auch nach einem Jahr misslungenem Hass-Managements noch nicht gelingt, meinen Namen richtig zu schreiben.

Ohne Humor würde ich ihnen tüchtig die Löffel langziehen. So denke ich mir, ist ja nur ein Name, und die Leute haben sicher etwas Wichtigeres zu tun, als ihn richtig abzuschreiben. Sie müssen ja ihre Meinung vertreten und zwar mit allem gebotenen Ernst. Ich möchte mich nicht als Klugscheißer offenbaren, wenn ich ferner ein wenig über Humor rede, und darüber, wie einfach man ihn üben kann, falls man das möchte. Das nächste Mal, wenn man von seiner Meinung unumstößlich überzeugt ist, könnte man diesem evolutionären Impuls womöglich nicht folgen, der uns einflüstert, allen anderen überlegen zu sein.

Sechs Milliarden Menschen - und jeder weiß es besser

Atmet man in jenem Moment der tiefen Selbstgerechtigkeit aber einmal durch und betrachtet den Menschen, der zufällig gerade neben einem liegt, geht oder sitzt, muss man davon ausgehen, dass auch dieser Mensch davon überzeugt ist, das richtigste aller Leben zu führen. Diese Übung kann man hochrechnen. Sechs Milliarden Menschen, die alle felsenfest sicher sind, recht zu haben, die einen Arm darauf wetten würden, dass sie ein besserer Mensch sind als ihr Nachbar. Dass sie Namen richtig abschreiben können, dass sie der Erde nichts Böses antun, dass sie keinen anderen töten können. Und doch ist die Welt voller Fritzels.

Falsch. Weiter.

Und auch, dass sie sehr humorvoll sind, wissen alle sechs Milliarden. Das vergessen sie nur meist, wenn ihre Kompetenz oder ihre Überzeugung in Frage gestellt werden. Ermattet von so vielen neben uns, die alle vom Gleichen überzeugt sind, was rechnerisch ein Ding der Unmöglichkeit ist, wir können nicht alle im Besitz der einzig richtigen Wahrheit sein. Oder eben doch, da muss man doch lachen? Nein?

Ich finde es erheiternd, dass wir alle keine Ahnung haben, Erklärungsversuche machen, an höhere Gesetze glauben, eine Religion suchen. Einen Sinn, einen Halt, in diesem Furz von absurdem Leben. Ein Forum-Schreiber wetterte, dass ich alte Themen wiederkäute, schrieb er wiederkäute? So ein elegantes Wort?

Seit Tausenden von Jahren versuchen brillante Menschen wie ich, ja, ich würde sogar von Vordenkern sprechen, den anderen Milliarden Menschen ihr Leben zu erleichtern, indem sie Sinn und Unsinn zu erklären versuchen. Aber es nützt ja alles nichts.

Der war gut. Das war lustig. Finde ich.

Außer einigen verrückten Herren fiele doch keinem ein, sich als Vordenker zu bezeichnen. Besonders nicht, wenn man sich von oben sieht, in diesem Haufen aus Leibern und Hirnen. Das Leben ist ein Witz, werte Damen und Herrn, und schreiben Sie endlich meinen Namen richtig, sonst zeige ich Ihnen mal, was Humorlosigkeit bedeutet.

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insgesamt 93 Beiträge
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1. Sechs Milliarden
yogibimbi 31.03.2012
Gut, ich werde mal beissen: Die Weltbevölkerung beträgt nicht 6, sondern 7 Milliarden. Wie die das zählen, ist mir eh ein Rätsel, wenn man nicht einmal die Bevölkerung von so einem engmaschig verwalteten Land wie Deutschland ordentlich auf die Reihe bekommt, aber allgemein hin (und wiki-mässig: Weltbevölkerung (http://de.wikipedia.org/wiki/Weltbev%C3%B6lkerung)) sind 7 akzeptiert. qed
2. Einspruch …
wika 31.03.2012
Liebe Frau Dr. Sibylle … zunächst einmal muss ich Sie korrigieren. Es sind inzwischen 7 Milliarden Besserwisser auf diesem Planten und ich bilde mir ein ich stehe an zehnter Stelle vor dem Kom(m)a, also sehr bedeutsam, wie Sie auch und der Rest wird bekanntlich mit Nullen aufgefüllt, allein um Recht zu haben. Erinnert ein wenig an den Sonnenkönig, der lang darüber sinnierte, dass es ohne die Eins vor den Nullen wohl keine berechenbare Größe ergäbe. Bedauerlicherweise fühlen sich immer mehr Menschen als Einser, da kommen dann Nullen kaum noch zur Geltung. Zur Optimierung der eigenen Bedeutungslosigkeit offeriere ich Ihnen dieses hier: Die Mär von der Vierten Gewalt, die fünfte Macht(s) (http://qpress.de/2011/05/21/die-mar-von-der-vierten-gewalt-die-funfte-machts/) … und stellen fix noch fest, dass der Lebens-Furz schneller verweht ist als wir riechen können. Um dennoch die eigene Bedeutsamkeit zu erhalten, sollten wir uns stets vor den SPIEGEL stellen und nur uns selbst betrachten, dass lenkt weniger ab und stützt die eigene Allmächtigkeit … wenigstens in den eigenen vier Wänden, unter Ausblendung der milliardenhaften Bedeutungslosigkeit die uns umgibt. So, genug geschwurbelt, war schön sie mal wieder gelesen zu haben … *g*
3. die Dreisstigkeit hat sich verändert!
nebukadnezarin 31.03.2012
Zitat von sysopWozu brauchen wir Humor? Um uns nicht selbst ins Bein zu beißen. Um zu erkennen, dass wir nicht immer im Recht sind. Und um diese Welt zu ertragen. Eine sehr humorvolle Antwort an meine Kritiker im SPIEGEL-ONLINE-Forum. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,824065,00.html
es ist nicht nur ein Problem der heutigen Zeit, schon vor mehr als 2000 Jahren waren die Anfänge das Problems offensichtlich: Wenn Väter ihre Kinder gewähren lassen und sich vor Ihnen geradezu fürchten; wenn Söhne ohne Erfahrung handeln wollen wie die Väter, sich nichts sagen lassen, um selbständig zu erscheinen; wenn Lehrer, statt ihre Schüler mit sicherer Hand auf den richtigen Weg zu führen, sich vor ihnen fürchten und staunen, dass ihre Schüler sie verachten; wenn sich die Unerfahrenen den älteren Erfahreneren gleichstellen und in Wort und Tat gegen sie auftreten, die Alten sich aber unter die Jungen setzen und versuchen, sich ihnen gefällig zu machen, indem sie Ungereimtheiten übersehen oder gar daran teilnehmen, damit sie nicht als vergreist oder autoritätsgierig erscheinen; wenn auf diese Weise verführte Jugend aufsässig wird, sofern man ihr auch nur den mindesten Zwang auferlegen will, weil niemand sie lehrte, die Gesetze zu achten, ohne die keine Gemeinschaft leben kann, - dann ist Vorsicht geboten, denn es droht der Weg in die Tyrannei. Platon (griechischer Philosoph), 374 vor Christus und Heute? "Heute schreien die Dreissten am meissten" denn der Respekt um das Wissen von Weisheit hat sich in ihrer Welt zu Demenz, Debilität und Alterstarrsinn gewandelt. Wer sagt uns denn nicht das der Rückzug in vergessliche Alterszustände nicht die Gnade eines friedlichen Lebens beinhaltet? Jedes Wesen welches einen nur halbwegs anständigen Charakter sein eigen nennt, kann sich vor den heutigen "eher teuflisch zu nennenden" "zivilisatorischen" Zuständen nur noch angewidert abwenden und da hilft dann auch kein Humor mehr!
4. Witzischkeit kennt Grenzen...
christian simons 31.03.2012
Zitat von sysopWozu brauchen wir Humor? Um uns nicht selbst ins Bein zu beißen. Um zu erkennen, dass wir nicht immer im Recht sind. Und um diese Welt zu ertragen. Eine sehr humorvolle Antwort an meine Kritiker im SPIEGEL-ONLINE-Forum. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,824065,00.html
Tja, Frau Sibylle (hoffentlich korrekt geschrieben) Leider verstößt Ihr jüngstes Pamphlet gegen eines der wichtigsten ungeschriebenen Gesetze des Humors, nämlich: Man sollte sich zwar einerseits nach Kräften plagen im Umgang mit den Mitmenschen Vergnügliches zu produzieren, aber man sollte dabei anderseits niemals im Selbstlob die eigene Witzischkeit wie sauer Bier anpreisen. Aber wenn es Ihnen ein Trost ist: der Kollege Eckart von Hirschhausen (hoffentlich korrekt geschrieben) referiert auch gerne mal eine halbe Stunde über die Heilwirkung seines Humors, bevor er selbigen unter Beweis stellt. :-)
5. Humor
Schäfer 31.03.2012
---Zitat--- Der entsteht dadurch, dass man sich selber und die Welt um sich mit Distanz betrachtet und hat zur Folge, dass man sich nicht ins Bein beißt. ---Zitatende--- Ja, Frau Bär, da haben Sie auch wieder recht. Aber Distanz reicht nicht, es muss auch eine Diaphragmastimulation hinzukommen. Die vermisse ich.
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