Für Vaterschaftstest Salvador Dalís Leiche soll exhumiert werden

1989 starb der surrealistische Künstler Salvador Dalí, er wurde in der Krypta seines Museums beigesetzt. Nun hat eine Richterin angeordnet, den Leichnam untersuchen zu lassen: Es geht um eine Vaterschaftsklage.

Salvador Dalí (1904-1989)
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Salvador Dalí (1904-1989)


Fast drei Jahrzehnte nach dem Tod des spanischen Künstlers Salvador Dalí sollen für einen Vaterschaftstest die sterblichen Überreste exhumiert werden. Eine Richterin in Madrid ordnete am Montag die Exhumierung an. Es soll überprüft werden, ob der weltbekannte Künstler der biologische Vater einer Frau aus Katalonien ist.

Pilar Abel, die 1956 geborene Wahrsagerin, klagt gegen den spanischen Staat, dem Dalí bei seinem Tod 1989 alles hinterlassen hat. Ihre Mutter, so Abel, habe oft von der Liebschaft mit dem Künstler im Jahr 1955 gesprochen und ihr gesagt, er sei ihr Vater. "Mir fehlt nur der Schnurrbart", ansonsten sei sie ihm wie aus dem Gesicht geschnitten, findet Abel. Bestünde die Verwandtschaft, müsste ihr wohl ein Teil des Erbes zugesprochen werden.

Pilar Abel (Archivbild)
DPA

Pilar Abel (Archivbild)

Die Richterin habe "die Exhumierung des Leichnams des Malers Salvador Dalí angeordnet, damit Proben seiner Überreste entnommen werden können und geprüft werden kann, ob er der biologische Vater einer Frau aus Girona ist", erklärte die Pressestelle des Gerichts. Die Überprüfung der DNA des Leichnams sei nötig, weil es keine anderen biologischen Überreste des Malers gebe. Die richterliche Anordnung könne allerdings angefochten werden. Zu der Frau machte das Gericht abgesehen von ihrem Namen Pilar Abel keine weiteren Angaben.

Salvador Dalís Leichnam wurde auf Wunsch des Künstlers in der Krypta unter der großen Kuppel seines Theater-Museums im katalonischen Figueras beigesetzt. Sein Körper wurde einbalsamiert. Im Testament hatte er festgelegt, dass sein Leichnam mindestens 300 Jahre überdauern müsse.

feb/AFP



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kyon 26.06.2017
1. Realität schlägt Surrealität
Tja, das hätte sich der Herr Surrealist wohl zu Lebzeiten nicht träumen lassen, dass ihn als Mumie mal die schnöde Wirklichkeit einer richterlichen Anordnung einholen würde.
MartinBuchbaum 26.06.2017
2. Die Entwürdigung von Männern macht selbst nach ihrem Tod nicht halt
Nicht nur, dass Männer kein Recht auf Kenntnis ihrer Vaterschaft haben, selbst die Totenruhe bleibt ihnen nicht. Eine Vaterschaft, die zu Lebzeiten eines Mannes nicht geklärt wurde, sollte auch nicht mehr geklärt werden, zumindest nicht durch Exhumierung. Wenn schon die Würde des Mannes nicht unantastbar ist, so sollte wenigstens die Würde des Toten und die Totenruhe geachtet werden.
Abel Frühstück 26.06.2017
3.
Für Juristen ein spannender Fall, wenn auch (außergewöhnliche) testamentarische Verfügungen übergangen werden müssen. Man kann sich diese also auch sparen.
nickmason 26.06.2017
4. Auf seinen Wunsch?
"Salvador Dalís Leichnam wurde auf Wunsch des Künstlers in der Krypta unter der großen Kuppel seines Theater-Museums im katalonischen Figueras beigesetzt. " Das mit dem Wunsch gilt als äußerst umstritten. Testamentarisch hatte Dalí festgelegt, dass er an der Seite seiner geliebten Frau und Muse Gala beerdigt wird. Und wer das Verhältnis der beiden kennt, und auch einmal die Doppel-Grabstelle in seinem Schloss Púbol gesehen hat (bei der es eine Aussparung unter den Grabplatten gibt, damit die Hände der verstorbenen ineinander gelegt werden und sie somit im Tod dauerhaft verbunden sind), kann sich nur schwer vorstellen, dass der exzentrische Künstler seine Meinung geändert hat. Angeblich hat er aber auf seinem Sterbebett dem Bürgermeister von Figueres mitgeteilt, doch lieber im Museum beerdigt zu werden. Das hat aber eben nur jene Person ausgesagt und schriftliche Aufzeichnungen von Dalí selbst gibt es dazu offenbar nicht. Deshalb gibt es durchaus begründete Vermutungen, dass diese Aussage von Dalí nie gemacht worden ist. Vielmehr soll der Bürgermeister befürchtet haben, dass "seine" Stadt ohne Dalí an Bedeutung (und Einnahmen) verliert - und den Wunsch nur erfunden haben.
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