Gefeierter Dramatiker und Schauspieler Sam Shepard ist tot

Er verfasste die Drehbücher zu Filmklassikern wie "Zabriskie Point" und "Paris, Texas", war gefeierter Dramatiker und vielbeachteter Schauspieler. Nun ist Sam Shepard mit 73 Jahren an den Folgen von ALS gestorben.

AP

Sam Shepard, einer der vielseitigsten und umtriebigsten Dramatiker und Schauspieler seiner Generation, ist tot. Wie ein Sprecher seiner Familie gegenüber der "New York Times" bekannt gab, starb Shepard bereits am vergangenen Donnerstag in seinem Haus in Kentucky an den Folgen der Nervenerkrankung Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Er war 73 Jahre alt.

Als "Cowboy unter Amerikas Dramatikern" ("FAZ") gefeiert, machte sich Shepard früh einen Namen als Theaterautor. An der kalifornischen Westküste in der Zeit der Beat-Generation aufgewachsen, schloss sich er nach der Schule der "Bishop Company" an - einem Tournee-Theater, das durch die USA reiste. 1963 kam Shepard auf diesem Weg nach New York, wo er zunächst als Kellner im Jazzklub Village Gate arbeitete.

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Die Bekanntschaft mit dem Begründer des "Theatre Genesis" half ihm, einige seiner Stücke auch bald auf die Bühnen von New Yorks Avantgarde-Theatern zu bringen. Gleich sein erstes abendfüllendes Schauspiel "La Turista" brachte ihm 1967 seinen ersten Obie-Preis für die beste Off-Broadway-Produktion ein. 1979 folgte der Pulitzer-Preis für das Drama "Buried Child". Insgesamt verfasste Shepard 44 Theaterstücke.

Schon früh schrieb er aber auch fürs Kino, unter anderem stammt das Drehbuch zu Michelangelo Antonionis Filmklassiker "Zabriskie Point" (1970) von ihm. Doch erst seit den Achtzigerjahren verlagerte sich sein künstlerischer Schwerpunkt stärker vom Theater auf den Film. So schrieb er sowohl das Drehbuch zu Wim Wenders großen Erfolgsfilm "Paris, Texas", der 1984 mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnet wurde, als auch zu Robert Altmans Liebesdrama "Fool for Love".

Immer wieder der lonesome cowboy

Die einsamen, verhärteten Männer, über die Shepard mit Vorliebe schrieb, verkörperte er als Schauspieler immer wieder auch selbst. Der Durchbruch gelang ihm 1978 in Terrence Malicks "Days of Heaven". Für seine Rolle in "Der Stoff aus dem die Helden sind" ("The Right Stuff") wurde er 1983 für den Oscar nominiert. Als Hauptdarsteller des Volker-Schlöndorff-Films "Homo Faber", nach der Romanvorlage von Max Frisch, stand er 1990 vor der Kamera. Nach einem eigenen Drehbuch ließ er sich 2005 von Wim Wenders in "Don't Come Knocking" als alternden Filmstar, der noch einmal den Kontakt zu seiner verlassenen Familie sucht, inszenieren.

Zuletzt war er immer wieder in herausragendem Genrekino zu sehen: 2007 spielte er in Andrew Dominiks Spätwestern "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" mit, 2012/2013 folgten die Südstaaten-Thriller "Killing them Softly" und "Mud". In den deutschen Kinos lief zuletzt 2016 Jeff Nichols' "Midnight Special" mit ihm. Ein größeres Publikum dürfte er allerdings mit der Netflix-Serie "Bloodline" erreicht haben, in der er an der Seite von Sissy Spacek und Kyle Chandler spielte.

Shepard war in erster Ehe mit O-Lan Johnson Dark verheiratet, mit der er einen Sohn, Jesse Mojo, hat. Die Ehe wurde später geschieden. Mit der Schauspielerin Jessica Lange hat er zwei Kinder, Hannah Jane und Samuel Walker. 2009 trennten sich Shepard und Lange nach 30 gemeinsamen Jahren.

hpi



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