Samstagabend-Shows Verlierer Raab schlägt sie alle

Raab gegen Elstner gegen Kerkeling: Dieser Fernsehabend hatte einen klaren Sieger. Stefan Raab verlor zwar eine Million Euro - stach die Konkurrenz auf ARD und RTL aber um Längen aus. Frank Elstners spießiger "Verstehen Sie Spaß?"-Schabernack ist kaum noch mehr als schlecht gespieltes Landtheater.


So kann man den Samstagabend jedenfalls auch rumkriegen:

  • Im Ersten macht Frank Elstner, die melierte Grande Dame der Abendunterhaltung, die Provinz-Funtour mit "Verstehen Sie Spaß?".
  • Stefan Raab versucht zeitgleich auf Pro Sieben, sich nicht von mutigen Herausforderern schlagen zu lassen.
  • Und RTL stopft Prominente in Glitzertütüs für "Let's Dance", die Tanz-Show, die Hape Kerkeling moderiert, obwohl er doch mal sowohl witzig als auch medienkritisch war.

Raab lässt es gewohnt langsam angehen - mit der ausgedehnten Kandidatenauswahl. In fünf Ausgaben seines Showformats "Schlag den Raab" ist er erst einmal besiegt worden. Wenn man dem Metzgergebiss endlich das Grinsen austreiben und nebenbei noch eine Million Euro Preisgeld einpacken möchte, muss man also für den Richtigen stimmen.

Ein glatzköpfiger, muskelbepackter Arzt namens Peter wird zum Herausforderer auserkoren, und es sieht aus, als ob das eine gute Wahl war. Der ruhige Mann versucht sich nicht anzubiedern, fällt nicht durch Showversuche auf und macht seine Sache hervorragend. Beim Minigolf schafft er die schwierige aufsteigende Bahn mit zwei Schlägen.

Mal eben gucken, was Elstner macht. Gähn. Er lässt Lothar Matthäus' Haus kunterbunt anmalen, aber Loddar hat seine Aggressionen schon vor Jahren auf dem Fußballfeld ausgespielt und regt sich nicht mal richtig auf.

Danach werden freundliche Menschen aus dem Schwabenländle veräppelt: Eine Lkw-Ladung Pakete mit der Aufschrift "Erotik-Versand" werden beim arglosen Anwohner "für den Nachbarn" abgegeben, schmunzel, schmunzel. Das passt zum Restprogramm der spießigen Sendung, in der Witzeerzähler immer Dialekt sprechen müssen.

Hoffentlich ist das das letzte Refugium der Fernsehwelt, das Stefan Mross singen lässt (übrigens in einem Bühnenbild zum Wegschalten).

Die vermutlich gelenkigste Rothaarige der Welt

Auch auf RTL hat man sich zwischenzeitlich warmgetippelt. Hape Kerkeling scherzt noch mit der "Let's Dance"-Jury, dem gestrengen Herrn Hull und der eigentlich doch ganz netten Ute Lemper, die Besseres zu tun haben sollte, als Leuten, die eh schon zu oft im Fernsehen sind, beim Bootyshaken zuzusehen.

Der Samba ist dran, und erstaunlich ist vor allem, wie die für ihr Alter vermutlich gelenkigste Rothaarige der Welt, Katja Ebstein, es schafft, in diesem ganzen kitschigen, lächerlichen Paso-Double-Fernsehmist ein ehrlich wirkendes Lächeln zu behalten. Augenscheinlich selbstironisch grinst sie sich durch das Gewirbel, im hellen Fransenkleid, das einen fast wehmütig an die schicken Stiefel denken lässt, in denen sie damals bei "Theater, Theater" immer wippte.

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Elstner verhohnepiepelt arme Ritter, die eine Fußbegipste über Parkplätze tragen. Nichts Lustiges also.

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Raabs Spielerfindungsreichtum ist amüsant, vor allem, weil Stefans Grinsen langsam zu einem Zähneblecken wird – vielleicht liegt's aber auch an der Übersäuerung nach dem 150-Meter-Lagen-Schwimmen (das er verlor). Jedenfalls: Beim "Nageln" (lange Nägel auf Zeit in einen Balken schlagen) gewinnt ausnahmsweise Stefan. Doch Peter weiß die besseren Führerscheinprüfungs-Theorieantworten.

Und er triumphiert im wirklich großartigen Wettbewerb "Suchmaschine": Hier bekommen beide Kandidaten einen Begriff vorgegeben, aus dem sie durch Anhängen eines Suffixes ein möglichst selten vorkommendes neues Wort machen müssen. Den Punkt bekommt, wessen Wortschöpfung die wenigsten Treffer erzielt. Raab hängt an alles einfach "Bier" an, und liegt mit "Wurst-Bier" und "Sex-Bier", die beide interessanterweise zwischen 30 und 80 Mal vorkommen, gar nicht so schlecht. Gegen "Sex-Tantenverkauf" kommt er aber nicht an: Dieses Wort gibt es tatsächlich nur einmal bei Google. Holz-Wurmfalle (Peter) schlägt am Ende Holz-Wein.

Schrecklich altbackene Altherrenstreiche

Bei RTL macht parallel Tanzprofi Hull Hape Kerkeling einen Sambaschritt vor, wobei man sein schreckliches Achtziger-Jahre-Kastenjackett in Glitzerorange sieht.

Auf Elstner sollte man jetzt verzichten. Er lässt schon wieder einen schrecklich altbackenen Altherrenstreich spielen, bei dem eine neue Sekretärin das vermeintliche Schäferstündchen ihres Chefs vor einer konkurrierenden Liebhaberin verteidigen soll. Langsam wirken Elstners Schabernacke wie schlecht gespielte Landtheater-Sketche.

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Bei Raab spielt man Roulette, das Königsspiel. Peter gewinnt und liegt so weit vorn, dass es für Stefan knapp wird, und man muss darum nur kurz wieder zu dieser merkwürdig verschwommenen, aseptischen Prominentenaufbewahrungsshow auf RTL rüberschalten, in der schon wieder Blümchen umhergeschleudert wird. Die heißt ja jetzt Jasmin Wagner, was offensichtlich auch nichts nützt.

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Am Ende unterliegt Stefan dem cleveren Peter, der dabei noch nicht mal alle Spiele machen musste, weil er das Jahr 1968 beim Wissensquiz schneller an seinen Ereignissen erkannte als der Champion. Es war, trotz Schlag-den-Raab-typischer Längen, ein spannendes Duell.

Gewonnen hat an diesem Samstagabend auch das private gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Hier gab es halbwegs Unterhaltsames, bei dem immerhin ein bisschen Gehirn- und Muskelleistung gefragt war, ein paar mehr oder weniger Prominente auch dabei waren. Dort gab es Witze mit Bärten - bei denen man rätselt, wer darüber eigentlich lachen kann.



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