Anschlag von San Bernardino "New York Times" verurteilt laxes US-Waffengesetz

Die "New York Times" hat erstmals seit fast einem Jahrhundert einen Leitartikel auf der Titelseite veröffentlicht. Der zivile Besitz von Gewehren, wie sie die Attentäter von San Bernardino verwendet haben, müsse verboten werden, heißt es darin.

Waffenladen in Kalifornien: "Nationale Schande"
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Waffenladen in Kalifornien: "Nationale Schande"


Amerikas einflussreichste Zeitung setzt ein Zeichen gegen die US-Waffengesetze. Am Samstag veröffentlichte die "New York Times" erstmals seit 1920 einen Leitartikel auf ihrer Titelseite. Das kurze Meinungsstück trägt den Titel "Beendet die Waffen-Epidemie in Amerika" (hier online abrufbar).

In dem Text nennt die Zeitung es einen "moralischen Frevel und eine nationale Schande", dass Zivilpersonen auf legalem Weg Waffen kaufen können, die Menschen in brutalem Tempo und mit brutaler Effizienz töten. Dies seien im Kern Kriegswaffen, die bewusst als "Werkzeuge eine Macho-Selbstjustiz" vermarktet würden, heißt es in dem Leitartikel weiter.

US-Politiker "unterstützen Möchtegern-Killer, indem sie Waffenmärkte erschaffen, und Wähler erlauben diesen Politikern, ihre Jobs zu behalten", schreibt die "New York Times". Es sei überfällig, die Zahl der Feuerwaffen drastisch zu reduzieren. Besonders Waffen wie die nur leicht modifizierten Sturmgewehre, die die Attentäter von San Bernardino verwendet haben, sollten für den zivilen Besitz verboten werden, fordert die Zeitung.

Die 27-jährige Tashfeen M. und ihr Ehemann Seyd F. hatten am Mittwoch in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen in San Bernardino das Feuer eröffnet. Nach Angaben der Polizei trug das Paar eine Art Kampfmontur und setzte Sturmgewehre ein. 14 Menschen kamen bei dem Attentat ums Leben.

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Angriff in Kalifornien: Tödliche Schüsse in San Bernardino

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Whitejack 05.12.2015
1.
Es ist ein skurriles Schauspiel: Zehntausend Tote allein durch Schusswaffen jedes Jahr in den USA, tausende Schießereien. Jetzt hat eine dieser tausenden Schießereien möglicherweise einen islamistischen Hintergrund, und ganz plötzlich fühlen dieselben Leute, die ansonsten freien Waffenbesitz propagieren, Amerika in Gefahr, worauf dann mit grotesken Mitteln reagiert werden soll. Aber das ist nicht einmal das Skurrilste. Verrückt ist, dass es ja im Prinzip dasselbe ist: Ob der Amokläufer nun islamistisch motiviert war oder einfach bloß "durchgedreht" ist, wie man so schön verharmlosend sagt, es ändert nichts am Prinzip: Es kann jeden treffen, überall, zu jeder Zeit. Amokläufe gab es in Grundschulen, Hochschulen, Kinos, Firmenfeiern, auf offener Straße, aus Autos heraus, in Einkaufszentren - niemand ist irgendwo komplett sicher. Aber die Angst kriecht erst in die Köpfe, wenn es islamistischer Terror ist. Interessanterweise ist nicht die Tat selbst, sondern die Motivation dahinter der eigentliche Horror. Als ob Tote aus einem Amoklauf weniger schlimm wären. Das öffnet aber auch eine interessante Perspektive. Denn es bedeutet, dass der Terror keineswegs diese Macht haben MUSS, die er aktuell hat. Zehntausend Tote jedes Jahr? Das werden auch IS und Al Qaida zusammen niemals schaffen in den USA. Die Toten durch Schießereien sind offensichtlich im öffentlichen Leben und in der persönlichen Gefahrenbewertung eingepreist. Fast egal wie hoch der gesellschaftliche Preis ist, es tut sich daran nichts. Und diejenigen, die sich gegen Waffenbesitz aussprechen, wie jetzt die NYT, tun das auch nicht aus einer Position der Angst heraus, sondern vor allem aus einer Position des Entsetzens, dass so etwas Barbarisches in einem so hochentwickelten Land möglich ist. Das Beispiel ist auch deshalb so eindrucksvoll, weil es nicht der Vergleich mit den Verkehrstoten ist, der ansonsten oft herangezogen wird. Bei den Verkehrstoten handelt es sich um Unfälle und sie geschehen auf der Straße, also in einem eng begrenzten Umfeld, aber Amokläufe sind keine Unfälle, und sie können jederzeit, an jedem Ort, geschehen. Sie sind wesensgleich mit dem islamistischen Terror. Wenn es also möglich ist, dass Gesellschaften den Terror der Amokläufe weitgehend ignorieren, dann sollte das auch für den islamistischen Terror gelten können. Und dann kann auch dieser Terror seine Macht verlieren.
eisbärchen_123 05.12.2015
2. Wenn man will, kommt man wohl auch bei uns in Europa...
...scheinbar mühelos an Kalaschnikows, um Terroranschläge zu verüben. Zumindest muss man nach den Anschlägen von Paris zu diesem Schluss kommen. Auch das deutet auf ein Versagen der Politik hin.
laxness 05.12.2015
3. man könnte ja....
... ein Gesetz erlaassen, dass nur Gewehre zivil erlaubt, die man von Hand nachladen muss. Wenn zwischen 2 Schüssen 3 bis 5 Sekunden liegen, dann könnte der Angreifen in der Zeit überwältigt werden. Für Jäger und Sportschützen wär es kein Nachteil. Meine 2 c.
alyeska 05.12.2015
4. Ein langer Weg zur waffenfreien Zone
Aber der Stein kommt so langsam ins rollen.
zeitgeist☆ 05.12.2015
5. stellt sich die Frage...
worin nun bei diesem Fall der Unterschied liegt zu all den anderen, regelmäßig stattfindenden Amokläufen in den USA, um dies als Terrorakt einzustufen. Fest steht dass die USA aufgrund ihrer laxen Waffengesetze generell ein massives Problem und diese Bluttat womöglich weitere bisher nicht auffällige Islamisten zur Nachahmung animieren könnte
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