Sasha - Die Show Muppet Show auf Teletubbieniveau

"Eine Muppet-Show mit echten Menschen" hatte Popsänger Sasha sich für sein zehnjähriges Bühnen-Jubiläum gewünscht. Doch sein Debüt als Comedian ging reichlich daneben. Sasha – Die Show wurde zur 90-minütigen Klingelton-Dauerwerbesendung.

Von Alain Bieber


Hamburg - Sascha Sasha Schmitz aus Soest ist der singende Schwiegermuttertraum. Dem Mann mit dem verschmitzten Lächeln würde man vieles abkaufen: Lebensversicherungen, Staubsauger – aber eine Samstagabendshow?

Vielleicht, dachte man sogar zunächst: Sat.1 versprach ein Musik- und Comedy-Event der besonderen Art, Sasha hatte mit seinem Dick Brave-Album schon Humor bewiesen und die Gäste machten neugierig (Steven Seagal, Paul Young, Helge Schneider, Paolo Nutini).

Popsänger Sasha während eines Auftritts in Köln: "Er ist bi - er kann singen und spielen"
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Popsänger Sasha während eines Auftritts in Köln: "Er ist bi - er kann singen und spielen"

Doch die Sendung geriet zur 90-minütigen Promotion-Veranstaltung: Die Sasha-Tour, das neue Sasha-Album, die Sasha-Klingeltöne. Eine willkommene Abwechslung waren da schon die Sasha-Gewinnspielfragen, mit denen in die Werbung geführt wurde. Die waren leicht zu beantworten: Wie lautet das aktuelle Album von Sasha? A) Heimatmelodien B) Greatest Hits, Seit wann singt Sasha? A) Seit 10 Jahren B) Seit Weihnachten". Und es gab Autos zu gewinnen, "die Frauenherzen höher schlagen lassen".

So wie Sasha eben. Der Sänger wirkte trotz seines Dreitagebarts ebenso glatt poliert wie die tollen Schlitten. Doch seine Comedy zum Jubiläum (zehn Jahre Poprock) blieb auf Teletubbienivau. Der Teenieschwarm quälte sich sichtlich durch die Moderation – und fühlte sich vor allem wohl, wenn er mal wieder singen durfte. Alleine und im Duett mit Janine Kunze, Paul Young oder seiner Freundin Marta Jandová. Zu jedem Song konnte man sich sofort den passenden Klingelton bestellen.

Dabei hatte Sasha sich eine Muppet Show mit echten Menschen gewünscht. Das Comedy-Duo Christian Tramitz und Rick Kavanian sollten - wie die beiden alten Nörgler Waldorf und Statler von ihrer Loge aus - ihrerseits als vermeintliche Deckenbeleuchter das Bühnengeschehen kommentieren. Sie aßen Äpfel, tranken Bier, dösten, erzählten Blondinenwitze und spielten Schnick Schnack Schnuck. Humor oder Hommage an den gelangweilten Zuschauer?

Indianer Uff am Hafen

Der bekam nämlich Laudatoren wie Hugo Egon Balder und Elton vorgesetzt, die zuckersüße Kinderbilder (Sasha mit Schultüte) und Amateur-Videos (Sasha in seiner ersten Theaterrolle) aus der Schmalzlocken-Vergangenheit des Wonneproppens präsentierten. Werner Braukmann, Deutschlehrer und Leiter der Theater AG am Conrad-von-Soest-Gymnasium, wurde als Sashas erster Theaterregisseur vorgestellt, bekam seinen einminütigen TV-Ruhm und erklärte: Sasha ist Bi – er hat einfach eine Doppelbegabung, er kann singen und spielen.

Dann verkleidete sich Lausbub Sasha als indischer Naturheilguru und englischer Gospelguru und spielte Streiche mit der versteckten Kamera, die nicht komisch waren. Ein paar Greatest Hits später mimte der Sänger den Gitarre spielenden Indianer Uff, der mit seinem Hippie-Bruder Iff (Hans Werner Olm) am Hamburger Hafen die Passanten kalauernd und klampfend mit Songs quälte.

Die einzigen Lichtblicke der Sendung waren der Auftritt des schottischen Sängers Paolo Nutini (Jenny Don't Be Hasty") und der Jailhouse Rock-Remix von Helge Schneider. Steven Seagal, der jetzt als Bluessänger ein Album veröffentlicht hat, war außerdem schon wegen seines Bud Spencer-Looks sehenswert.

Nach 90 Minuten Klamauk und Klingeltönen gab es für Sasha trotzdem noch die Goldene Schallplatte für das Greatest Hits-Album, außerdem die Weltpremiere eines neuen Songs und Glitterregen. Und eine besorgniserregende Ankündigung für die Zuschauer: Im April debütiert der Schmusesänger in seiner ersten Kinorolle.



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