Erotische Kunst aus China Früher war mehr Sex

In Hongkong ist eine Schau über erotische Kunst des frühen China zu sehen. Die expliziten Werke könnten dem Land helfen, sich auf seine liberalen Wurzeln zu besinnen, sagt der Veranstalter. Hinein darf aber nur, wer volljährig ist.


Hongkong - Sie ist alles andere als zurückhaltend, die Schau "Gardens of Pleasure - Sex in Ancient China": Man bekommt eng umschlungene Nackte in Blumengärten zu sehen, Pärchen beim Tantra und Steinskulpturen in Phallusform.

Die Sammlung ist den Veranstaltern zufolge die erste und einzige ihrer Art. Und die Werke der von Sotheby's präsentierten Ausstellung über erotische Kunst des alten China sind teilweise so offenherzig, dass das Auktionshaus auf seiner Website warnt: "Bitte beachten Sie, dass die Ausstellung aufgrund ihrer expliziten Natur nur für Erwachsene über 18 Jahre geeignet ist."

Über hundert Werke von der Zeit der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) bis zu der Quing-Dynastie (1644 bis 1911) sind in der Sotheby's Galerie in Hongkong ausgestellt. Darunter Seidengemälde, Statuetten, aber auch Gebrauchs- und Kultgegenstände aus Bronze und Keramik.

Heiß auf Füße...

Die Exponate sind Teil der Sammlung von Ferdinand Bertholet. Der Niederländer gilt als Fachmann auf dem Gebiet: Er besitzt eine Sammlung von rund 500 Werken erotischer Kunst aus China. Kevin Ching verantwortet als Geschäftsführer von Sotheby's in Asien die Schau. "Garden of Pleasure" sei möglicherweise die erste und einzige Sammlung erotischer Kunst, die in Hongkong gezeigt werden würde, sagte Ching der "South China Morning Post". Denn viel ist von der einst prächtigen erotischen Kunst des alten China nicht übriggeblieben.

Vor der kulturellen Revolution unter Mao und der Übernahme durch die Kommunisten sei China sehr offen mit erotischen Darstellungen und Sexualität umgegangen, sagte Bertholet dem Blatt. Während der Kulturrevolution in den sechziger und siebziger Jahren zerstörten die Anhänger Maos dann viele Kunstwerke, darunter auch große Teile der erotischen Kunst. Parallel sei auch die offene Einstellung zu sexuellen Darstellungen komplett verlorengegangen, so Bertholet.

In der Ausstellung geben sich kleine Porzellanfiguren mit lächelnden Gesichtern der Lust hin, zwei Frauen spielen mit einem phallusförmigen Gegenstand, ein Pärchen turnt in gewagten Posen durch einen Garten: Teilweise grenzen die Darstellung der Schau an Pornografie, auch wenn Bertholet sie nicht als solche verstanden wissen will. Dennoch würde der Niederländer seine Sammlung nicht außerhalb von Hongkong im konservativen, ländlichen China zeigen. Aus Angst, die Werke würden von Sittenwächtern konfisziert werden.

Bertholet hofft, dass die Schau jungen Chinesen dabei hilft, sich auf die liberale Kunst ihrer Vorfahren zu besinnen. Junge Leute würden sich immer mehr von der kommunistischen Herrschaft in der Zeit ihrer Eltern distanzieren. Projekte wie "Garden of Pleasures" könnten den Wandel zu einem weltoffenen, liberalen China unterstützen.

In der Sammlung ist auch ein Stuhl aus dem 19. Jahrhundert zu sehen, wie man ihn zum Abbinden der chinesischen Frauenfüße nutzte. Die winzigkleinen Lotusfüße fand man in China noch erotischer als europäische Männer Brüste oder Hintern. Entsprechend sensibel ist der Umgang damit: Die Gemälde der Ausstellung zeigen jedes Körperteil in aller Freizügigkeit. Bis auf eine Ausnahme: Auf keinem der Bildern ist auch nur ein einziger nackter Fuß zu sehen.

eba



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
MatildaM 28.04.2014
1. Echt?
Pixel in diesen Bildern? Kunst sollte niemals pixeliert werden.
CaptainSubtext 28.04.2014
2.
---Zitat--- Die expliziten Werke könnten dem Land helfen, sich auf seine liberalen Wurzeln zu besinnen, sagt der Veranstalter. Hinein darf aber nur, wer volljährig ist. ---Zitatende--- Klingt in meinen Ohren nach Kritik an China. Und doch hat man die Bilder selbst auch zensiert. Oder war es Sotheby's? Mmmh
kumi-ori 28.04.2014
3. Sexualität ist in fast allen Kulturen etwa ganz Normales
Einzig das miefige, verklemmte Christentum glaubt an die Tugend der Keuschheit als höchten Lebenszweck und erlaubt den Geschlechtsverkehr ausschließlich zwischen Priestern und Ministranten.
XDB 28.04.2014
4. Sie haben das letzte Bild vergessen
zu zensieren ...
whiterussian 28.04.2014
5. Das geht echt nicht
Kunst zu zensieren ist wirklich ein NoGO!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.