Bedeutender Schauspieler Gert Voss ist tot

Er galt als einer der großen Schauspieler der Gegenwart: Nun ist Gert Voss ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Das teilte das Wiener Burgtheater mit.


Wien - Sein Name war Inbegriff für höchste Theaterkunst: Der Schauspieler Gert Voss ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Er erlag am Sonntag einer kurzen schweren Krankheit in Wien, wie das Burgtheater am Montag mitteilte. "Das Burgtheater ist in tiefer Trauer über den Verlust dieses in der europäischen Theaterwelt einzigartigen Schauspielers und großen Menschen", teilte die Bühne mit. Voss galt als einer der herausragenden Schauspieler seiner Generation und hat praktisch alle großen Rollen der Theatergeschichte gespielt.

Voss war Ehrenmitglied des Burgtheaters und Träger zahlreicher Auszeichnungen wie dem Nestroy- und dem Fritz-Kortner-Preis. In Wien war er der unbestrittene Star des Ensembles. Der SPIEGEL schrieb 2009 über Voss, er sei "wahrscheinlich der größte lebende Theaterschauspieler, und meistens weiß er mehr über das Stück und die ihm zugedachte Rolle als sein Regisseur."

In seiner glanzvollen Karriere wurde Voss fast immer umjubelt, rettete auch schwächere Stücke durch seine glänzende Darstellung, überzeugte als Bettler, als Clown, als König. Zu den Auftritten, die Theatergeschichte schrieben, gehören sein "König Lear" am Wiener Burgtheater in der Inszenierung von Luc Bondy oder der "Mephisto" in der Inszenierung des damaligen Intendanten Matthias Hartmann.

Durchbruch an der Seite von Claus Peymann

Gert Voss kam am 10. Oktober 1941 im chinesischen Shanghai zur Welt, wo sein Vater als Außenhandelskaufmann arbeitete. 1947 kehrte die Familie nach Deutschland zurück - dort besuchte Voss Schulen in Köln, Heidenheim und Friedrichshafen am Bodensee. Nach dem Abitur studierte er Germanistik und Anglistik in Tübingen und München, schloss das Studium aber nicht ab. Nebenher trat er im Kirchenkabarett eines evangelischen Pfarrers im Tübinger Studententheater auf. Nach einer positiven Beurteilung seines Talents bei einer Schauspieleignungsprüfung in Stuttgart entschied sich Voss für eine Karriere am Theater.

In seiner Karriere machte Voss Stationen an Bühnen in Konstanz, Braunschweig, München, Stuttgart und Bochum. In Konstanz debütierte er als jugendlicher Held Marchbanks in George Bernard Shaws "Candida". Nach seinen Jahren in Braunschweig (1968-1971) und am Münchner Residenztheater (1971/1972) machte er am Württembergischen Staatstheater in Stuttgart vor allem in Inszenierungen von Claus Peymann auf sich aufmerksam.

Mit Intendant Peymann wechselte Voss 1986 ans Burgtheater in Wien und wurde dort schon im selben Jahr als Richard III. gefeiert - obwohl die beiden deutschen Theatermacher im traditionsbewussten Wien gelegentlich angefeindet wurden. Mehrfach spielte Voss auch den "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen.

"Ein virtuoser Charakterdarsteller mit phänomenaler Strahlkraft"

Nachdem sich Voss und Peymann zerstritten und die Zusammenarbeit beendet hatten, kam es im Februar 2011 wieder zu einer intensiven Zusammenarbeit der beiden: Anlässlich des Gedenkens an den Schriftsteller Thomas Bernhard zu dessen 80. Geburtstag zelebrierte Voss in Bernhards Kammerspiel "Einfach kompliziert" eine Partitur eines grantelnden Altschauspielers in Form eines zweistündigen Monologs.

Als "Theaterreise" beschrieb Voss selbst in seiner Autobiografie mit dem Titel "Ich bin kein Papagei" sein Leben. Tatsächlich hatte er stets versucht, den Figuren seine ganz eigene Interpretation zu geben. Sie waren nie eindeutig gut oder böse. "Undurchsichtigkeit finde ich schöner", sagte er einmal. Es ging ihm darum, die verborgenen Facetten eines Charakters aufzuspüren.

"Mit Gert Voss verliert das Burgtheater einen virtuosen Charakterdarsteller mit phänomenaler Strahlkraft", sagte Interims-Intendantin Karin Bergmann. Mit Voss, der bereits vor Jahren mit Herzproblemen zu kämpfen hatte, hat die Bühne innerhalb weniger Wochen bereits den zweiten bedeutenden Schauspieler verloren: Erst im Juni war der Darsteller Karlheinz Hackl gestorben.

mxw/dpa/AFP



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