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Schauspieler Lauterbach: "Ich bin doch nicht bescheuert"

Die "Bild"-Zeitung kürte Heiner Lauterbach zum Verlierer des Tages - weil er ein Attentat auf den Papst verteidigt haben soll. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE wettert der Schauspieler gegen den Boulevard und erklärt, warum schon allein seine Schwiegermama ihn von solchen Gedanken abhält.

SPIEGEL ONLINE: Herr Lauterbach, in dem Fernsehfilm "Das Papst-Attentat" spielen Sie den Papst-Mörder Rami Hamdan. Halten Sie es selbst für überlegenswert, den Papst umzubringen?

Lauterbach: Völliger Blödsinn! Seit ich an diesem Film arbeite, lauern einige Journalisten nur darauf, dass ich mich despektierlich über die Kirche äußere. Bei ein paar Interviews habe ich deutlich gemerkt: Die fragen so komisch. Manche warten nur darauf, dass sie mir eins reinwürgen können.

SPIEGEL ONLINE: Sie zeigen dennoch Verständnis für die Motive des Papst-Attentäters. Ich zitiere aus dem Interview mit "TV Today": "Doch wenn man nun bedenkt, dass er durch den Tod eines einzigen Menschen, dessen Dogmen recht fragwürdig sind, eventuell Tausende andere Menschen retten kann, dann ist das schon überlegenswert."

Lauterbach: Hören Sie: Ich wurde über meine Figur Rami Hamdan befragt und habe versucht, dessen Motive plausibel zu machen. Ich wollte den Film und seine Figuren glaubhaft machen - vor der Kamera und in Interviews. Das hat mit meinen persönlichen Ansichten rein gar nichts zu tun. Das versteht doch Klein-Erna: Manchmal spricht der Mensch Lauterbach, ein anderes Mal spricht der Schauspieler für seine Figur.

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht waren Sie ja während des Interviews zu sehr in Ihre Figur vertieft?

Lauterbach: Vielleicht. In jedem Fall habe ich aber über die Motive der Figur gesprochen - und die kann man mir nicht in den Mund legen! Ich selbst habe zuvor deutlich gesagt: "Persönlich weiß ich, dass man kein Menschenleben gegen ein anderes abwägen darf." Dass ich befürworten würde, den Papst umzubringen, ist ja lachhaft! Die "Bild"-Zeitung hat - vorsichtig gesagt - billigend in Kauf genommen, mich misszuverstehen. Eine Unverschämtheit!

SPIEGEL ONLINE: Also ist die "Bild"-Zeitung schuld?

Lauterbach: Nein, jeder, der mich da missversteht. Wobei die "Bild"-Zeitung meinen Satz aus dem Zusammenhang gerissen und verdreht hat. Plötzlich hieß es: Lauterbach hält es für überlegenswert, den Papst umzubringen, weil dessen Dogmen fragwürdig sind. So habe ich es niemals gesagt - noch nicht einmal im Namen meiner Filmfigur.

SPIEGEL ONLINE: Ärgern Sie sich, dass Sie sich nicht deutlicher ausgedrückt haben?

Lauterbach: Ich ärgere mich darüber, dass man mich bewusst missverstehen wollte. Mal im Klartext: Es glaubt doch wohl niemand ernsthaft, dass ich dafür bin, den Papst umzubringen!

SPIEGEL ONLINE: Und jetzt passen Sie nächstes Mal besser auf.

Lauterbach: Sagen wir mal so, hätten die Journalisten von "TV Today" mich wirklich so verstanden, wie es "Bild" glauben machen will, hätten die ja wohl nachgefragt: Herr Lauterbach, wie interessant, Sie würden den Papst umbringen? Dann hätte ich geantwortet: Unsinn! Meine Schwiegermutter geht jeden Tag in die Kirche, schon ihr zuliebe nicht. Und selbst wenn ich das denken würde, könnte ich mir gerade noch verkneifen, das auch zu sagen. Ich bin ja nicht bescheuert!

Das Interview führte Thorsten Dörting.


"Das Papst-Attentat", Sonntag, 16. März, 20.15 Uhr, RTL

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