#MeToo in Cannes "Wir kennen euch, ihr kommt nicht davon"

Die Schauspielerin Asia Argento nutzte den Abschluss der Filmfestspiele in Cannes, noch einmal das Thema #MeToo in den Fokus zu stellen.


Zum Abschluss der Filmfestspiele von Cannes 2018 hat die Schauspielerin Asia Argento die #MeToo-Debatte noch einmal in den Fokus gerückt. Argento gehörte zu den ersten zitierten Zeuginnen, die im Oktober 2017 von Erfahrungen sexueller Gewalt in der Filmbranche berichteten.

Schon zum Auftakt der Filmfestspiele hatten Künstler und Aktivisten dazu aufgerufen, sowohl sexuellen Missbrauch als auch Formen geschlechtlich determinierter Ungleichbehandlung nicht mehr länger hinzunehmen. Argento führte das Thema auf seinen Kern zurück: Die zutiefst persönliche Verletzung und die daraus resultierende, berechtigte Wut.

Argento sprach im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Festivals, zum Auftakt der Verleihung der Goldenen Palme. Sie sagte:

"Im Jahr 1997 wurde ich in Cannes von Harvey Weinstein vergewaltigt. Ich war 21 Jahre alt. Dieses Festival war sein Jagdrevier. Ich möchte eine Vorhersage machen: Man wird Harvey Weinstein hier niemals wieder willkommen heißen. Er wird in Schande leben, von einer Gemeinschaft der Filmschaffenden gemieden, die ihn einst umarmt und seine Verbrechen gedeckt hat.

Sogar heute Abend sitzen in Eurer Mitte diejenigen, die man noch immer nicht für ihr Verhalten gegenüber Frauen zur Verantwortung gezogen hat. Für ihr widerwärtiges Verhalten, das in dieser Branche keinen Platz hat. In keiner Branche, an keinem Arbeitsplatz. Ihr wisst, wer Ihr seid. Aber, wichtiger als das: Auch wir wissen, wer Ihr seid. Und wir werden nicht zulassen, dass Ihr noch länger damit davonkommt."

Asia Argento hatte ihren Vorwurf, vom Filmproduzenten Harvey Weinstein vergewaltigt worden zu sein, schon in einem "New Yorker"-Artikel vom 23. Oktober 2017 öffentlich gemacht. Weinstein bestreitet die Vorwürfe. Laut Filomena Cusano, Weinsteins Anwältin in Italien, seien die "komplett falsch. Herr Weinstein hatte eine auf Einverständnis beruhende Beziehung zu Frau Argento."

Laut Cusano habe es im Festsaal von Cannes bei der Rede "genauso viel geschockte Stille wie Applaus" gegeben. Die TV-Aufzeichnung macht einen anderen Eindruck: Argentos nur eine Minute lange, aber höchst intensive Rede wurde frenetisch gefeiert.

Die #MeToo-Bewegung entstand als Reaktion auf Enthüllungen der "New York Times", die am 5. Oktober 2017 detaillierte Vorwürfe gegen den Produzenten Harvey Weinstein veröffentlichte. Kurz darauf meldeten sich immer mehr Zeuginnen und Opfer sexueller Missbräuche und Erpressungen. Von der Film-, Musik- und Literaturbranche ausgehend hat sich das Thema inzwischen zu einer weltweiten gesellschaftspolitischen Debatte ausgeweitet.

pat/Reuters

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