"Schlag den Raab" Mädchenfederball am Strand

Stefan Raab ist doch nicht unbesiegbar: Nach vier Erfolgen in Serie musste sich der Moderator im Marathon-Wettbewerb einem ehemaligen Kicker des FC St. Pauli geschlagen geben. Der kassierte ein Rekordpreisgeld von 2,5 Millionen Euro – weil er im Elfmeterschießen die Nerven behielt.


Eine "Schlag-den-Raab"-Ausgabe eine Woche vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft ist eine prima Gelegenheit: Der Fernsehzuschauer kann schon mal seine persönliche EM-Form testen. Hat man genug Ruhe für ein paar Stunden Couch? Lässt man auch bei schwächeren Spielen die Finger von der Fernbedienung? Und schmecken die neuen Snacks? Schließlich sind in den ersten elf Tagen zwei Partien pro Abend zu bewältigen, das heißt mit dem üblichen Vor- und Nachgequatsche gut und gerne ein paar Stunden Anwesenheitspflicht vor der Mattscheibe.

Raab am Abend: Sah gut aus, verlor aber im Elfmeterschießen
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Raab am Abend: Sah gut aus, verlor aber im Elfmeterschießen

Wie gut, dass Stefan Raab seine Spielshow gleich mal auf über vier Stunden ansetzt und der Abpfiff diesmal erst nach fünfeinviertel Stunden ertönte. Wer das durchgehalten hat, den dürften demnächst auch solche Langweiler wie Russland gegen Griechenland oder Türkei gegen Tschechien kaum aus dem Sessel treiben. Zumal die Sendung einige Spannungslöcher verzeichnete und einige Programmpunkte unnötig in die Länge zog. Für das Jetskifahren ging inklusive Hubschrauber-Hin- und -Rückflug eine glatte Stunde drauf. Und das nur, um den Kandidaten alle paar Meter ins Wasser plumpsen zu sehen.

Ach ja, der Kandidat: eine gute Wahl, so schien es zunächst. Er versprach im Gegensatz zu den anderen vier Personen mit der Ausstrahlung von Geschirrhandtüchern wenigstens einen Schuss Originalität. Olufemi, so sein Name, hatte mal beim FC St. Pauli gespielt und arbeitet jetzt in der Marketingabteilung des TSV 1860 München. Flugs griffen genügend Zuschauer für ihn zum Telefon, auch wenn die beiden Vereine ja nicht unbedingt Erfolgsgaranten sind.

Er erwischte jedoch einen schlechten Start, einen sehr schlechten, um genau zu sein. Die ersten fünf Spiele gingen allesamt an Raab, wobei schnell auffiel, dass Olufemi trotz seiner Sportlerkarriere in den Bereichen der Koordination und der Feinmotorik eklatante Schwächen zeigte. Laufen auf der Drehscheibe, Jetski, Rudern, Affenkette - alles nicht sein Ding. Sein Allgemeinwissen erstreckte sich auch hauptsächlich auf den Bereich Sport und Popsternchen, doch das reichte, um Raab einige wichtige Punkte zu klauen.

Denn die Redaktion der Show befand sich offenbar schon im EM-Fieber, auffällig viele Fragen drehten sich um die Titelkämpfe der Fußballer oder um Olympia. Souveränität strahlte der Kandidat allerdings dann trotzdem nur selten aus. Die Spiele "Wer ist das?" und "Wer weiß mehr?" gingen nur an den Olufemi, weil Raab patzte, selbst der Sieg im Badminton war schmeichelhaft. Das Duell der beiden erinnerte eher an eine entspannte Partie Mädchenfederball am Strand, Olufemi war halt nur der nicht ganz so schlechte von zwei schwachen Spielern.

Aber am Ende ist es in der Show wie beim Fußball: Es zählt nur das Ergebnis. Optisch hatte Raab den deutlich bessere Eindruck gemacht, und das fünf Stunden lang, doch nach 14 Spielen war immer noch kein Sieger gefunden. So musste das letzte Duell entscheiden, und da ging es ausgerechnet zum Elfmeterschießen. Kein Wunder, dass sich Olufemi dort durchsetzte und mit 2,5 Millionen Euro belohnt wurde. Wann waren ein paar Elfmeter jemals soviel wert?

Abhaken und auf das nächste Spiel schauen, heißt es bei den Fußballern immer. Aber vorher kommt noch ein wenig Nachgequatsche: Frank Buschmann als Live-Kommentator der Spiele plapperte und plapperte und plapperte - lief nicht irgendwo gerade ein großes Basketball-Turnier mit Dirk Nowitzki, wo man ihn hätte hinschicken können? Matthias Opdenhövel hatte auch schon bessere Abende, ging dem Zuschauer aber wenigstens nicht auf die Nerven.

Und schauen wir uns noch ein paar Szenen aus den ersten Minuten an. Wieso um Himmels Willen ist es so schwer, ein paar vernünftige und witzige Kandidaten für diese Show zu finden? Nicht immer diese Toller-Job/tolle-Familie/15-Stunden-Sport-am-Tag-Typen, die, wenn ihnen Opdenhövel einen verbalen Steilpass zuspielt, gleich mit der Antwort den Ball verstolpern? Vielleicht ist das einfach auch alles nur Taktik, damit Stefan Raab nicht die Show gestohlen wird. Die wäre zumindest aufgegangen.

Aber Vorsicht: Die EM beginnt schon nächste Woche, und die Chancen stehen gar nicht so schlecht, dass sich der Zuschauer bei einigen Moderatoren oder Kommentatoren plötzlich wünscht, es säße Frank Buschmann vor dem Mikrophon. Oder während manch einer Begegnung, es würde stattdessen Raab gegen einen farblosen Kandidaten "Blamieren oder Kassieren" zocken.

Da gilt dann einfach, was auch gestern Nacht so spätestens um kurz nach ein Uhr galt: durchhalten! Am Ende hat es sich gelohnt.



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