Schleichwerbungsskandal Bavaria Film lässt Köpfe rollen

Nach dem Schleichwerbungsskandal der ARD hat die Bavaria Film personelle Konsequenzen gezogen. Zwei Chefproduzenten müssen gehen. Geschäftsführer Thilo Kleine und andere Mitarbeiter bekommen eine Abmahnung. Grund sind die Fälle von Schleichwerbung in Auftragsproduktionen wie der Serie "Marienhof".


München - Der Geschäftsführer Thilo Kleine habe eine Abmahnung "mit der Androhung arbeitsrechtlicher Konsequenzen bis hin zur Kündigung des Dienstverhältnisses bei einem Fehlverhalten gleicher oder ähnlicher Art" erhalten, teilte die Filmproduktionsfirma Bavaria nach einer Sitzung des Aufsichtsrates und der Gesellschafterversammlung mit.

Außerdem trenne sich das Unternehmen sofort von zwei Chefproduzenten und Mitgliedern der erweiterten Geschäftsführung sowie vom Chefdramaturgen, "die alle über mehrere Jahre hinweg Placement-Aktivitäten initiiert oder an diesen Aktivitäten maßgeblich mitgewirkt haben". Weitere Mitarbeiter würden arbeitsrechtlich abgemahnt.

Zu den Gesellschaftern der Filmproduktionsfirma gehören die ARD-Sender WDR, SWR, MDR und BR. Grundlage der Entscheidungen waren den Angaben zufolge zwei Sonderberichte von der KPMG Deutsche Treuhand Gesellschaft und der Revision des Südwestrundfunks, die Anfang Juni in Auftrag gegeben worden waren.

Zuvor war bekannt geworden, dass es bei Produktionen für die ARD-Serien "Marienhof" und "In aller Freundschaft" zu verbotener Schleichwerbung gekommen war. Verschiedene Unternehmen hatten über eine Vermittlungsagentur ihre Produkte gegen Entgelt platzieren können. Gesellschafter und Aufsichtsrat sehen darin einen massiven Vertragsverstoß und eine erheblich Störung des Vertrauensverhältnisses zwischen den Auftraggebern und der Bavaria. Deshalb seien personelle Konsequenzen "unausweichlich" gewesen. Die Gesellschafter beschlossen darüber hinaus einen umfassenden Maßnahmenkatalog, um Schleichwerbung künftig zu verhindern.



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