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Schlingensief schlägt zurück: "Möllemann soll seinen Mund halten"

Christoph Schlingensief lässt sich nicht einschüchtern. Auch nach der verbalen Attacke des von ihm provozierten FDP-Vizechefs Jürgen Möllemann verteidigt der Regisseur seine jüngsten Protest-Aktionen und ruft seine Künstlerkollegen auf, ebenfalls aktiv zu werden. Nach der Wahl sei es zu spät, etwas zu unternehmen, mahnte Schlingensief.

Theater-Provokateur Schlingensief: "Ich bleibe bei meinen Themen"
DPA

Theater-Provokateur Schlingensief: "Ich bleibe bei meinen Themen"

Berlin - "Es gibt kaum Regisseure, die im Moment Stellung beziehen", sagte Schlingensief am Mittwoch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. "Alle haben Angst, dass man ihnen Kontraproduktivität vorwirft. Stattdessen warten sie ab und spielen dasselbe Spiel wie die Politiker. Aussitzen und auf die Zeugnisse warten. Bei Möllemann ist es bald zu spät! Dann sitzt der in der Regierung und wir sind im Ausland erledigt."

Es bringe nichts, jetzt erst einmal abzuwarten, "um sich dann nach der Wahl als engagierter Künstler aufzuspielen, wenn Möllemann in der Regierung ist". Das sei der falsche Weg, sagte Schlingensief. Die Künstler dürften nicht immer nur reagieren, sie müssten die Politik zwingen, auf die Menschen zu reagieren.

Auf den Vorwurf Möllemanns, er fühle sich durch Schlingensiefs Aktionen am Sonntag und Montag in Duisburg und Düsseldorf in seinen Rechten verletzt, meinte der Theaterregisseur: "Da soll der Herr Möllemann mal schön seinen Mund halten. Er hat so viele Menschen verletzt, gerade aus jüdischen Gemeinden, und dort die Arbeit von 20, 30 Jahren zunichte gemacht." Möllemann geriere sich jetzt selbst als Opfer. "Das wäre sehr billig", urteilte Schlingensief. "Genau jene Politiker, die uns ständig von der Realität erzählen und die größten Betrugsinszenierungen veranstalten, regen sich auf, wenn sie sich auf der Bühne wiederfinden."

Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Volksverhetzung im Zusammenhang mit Schlingensiefs Internet-Auftritt meinte der Regisseur: "Unsere Internetseite spült gerade den braunen Dreck nach oben. Es ist eine Plattform, die mit Botenstoffen arbeitet. Die Seite besteht aus allem, was frei zugänglich ist im Netz. Und jetzt, wo ich Möllemann angreife, kommt der Staatsanwalt und wirft mir vor, dass ich die Sachen sichtbar gemacht habe? Merkwürdiger Vorgang!"

Ihn erinnere das alles etwas an seine Wiener Container-Aktion gegen Fremdenhass und Rassismus im Sommer 2000, "nur mit dem Unterschied, dass einige Leute nervös werden, weil es um unseren deutschen Dreck geht und nicht nur um das böse Ausland. Aber ich bleibe bei meinen Themen, auch wenn das manche Konservative nervt."

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