Schmidt-Ersatz bei Sat.1 40 Millionen für Anke Engelke

"Ladykracher" statt "Dirty Harry": Anke Engelke wird Nachfolgerin von Harald Schmidt auf dem täglichen Late-Night-Sendeplatz bei Sat.1. Senderchef Roger Schawinski spricht von einer "Traumbesetzung", Engelke nennt ihre neue Aufgabe die "größte Herausforderung".


Anke Engelke: Aufstieg bei Sat.1
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Anke Engelke: Aufstieg bei Sat.1

Hamburg - Engelke, 38, hat bei Sat.1 einen mit 40 Millionen Euro dotierten Drei-Jahres-Vertrag als Nachfolgerin des Late-Night-Talkers Harald Schmidt unterschrieben. Über das persönliche Honorar für die Entertainerin wurde bisher nichts bekannt. Die neue Show startet im Frühjahr und soll viermal die Woche um 23.15 Uhr zu sehen sein.

"Anke Engelke ist nicht nur Deutschlands witzigster, sondern auch vielseitigster weiblicher Star", kommentierte Sat.1-Chef Roger Schawinski die Entscheidung seines Senders. Damit habe sich Sat.1 das größte Weihnachtsgeschenk selbst gemacht. Engelke sei seine "Traumbesetzung". Gemeinsam mit Brainpool werde nun eine "klassische Late Night" entwickelt, die auf die Talente von Anke Engelke zugeschnitten sei und "eine verlässliche Aktualität" biete.

Anke Engelke freut auf den neuen Job. "Für jeden, der Spaß an Unterhaltung hat, ist Late Night die schönste Sache der Welt", sagte sie. Bislang sei das Format für sie eine heimliche Liebe gewesen, ein stiller Traum, nun werde er wahr. "Es ist die größte Herausforderung, die das deutsche Fernsehen bietet."

Produziert wird das neue Format von der Firma Brainpool, die auch für Engelkes Sat.1-Comedyshow "Ladykracher" und Stefan Raabs ProSieben-Show "TV Total" verantwortlich zeichnet. Brainpool- Geschäftsführer Jörg Grabosch sagte am Dienstag, Engelke werde sich jeden Tag ein aktuelles Thema mit Gästen herauspicken. Sie bekomme auch eine Band. Ein ständiger Partner - wie Manuel Andrack bei Schmidt - sei derzeit nicht vorgesehen. Die Sketch-Reihe "Ladykracher" werde 2004 aus Kapazitätsgründen nicht fortgesetzt.

Rund 50 bis 70 Beschäftigte werden sich um das neue Format kümmern. Mit der Einbindung von Brainpool und "Ladykracher" haben sich die letzten Erwartungen zerschlagen, dass möglicherweise doch noch Harald Schmidts Produktionsfirma Bonito TV den Zuschlag für den lukrativen Dauer-Sendeplatz bei Sat.1 erhält. Bei Bonito sind derzeit 90 Mitarbeiter beschäftigt, die eine ungewisse Zukunft vor sich haben. Vor rund drei Jahren hatte sich Schmidt als Produzent selbstständig gemacht und von eben der Firma (Brainpool) getrennt, die jetzt den neuen Auftrag erhalten hat. Grabosch sagte, er empfinde "keine Genugtuung", er freue sich, das Erbe antreten zu können.

In der Branche wird der Einstieg von Anke Engelke in das tägliche Late-Night-Geschäft unterschiedlich beurteilt. Experten gehen davon aus, dass die in Montreal geborene Diplomatentochter eine der besten Lösungen ist. Allerdings wurde auch schon Kritik laut. "Engelke ist keine Leitfigur für Halb-Intellektuelle", urteilte der Kölner Medienexperte Lutz Hachmeister am Dienstag. Sie sei häufig schrill und laut, Schmidt hingegen sei eine in sich ruhende Figur aus dem Grotesk-Theater.

Immerhin ist Engelke Deutschlands erfolgreichste Comedy-Frau. Sie wurde unter anderem mit dem Deutschen Fernsehpreis, dem Deutschen Comedy Preis, der Goldenen Kamera, dem Grimme Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Ihr erstes eigenes TV-Format bekam die Entertainerin im Jahre 2000 mit "Anke - Die Comedyserie". Bereits seit 1999 präsentierte sie regelmäßig mit "Danke, Anke!" die Muttertags- und Weihnachtsshows in Sat.1. Im Januar 2002 startete sie die erfolgreiche Sketch-Comedy "Ladykracher", die unter anderem für die "International Emmy Awards" und die "Goldene Rose von Montreux" nominiert wurde.

Vor Engelke war auch die Polit-Talkerin Sandra Maischberger (ARD, n-tv) als Schmidt-Nachfolgerin gehandelt worden. Harald Schmidt, 46, präsentiert heute abend seine letzte Late-Night-Show nach acht Jahren bei Sat.1.



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