Schönheits-OP-Soap Bühne frei für Busenwunder Brigitte

Nackte Tatsachen, gewetzte Messer: Die alternde Sexbombe Brigitte Nielsen bekommt in der RTL-Trash-Doku "Aus alt mach neu" per Schönheits-OP ihr Fett weg. Für ein wenig Publicity gibt sich das ehemalige Busenstarlet zur gierigen Fleischbeschau her.


Ist doch auch ein Ziel: Im reifen Alter noch mal Playboy-Bunny werden. Brigitte Nielsen, Schauspielerin, Pin-Up-Poserin, ehemalige Mrs. Sylvester Stallone und krokodillederhäutige Wasserstoffamazone, ist offiziell 44 Jahre alt - in Hollywood ein biblisches Alter. Um ihrem Traum von einem zweiten Playboy-Cover (das erste entstand in den Achtzigern) näher zu kommen, hat die gebürtige Dänin ihre anstehenden Schönheits-Operationen als dreiteiligen Starschnitt an RTL verkauft: Vier Mal hat sie sich bei laufender Kamera unter das gewetzte Messer eines Darmstädter Dermatologen gelegt, um mindestens 15 Jahre Leben und 15 Kilo Lebendgewicht ungeschehen machen zu lassen.

Wasserstoffamazone Nielsen in der Beauty-Klinik: Alte will keiner sehen
RTL

Wasserstoffamazone Nielsen in der Beauty-Klinik: Alte will keiner sehen

Der Wirbel, den die neue Dokusoap "Aus alt mach neu: Brigitte Nielsen in der Promi-Beauty-Klinik" im Vorfeld verursachte, war groß: Geschmacklosigkeit und unreflektiertes Verhalten sind die Hauptvorwürfe, die sich die Vorher-Nachher-Show gefallen lassen musste. Vergleicht man die Schnippelshow aber mit dem restlichen Programm von RTL, so fällt eher die Authentizität der Serie auf. Ja, so bekloppt ist Frau Nielsen wirklich, RTL war ganz nah dabei und dokumentierte, wie die Blondine in ihrer Heimat Kalifornien noch mal die nicht minder schrille Ex-Schwiegermutter Mama Stallone konsultiert, um sich von der wohl ungefähr Hundert Mal operierten Hollywood-Hexe für die anstehende OP in Deutschland die Karten legen zu lassen.

Der Sender filmte, wie Nielsen und ihr stumm-stammelnder, mindestens 14 Jahre jüngerer italienischer Ehemann ihre kleinen Schoßköter anziehen und ausführen. Er drehte ganz nah und faltengenau Frau Nielsens zerknittertes Gesicht, ihre Rettungsringe um die Taille, und lässt den voyeuristisch-angeekelten Zuschauer bewusst im Unklaren über Nielsens Aussage, sie habe schließlich aufgehört zu rauchen, und, so ganz nebenbei, vier Kinder geboren.

Ach so? Und wo sind die jetzt? Und wieso überhaupt vier? Die Medienquellen widersprechen sich in der Anzahl ihrer Kinder (zwischen drei und fünf).

Man muss die neue Doku-Schmierenkomödie also als das sehen, was sie ist: Eine Inszenierung, von der alle etwas haben – die einen Einschaltquoten ohne allzu hohe Kosten, die andere eine Bühne und das nötige Kleingeld für die Eingriffe (angeblich decken sich die 66.000 Euro OP-Kosten für zwei Mal Fettabsaugung, ein Mal Faltenbügeln und ein Mal Busenverkleinern mit Nielsens Fernseh-Honorar), der dritte Publicity für seine sorgsamen Schnippeleien am lebenden Objekt.

Abgesehen davon ist die Doku unterhaltsam, vor allem wegen der kilometergroßen Bild-Ton-Scheren, der Ungereimtheiten und der Auftritte des sphinxartig lächelnden Wunderdocs, der sogar während Frau Nielsens Schmerzbekundigungen auf dem OP-Tisch mit "Es ist alles bestens"-Formeln antwortet. Das Thema Sport stellt er hinter die chirurgischen Künste: Klar müsse Frau Nielsen auf ihr Gewicht achten, aber erst einmal werde er die Fettzellen entfernen.

Faszinierend ist, wie die überkandidelte nordische Walküre auf der Wahrhaftigkeit des Formats besteht, ja sogar behauptet, für Hollywood-Maßstäbe Bahnbrechendes zu leisten: Alle tun es, aber keiner gibt es zu, sagt sie trotzig zum Thema Rundumerneuerung, und lässt diesen im Ansatz kritischen Gedanken gleich schnöde versickern. Ihre Schlussfolgerung aus dem Problem der alternden Sexbombe lautet: Klar muss ich mich jünger machen, denn Alte will keiner sehen.

Mit ein wenig knalligerer Musik, ein paar Straffungen und durchgeknallten Operationen mehr, ein bisschen provinzieller Lokalidiotie und ein wenig Hundeköttel hier und da könnte man sich die ganze Chose prima unter John Waters’ Regie vorstellen. So aber ärgert leider immer noch die oberflächlich-gierige, privatfernsehentypische Machart dieser sonderbaren Art von Unterhaltung. Ihr größter Kick besteht in nacktem Fleisch und schonungsloser Gegenüberstellung – alle fünf Minuten werden Bilder von Nielsen als jungem Busenstarlet eingeschnitten. Frau Nielsen kommt dabei nicht mal schlecht weg – besser jedenfalls, als bei ihrer Vorstellung als Ex-Freundin des Public-Enemy-Mitglieds Flavor Flav, in dessen Reality Shows sie sich bisweilen tummelte. Besser vermutlich auch als bei ihrem öffentlich ausgeschlachteten Alkoholentzug, den der schmerzfreie Sender ab August zeigen wird, und der auch in Frau Nielsens Darmstädter Beauty-Farm-Abenteuer eine Rolle spielt: Man müsse gut aufpassen wegen ihrer Suffkarriere, raunen sich die Anästhesisten kameratauglich zu.

Wenn Brigitte Nielsen ein wenig sympathischer wäre, wenn sich hinter ihren harten Cowboyzügen echte Selbstironie verbergen würde, und wenn sie damals nicht sogar mit Falco einen Song gemacht hätte, um irgendwie berühmt zu sein, man könnte der Serie einen gewissen Trash-Appeal nicht verwehren. So bleiben aber doch nur verschwendete Magnetbänder übrig. Und eine traurige Blondine, die alles tun würde, wenn sie nur jemand ansieht.


"Aus alt mach neu: Brigitte Nielsen in der Promi-Beauty-Klinik", sonntags, 19.05 Uhr, RTL



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Seite 1
Rainer Helmbrecht 07.07.2008
1. Schönheit, Schönheit, über Alles …...
Zitat von sysopNackte Tatsachen, gewetzte Messer: Die alternde Sexbombe Brigitte Nielsen bekommt in der RTL-Trash-Doku "Aus alt mach neu" per Schönheits-OP ihr Fett weg. Für ein wenig Publicity gibt sich das ehemalige Busenstarlet zur gierigen Fleischbeschau her. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,564189,00.html
TV besteht nur noch aus Provokation, die Nielsen ist nun die erste, danach der erste Mann, die 18 jährigen Mädchen mit Busen OP haben wir schon hinter uns, jetzt können wir noch Beschneidungen zeigen, danach kommen übergewichtige Kinder dran. Kühe und Hunde werden auch auf Schönheit getrimmt, wann beginnen denn richtige Perversionen, es geht immer weiter, bis das Pendel zurück schlägt und Männer ohnmächtig werden, beim Anblick einen nackten Füßchens. Man glaubt gar nicht, dass wir schon 2008 schreiben;o). MfG. Rainer
DickBush, 07.07.2008
2. Warum denn nicht?
Wenn Brigittchen durch ihre eigene Selbstverarschung ein paar Piepen dazu verdienen wird - und dabei ein bißchen Liebe und Aufmerksamkeit der Containergemeinschaft verspürt, gönne ich es ihr vom ganzen Herzen.
tanni95, 07.07.2008
3. Primaten-Fernsehen...
Zitat von sysopNackte Tatsachen, gewetzte Messer: Die alternde Sexbombe Brigitte Nielsen bekommt in der RTL-Trash-Doku "Aus alt mach neu" per Schönheits-OP ihr Fett weg. Für ein wenig Publicity gibt sich das ehemalige Busenstarlet zur gierigen Fleischbeschau her. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,564189,00.html
...von Primaten erdacht - für Primaten gemacht. Mehr fällt mir dazu nicht ein. Den Ärzten, die bei solchen Schrott-Sendungen mitwirken, sollte man die Approbation entziehen.
silke_k 07.07.2008
4. och
Zitat von sysopNackte Tatsachen, gewetzte Messer: Die alternde Sexbombe Brigitte Nielsen bekommt in der RTL-Trash-Doku "Aus alt mach neu" per Schönheits-OP ihr Fett weg. Für ein wenig Publicity gibt sich das ehemalige Busenstarlet zur gierigen Fleischbeschau her. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,564189,00.html
wer's braucht. und sie braucht scheinbar geld. ansonsten nicht nachvollziehnar, warum jemand so etwas macht. naja, ich muss es ja net anschauen.
werner51, 07.07.2008
5. Sach ma' ...
Zitat von sysopNackte Tatsachen, gewetzte Messer: Die alternde Sexbombe Brigitte Nielsen bekommt in der RTL-Trash-Doku "Aus alt mach neu" per Schönheits-OP ihr Fett weg. Für ein wenig Publicity gibt sich das ehemalige Busenstarlet zur gierigen Fleischbeschau her. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,564189,00.html
... habt Ihr bei SPON eigentlich keine besseren Themen. Mit ein bißchen googeln habe ich herausgefunden, daß Frau Nielsen im wesentlichen dadurch bekannt geworden ist, daß sie mal mit Sylvester Stallone liiert war. Und ausgerechnet eine solche Tusse, deren Scheidungsgelder in der Zwischenzeit wohl aufgebraucht sind, greift Ihr euch für einen Artikel und ein Forum heraus!? Das darf doch nicht wahr sein. Da wäre es doch ganz bestimmt viel interessanter, wenn wir über unseren Ankündigungsminister Tiefensee und seine Millionen Windräder diskutieren dürften. Ach ja, eine Frage noch: Was ist an dem Busen der Frau N. "Wunder"?
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