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Schreiben statt sprechen: Eva Herman verlässt "Tagesschau"

Erst hat sie in einem Artikel scharf mit der Frauenbewegung abgerechnet, jetzt legt Eva Herman mit einem Buch nach. Wegen der zu erwartenden Kontroverse hat die Nachrichtensprecherin bereits Konsequenzen gezogen: Sie lässt ihre Arbeit bei der "Tagesschau" ruhen.

Hamburg - "Das schönste Lächeln verschwindet aus der 'Tagesschau'", klagt die "Bild"-Zeitung. "Nach 18 Jahren schmeißt sie alles hin." In der Tat will "Tagesschau"-Sprecherin Eva Hermann, 47, bei Deutschlands meistgesehener Nachrichtensendung pausieren. Berichte in der Springer-Presse wurden heute bestätigt. Gegen Ende des Monats werde sie ihren Job aufgeben und für ein bis zwei Jahre als Autorin arbeiten. Ob sie danach tatsächlich wieder die Nachrichten sprechen soll, darüber gibt es bislang keine Angaben.

Miss "Tagesschau" Eva Herman: "Selbstgefälligkeit und Eitelkeit"
AP

Miss "Tagesschau" Eva Herman: "Selbstgefälligkeit und Eitelkeit"

Denn Nachrichtensprecher, die allzu sehr im Rampenlicht stehen, passen nicht zum seriösen Image der "Tagesschau". Schon gar nicht schätzt es die ARD, wenn um die Repräsentanten ihres Aushängeschildes auch noch kontroverse Diskussionen entstehen. Die "Tagesschau" steht schließlich für objektive Berichterstattung. Aber eine Kontroverse dürfte nach Erscheinen von Hermans Buch "Das Eva-Prinzip - Für eine neue Weiblichkeit" zu erwarten sein.

Einen Vorgeschmack erhielten die ARD-Verantwortlichen schon Ende April, als die Mai-Ausgabe von "Cicero" im Kiosk auflag. Darin: eine scharfe Abrechnung Hermans mit der Frauenbewegung. In ihrem Beitrag für die Zeitschrift, argumentierte die Karriere-Fernsehfrau, der Platz der Frau sei eigentlich zu Hause. Dass Frauen sich in den Führungsetagen kaum durchsetzen konnten, ist für sie kein Zustand, der zu verändern ist, sondern eine Bestätigung, dass die Talente der Frauen woanders liegen.

Für die Frauen, so beklagte Herman damals sei Fortpflanzung "Option, keine Selbstverständlichkeit". Sie seien geleitet von "Selbstgefälligkeit und Eitelkeit", "im dünkelhaften Glauben an unsere nahezu übernatürlichen Kräfte, in Selbstüberschätzung und unreflektierter Emanzipationsgläubigkeit".

Auf emanzipierter Seite hatte der Artikel natürlich einiges Echo hervorgerufen - was die konservative "Bild" nun zu der Frage veranlasste: "Kippten Feministinnen sie aus der 'Tagesschau'?" Wohl kaum. Obwohl das "Erste" nicht allzu betrübt über Hermans Entscheidung sein dürfte. Die Sprecherin wolle sich Ende August für ein bis zwei Jahre von ihrer Arbeit bei ARD-aktuell zurückziehen und sich verstärkt ihrer Tätigkeit als Autorin widmen, teilte der für die "Tagesschau" zuständige Norddeutsche Rundfunk (NDR) heute mit. Ihren "überraschenden Entschluss" habe sie mit einem Buch zum Thema Emanzipation begründet.

Hermann hat schon mehrere Bücher veröffentlicht, etwa "Vom Glück des Stillens" oder "Mein Kind schläft durch". Gemeinsam mit Bettina Tiedjen moderiert sie zudem die Talkshow "Herman & Tiedjen". Außerdem ist sie Moderatorin einer Quizshow im NDR.

dab

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