Schwarz-gelbe Sparpläne Berliner Stadtschloss wieder auf der Kippe?

Im Koalitionsvertrag hatten sich Union und FDP noch zum Neubau des Berliner Stadtschlosses bekannt - doch im Zuge der Spardebatte könnte das Prestigeprojekt wieder in Gefahr geraten. "Es gibt solche Überlegungen", raunt eine CDU-Haushälterin.

Modell des geplanten Humboldtforums im Neubau des Berliner Stadtschlosses
dpa

Modell des geplanten Humboldtforums im Neubau des Berliner Stadtschlosses


Berlin - Vor dem Hintergrund des Sparzwangs im Bundeshaushalt ist in Berlin die Debatte um den Bau des Stadtschlosses wieder entfacht worden. Die schwarz-gelbe Regierungskoalition erwägt, das Projekt auf Eis zu legen. "Es gibt solche Überlegungen", sagte am Mittwoch die Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Stefanie Vogelsang. Gründe seien auch die geringe Akzeptanz des Projekts in der Bevölkerung. Der Bundestag hatte sich 2002 mit überwältigender Mehrheit für den Neubau des Gebäudes ausgesprochen.

"Ich persönlich hoffe jedoch sehr, dass eine Mehrheit in den Regierungsfraktionen Union und FDP zum Beschluss des Bundestages steht", sagte Vogelsang, die selbst Mitglied des Haushaltsausschusses ist. Der Wiederaufbau des Stadtschlosses sei eine "Investition in die Zukunft" und wichtig für die Entwicklung der Hauptstadt. Es werde Touristen anziehen und die Baukonjunktur beleben. Der Bundestag wäre deshalb "gut beraten, nicht dem Populismus zu folgen", so Vogelsang.

Die Düsseldorfer "Rheinische Post" hatte berichtet, dass der ab 2011 geplante Wiederaufbau des historischen Gebäudes in der Koalition in Frage stehe. Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) äußerte sich dazu am Mittwoch nicht, sondern verwies auf die Zuständigkeit des Parlaments für den Schlossneubau.

Eine Sprecherin des Ministers sagte, "einen Bundestagsbeschluss kann nur der Bundestag ändern". Sie wisse nicht, ob das Thema Stadtschloss auf der Sparklausur der Bundesregierung am Sonntag und Montag zur Debatte stehe.

"Die Spender wollen was sehen"

Der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses, Uwe Lehmann-Brauns (CDU), warnte vor einer Verschiebung des Projekts. Es wäre ein "makaberer Vorgang, wenn die bürgerliche Bundesregierung ein Vorhaben, das 20 Jahre lang gegen ideologische Widerstände von Links erkämpft wurde, beiseite legt". Dagegen sagte Grünen-Landeschef Stefan Gelbhaar, die Berliner Grünen befürworteten ein Moratorium. Bei geänderten Grundlagen müsse der Beschluss überdacht werden.

Den bisherigen Planungen zufolge sollen die Bauarbeiten für das sogenannte Humboldt-Forum im Stadtschloss im kommenden Jahr beginnen und 2017 abgeschlossen sein. 552 Millionen Euro darf das Schloss kosten. Mit Spenden in Höhe von 80 Millionen Euro will der Förderverein Berliner Schloss die Rekonstruktion der Barockfassaden mitfinanzieren.

Laut Forsa-Umfrage im Auftrag der "Berliner Zeitung" sind 80 Prozent der Hauptstädter der Auffassung, dass angesichts der klammen Kassen von Bund und Ländern auf den geplanten Schlossneubau verzichtet werden sollte. Dabei ist das Vorhaben im Ost- und Westteil der Stadt gleichermaßen unbeliebt.

Optimistisch gibt sich indes der Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, Wilhelm von Boddien. "Ich bin nicht beunruhigt", sagte er. Genauso wie das neue BND-Gebäude in Berlin trotz Sparzwängen errichtet werde, werde auch das Schloss gebaut. "Der Zug ist längst auf der Schiene", sagte von Boddien. Bei ihm sind nach eigenen Angaben bisher 13 Millionen Spendengelder für die Schlossfassade eingegangen. Die Gesamtsumme von 80 Millionen Euro müsse erst bis 2018 zusammenkommen. Er sei davon überzeugt, dass die Bereitschaft, Geld für die barocken Fassaden zu spenden, in den kommenden Jahren steigen werde. Von Boddien fügte hinzu: "Die Spender wollen was sehen."

Claudia Pietsch und Christina Schultze, ddp

insgesamt 32 Beiträge
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adam68161 02.06.2010
1. Enorme Signalwirkung!
Es hat eine immense Wirkung für die Glaubwürdigkeit der Politiker,ob der Bau nun wegen der Krisensituation eben verschoben wird, oder ob man ihn "durchpeitscht". Im letzteren Fall wird jeder Dorfbürgermeister das gleiche tun und unser Verschuldungsgrad wird weiter zunehmen.
hameu 02.06.2010
2. Abriss des Palastes der Republik war ein Skandal!
Mit dem Abriss der Republik wurde ein Teil der deutschen Geschichte verdrängt. Wozu soll im 21. Jahrhundert ein Schhloss gebaut werden? Wir haben keinen König und keinen Kaiser und die kommende Bundespräsidentin hat bereits ihr Schloss. Das Geld sollte besser in Bildung investiert werden.
janne2109 02.06.2010
3. Foren durchsuchen Zeige Themen Zeige Beiträge Erweiterte Suche Nützliche Links Heu
Zitat von hameuMit dem Abriss der Republik wurde ein Teil der deutschen Geschichte verdrängt. Wozu soll im 21. Jahrhundert ein Schhloss gebaut werden? Wir haben keinen König und keinen Kaiser und die kommende Bundespräsidentin hat bereits ihr Schloss. Das Geld sollte besser in Bildung investiert werden.
Ein Teil der "Ostdeutschen" Geschichte, dem stimme ich zu wenn er auch nicht so scheen war. Und einer Verschiebung des Baus des Stadtschlosses stimme ich sofort zu. Im Moment brennt die Kasse und da brauche ich als Berliner kein Stadtschloss. Wer das braucht, hat noch soviel Geld in der eigenen Börse.
steffets, 02.06.2010
4. Verschieben?
Warum wird das blödsinnige Schloss nicht einfach fallen gelassen? Wer braucht das, wozu diese Rückwärtsgewandtheit? Entweder man macht da einen richtigen Park, oder lässt privat was Modernes hinstellen. Für diese Lage dürfte sich ja wohl jemand finden, der was Vernünftiges bauen will - muss ja nicht unbedingt rosa sein. Museen haben wir doch schon genug.
black wolf, 02.06.2010
5. .
Ein Einfrieren des Bauvorhabens ist die einzig richtige Entscheidung. Man kann nicht bei 17% der Berliner das Existenzminimum kürzen wollen und dafür Schlösser bauen. Das letzte Mal, als die Politik so etwas für akzeptabel hielt, wurde kurze Zeit später die Guillotine erfunden.
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