Schweizer Gemäldesammlung Größter Kunstraub in der Geschichte Europas

Kunst oder Leben - der spektakuläre Bilderraub in Zürich war ein brutaler Raubüberfall: Die Täter drohten mit Handfeuerwaffen und erbeuteten Meisterwerke im Wert von 113 Millionen Euro.


Zürich - Neue Details zum Gemälderaub in Zürich, der als größter jemals in Europa verübter Kunstraub in die Geschichte eingehen wird: Drei maskierte Männer sind nach Angaben der Polizei am Sonntagnachmittag in ein Zürcher Museum eingedrungen, in dem die Sammlung E. G. Bührle ausgestellt ist. Mit vorgehaltenen Schusswaffen hätten sie das Personal gezwungen, sich auf den Boden zu legen. Zwei Täter begaben sich dann in einen Ausstellungssaal im Erdgeschoss und entwendeten die Gemälde. Danach flüchteten die Täter mit einem weißen Fahrzeug.

Insgesamt seien nicht - wie ursprünglich berichtet - acht, sondern bloß vier Bilder gestohlen worden. Diese sind aber ungemein wertvoller als bisher angenommen. Ging man zuerst davon aus, dass die Täter Kunst im Wert von rund 66 Millionen Euro geklaut hätten, wurde die Summe nun von der Polizei auf 113 Millionen Euro taxiert - nach Einschätzung der Zürcher Polizei der größte Kunstraub in der Geschichte Europas.

Gestohlen wurden die Gemälde "Mohnfeld bei Vétheuil" (Claude Monet), "Ludovic Lepic und seine Töchter" (Edgar Degas), "Blühende Kastanienzweige" (Vincent van Gogh) und "Der Knabe mit der roten Weste" (Paul Cézanne) - vier absolute Hochkaräter.

Das 1960 gegründete Museum versammelt mehr als 200 Gemälde und Skulpturen. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt unter anderem auf Werken aus der Zeit des französischen Impressionismus und des Post-Impressionismus. Zusammengetragen wurde die umfangreiche Sammlung von dem in Deutschland geborenen Industriellen Emil Georg Bührle (1890-1956). Das Museum befindet sich in Zürich in einer neben dem ehemaligen Wohnhaus Bührles liegenden Villa aus dem Jahr 1886.

Für Hinweise zur Ergreifung der Kunsträuber wurde eine Belohnung von 100.000 Franken (62.500 Euro) ausgesetzt.

Erst am Donnerstag waren in Pfäffikon südlich von Zürich zwei Gemälde von Pablo Picasso gestohlen worden. Der Wert der Bilder, die dem Sprengel Museum in Hannover gehören, soll sich auf mehr als drei Millionen Euro belaufen. Von Tätern und Bildern fehlt jede Spur. Aufgrund des Zürcher Kunstraubes  wurde heute bekannt, dass die Schau aus Sicherheitsgründen geschlossen wird. Es bestehe "Gefahr für Leib und Leben", sagte der Direktor des Sprengel Museums Hannover, Ulrich Krempel.

cc/AFP/dpa/AP



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