Scientology-Anhänger Travolta Bei "Wetten, dass ...?" nicht willkommen

Immer wieder betont Thomas Gottschalk, "Wetten, dass ...?" sei eine Familiensendung, in der ernste Themen nichts zu suchen haben. Aber Scientology-Anhänger auch nicht, findet Ministerpräsident Günther Oettinger und forderte das ZDF indirekt auf, John Travolta wieder auszuladen.


Stuttgart - Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger verwies darauf, dass erst am 16. März eine Scientology-Zentrale in Freiburg eröffnet wurde: "Viele Menschen und insbesondere Eltern sind zu Recht besorgt. In dieser Situation appelliere ich an die Fernsehgremien, noch einmal zu überlegen, welcher Organisation sie hier ein Forum vor einem Millionenpublikum bieten". Die Sendung "Wetten, dass ...?" wird am 31. März live aus Freiburg gesendet, US-Schauspieler und bekennendes Scientology-Mitglied John Travolta wird als Gast auf Gottschalks Couch erwartet.

Hollywood-Star und Scientology-Anhänger Travolta: Darf er bei Gottschalk auf die Couch?
DPA

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Oettinger betonte, "die Verteidigung unserer Grundwerte und der Menschenwürde fängt mit informierter Aufmerksamkeit an. Diese erwarte ich auch von den Programmverantwortlichen im Unterhaltungsbereich - gerade im öffentlich-rechtlichen Fernsehen".

Laut Aussagen des ZDF sei mit Travoltas Management vereinbart worden, dass man nicht über Scientology sprechen werde. Programmdirektor Thomas Bellut sagte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", eine Ausladung wäre ein größerer Schaden.

Obwohl weiterhin an der Einladung festgehalten wird, hatte das ZDF angekündigt, besonders genau auf die Lage in Freiburg zu achten. "Weder Thomas Gottschalk noch die Redaktion haben ein Interesse daran, dass eine Unterhaltungssendung durch ein so ernstes Thema wie Scientology in Mitleidenschaft gezogen wird", sagte Bellut der "FAZ".

Laut Oettinger handelt es sich bei Scientology um eine "weltweit agierende Gruppierung, die auf Grund ihrer Methoden und der totalitär angelegten Ideologie in Baden-Württemberg vom Verfassungsschutz beobachtet wird".

In den USA ist Scientology als Religionsgemeinschaft anerkannt, die Zahl der Anhänger in der Bundesrepublik wird vom Verfassungsschutz auf 6000 geschätzt. Angaben des Bundesfamilienministeriums zufolge führt die Scientology-Lehre "häufig zu psychischer und finanzieller Abhängigkeit".

hae/dpa



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