Britischer Medienskandal: Scotland Yard nimmt zwei Journalisten fest

Neue Verhaftungen im britischen Medienskandal: Nach dem eingestellten Boulevardblatt "News of the World" geraten jetzt erneut auch Konkurrenzmedien ins Visier der Ermittler. Scotland Yard hat zwei Journalisten festgenommen, weil sie Polizisten bestochen haben sollen.

Bestechung in den britischen Medien: Korruptionsverdacht im Königreich Fotos
DPA

London - Die Beamten kamen am frühen Morgen: Britische Polizisten haben im Rahmen der Ermittlungen nach dem Abhörskandal um das eingestellte Boulevardblatt "News of the World" zwei Journalisten festgenommen. Scotland Yard zufolge seien ein 37- und ein 34-Jähriger um sechs Uhr am Mittwochmorgen in ihren Wohnungen in Kent und Südost-London verhaftet und zur Befragung ins Polizeirevier gebracht worden.

Die Männer stünden im Verdacht, einen Beamten bestochen zu haben. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge arbeitete einer der festgenommenen Journalisten bei der Zeitung "Sunday Mirror", die zur Mediengruppe Trinity Mirror gehört, der andere beim Boulevardblatt "Daily Star Sunday" von Verleger Richard Desmond.

Bislang gab es rund 40 Festnahmen wegen des Verdachts auf Korruption. Die Ermittlungen im britischen Medienskandal weiten sich aus, seit Reporter der eingestellten "News of the World", die zum Imperium von Rupert Murdoch zählte, wegen mutmaßlicher Bestechung im vergangenen Jahr ins Visier von Scotland Yard gerieten. Das Boulevardblatt wurde daraufhin im Sommer 2011 eingestellt.

Eine Schlüsselfigur im Abhörskandal im Medienhaus Murdoch ist die frühere "Sun"-Chefredakteurin Rebekah Brooks. Die Journalistin und ihr Ehemann sind Mitte Juni erstmals vor Gericht erschienen. Den Angeklagten wird unter anderem der Versuch vorgeworfen, Archivmaterial und Computerdaten verschwinden zu lassen. Ihnen drohen Haftstrafen von mehreren Jahren.

Die Affäre belastet auch den britischen Premier David Cameron, weil sein früherer Pressechef Andy Coulson verdächtigt wird, in seiner Zeit als Chefredakteur bei der eingestellten Boulevardzeitung "News of the World" in den Skandal verstrickt gewesen zu sein. Journalisten des Blatts sollen damals Telefone von Prominenten, Politikern und Ermittlern abgehört und Polizisten bestochen haben. Coulson wurde deshalb Ende Mai vorübergehend festgenommen und angeklagt.

Im Verfahren um den Skandal bei den Murdoch-Blättern wurde unter anderem auch Filmstar Hugh Grant in den Zeugenstand gerufen. Grant wurde nach eigenen Angaben selbst Opfer des Lauschangriffs - und schlug später mit einer ähnlichen Methode zurück: Er zeichnete ein Gespräch mit einem früheren "News of the World"-Reporter auf, in dem der Mann die Hacking-Methoden zugab. Grant zog in seinem Kreuzzug gegen die Boulevardblätter zuletzt bis nach Brüssel. Der 51-jährige Schauspieler setzt sich bei der Europäischen Union (EU) für ein Gesetz ein, das die Macht der Medien regulieren soll.

bos/dapd/Reuters

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