Heikle Besprechung: Scotland Yard fordert Herausgabe von Murdoch-Mitschnitt

In internen Besprechungen hat Rupert Murdoch den Abhörskandal in seinem Medienimperium heruntergespielt - und wurde dabei selbst mitgeschnitten. Die britische Kriminalpolizei interessiert sich brennend für die Aufnahme und will die Herausgabe notfalls erzwingen.

London - Nun interessiert sich auch die britische Kriminalpolizei für die Ansichten Rupert Murdochs über den Abhörskandal in seinem Medienkonzern. Scotland Yard hat die investigative Internetplattform Exaro offiziell um die Herausgabe des Mitschnitts einer internen Besprechung mit Journalisten der Murdoch-Boulevardzeitung "Sun" in London gebeten, berichtet der "Guardian".

Am Mittwochabend hatte Exaro über Aufnahmen berichtet, die ein Mitarbeiter heimlich mitgeschnitten hatte. Zudem hatte der britische Sender Channel 4 parallel Ausschnitte der Aufnahme gesendet. Darin spielt Murdoch den Abhörskandal um seine Boulevardtitel "The Sun" und "News of the World" herunter und sagt unter anderem, die Bestechung von Polizisten im Tausch gegen Informationen sei nichts Besonderes - sondern seit hundert Jahren gängige Praxis im britischen Zeitungssystem.

Der Abhörskandal um Murdochs Medienkonzern News International dauert bereits seit Ende 2011 an. Damals war enthüllt worden, dass bei Murdochs Boulevardblättern jahrelang Prominente und Angehörige von Verbrechensopfern abgehört worden waren. Später wurde zudem bekannt, dass Murdoch-Journalisten Sicherheitsbeamte im Tausch gegen Informationen schmierten. Mehrere hochrangige Mitarbeiter von News International sind verhaftet worden, die traditionsreiche Postille "News of the World" stellte Murdoch auf dem Höhepunkt des Skandals sogar ein. Offiziell gab sich der 82-Jährige bisland stets reumütig und weitgehend ahnungslos.

"Wir verraten keine vertraulichen Informanten"

Scotland Yard hat nun Exaro dem "Guardian"-Bericht zufolge auch damit gedroht, die Herausgabe des Mitschnitts per Verfügung zu erzwingen, falls die Internetplattform sie nicht freiwillig herausrücke. Auch Channel 4 sei bereits von der Kriminalpolizei kontaktiert worden.

Exaro-Chef Mark Watts erteilte Scotland Yard eine deutliche Abfuhr. "Eins ist sicher: Anders als News International werden wir unter keinen Umständen vertrauliche Informanten verraten." Man habe alles öffentlich gemacht, was man besitze. Scotland Yard zudem habe nicht erklärt, weshalb genau sie die Mitschnitte haben wollten.

Dabei finden sich auf der Aufnahme einige Äußerungen, die für Murdoch unangenehm werden könnten. So sicherte etwa den bei der Besprechung versammelten Mitarbeitern - darunter offenbar einige, die wegen Beamtenbestechung verhaftet worden waren - zu, sie bei rechtlichen Auseinandersetzungen voll zu unterstützen, ausdrücklich auch, falls sie zu Gefängnisstrafen verurteilt würden.

fdi

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1. Rupert Murdoch spielt mit seinem Bumerang
rolandjulius 06.07.2013
Der alte Fuchs sollte irgend wann im Leben gelernt haben, wann seine Landsleute dieses Wurfgerät ver- wenden.Sein Bumerang hat nicht getroffen,ha, ha, nun muss er aber schnell den Dingis entkommen.
2. Medienmogul Murdoch
ihawk 06.07.2013
Medienmogul Murdoch hat ein Imperium aufgebaut das weltweit tiefgreifenden politischen Einfluss hat - ein Gebilde das es eigentlich nicht geben dürfte, da es über den Regierungen steht und damit die Demokratie aushebelt. Die wohl extremste seiner "Investitionen" dürfte sei Fox Imperium sein, zu dem der TV Kanal FoxNews gehört. FoxNews ist ein in Deutschland unvorstellbarer TV Kanal - mit der offensichtlichen Aufgabe die Amerikaner politisch zu verblöden. Man muss das gesehen haben, um glauben zu können welch subtile Strategie - und damit staatsgefährdende Macht Rupert Murdoch in den USA verfolgt. Nun scheint es an die Demontage des Medienmoguls Murdoch zu gehen der seinen Erfolg darauf aufbaut, Menschen mit falschen Informationen auf den Niveau tiefster Schublade zu "versorgen".
3. So lange es zum guten Ton gehört abzuhören
MeineMeinungist... 06.07.2013
und mit Sicherheit vor terroristischen Angriffen begründet wird, d. h. also dadurch salonfähig ist, so lange müssen wir uns nicht wundern, dass Abhören auch im privaten Bereich stattfindet. Es muss ein Nachdenken in der Politik geben und solche Aktionen mit Höchststrafen belegt werden. Dazu gehört aber auch, dass staatliche Institutionen zuerst in ihren eigenen Reihen dafür sorgen müssen, dass Spionage auf ein Mindestmaß reduziert und einer unabhängigen Kontrolle unterworfen wird. Ich kann die Begründungen alle nicht mehr hören, die da lauten, es wurde schon immer spioniert, der Schwerpunkt liegt in der Terorrismusbekämpfung, ich habe nichts zu verbergen, Schuld haben die Menschen selbst, weil sie bei facebook, google oder anderen Anbietern angemeldet sind, dass ist doch klar, dass wr abgehört werden, das habe ich schon immer gewußt. Oder wenn die Amerikaner jetzt sagen, sie könnten die Aufregung in Europa gar nicht verstehen, Spionage dient nur unserer Sicherheit. Das sind in meinen Augen fast alles dämliche Begründungen, weil sie den Kern der Ausspionierungen überhaupt nicht widerspiegeln. In Deutschland und in der EU wurden nicht nur politische Organisationen durch Wanzen abgehört und in großem Stil Industriespionage betrieben, was ganz klar eine Straftat im jeweiligen Heimatland ist, sondern auch millionenfaches ausspionieren von sogenannten Freunden. Wenn dann noch in GB weitere bekannte Straftaten durch Bestechungen ermittelt wurden frage ich mich, warum die Täter nicht angeklagt werden? Vermutlich herrscht soviel Angst bei den Geheimdiensten und Politikern, dass bei einer Anklage das wahre Ausmaß dieser Untaten ans Licht kommen wird. Ich möchte gerne wissen, was unsere Politiker wissen oder gewußt haben. Vielleicht können der Altkanzler Schröder und sein damaliger Kanzleramtsminister Steinmeier sowie Merkel und Profalla sich mal dazu öffentlich äußern? hbommy
4. Nebenprodukt
nonymus2013 06.07.2013
Zitat von ihawkMedienmogul Murdoch hat ein Imperium aufgebaut das weltweit tiefgreifenden politischen Einfluss hat - ein Gebilde das es eigentlich nicht geben dürfte, da es über den Regierungen steht und damit die Demokratie aushebelt. Die wohl extremste seiner "Investitionen" dürfte sei Fox Imperium sein, zu dem der TV Kanal FoxNews gehört. FoxNews ist ein in Deutschland unvorstellbarer TV Kanal - mit der offensichtlichen Aufgabe die Amerikaner politisch zu verblöden. Man muss das gesehen haben, um glauben zu können welch subtile Strategie - und damit staatsgefährdende Macht Rupert Murdoch in den USA verfolgt. Nun scheint es an die Demontage des Medienmoguls Murdoch zu gehen der seinen Erfolg darauf aufbaut, Menschen mit falschen Informationen auf den Niveau tiefster Schublade zu "versorgen".
Der datenskandal reicht ja wohl weiter als bis zu Murdochs Schmierereien, die im übrigen stets ihre Käufer gefunden haben. Das Problem darf auch gerne in Deutschland bleiben, finde ich. Auffällig ist zB die sonst so äußerst zurückhaltende Bild-Zeitung, die ausgerechnet zur Datenaffaire wenig zu sagen haben will. Die Verblödung ist längst Teil des Systems.
5. yoooh
geotie 06.07.2013
Abgesehen vom Abhörskandalen, der Mann weiß wie man zu Geld kommt, aber wie man ein Superleben davon berstreiten kann ohne die Prozesse, Anhörungen und tägliche Arbeit, davon hat der keine Ahnung. Dabei könnte dieser Mann sich wirklich genüßlich auf die faule Haut legen und das tun, wovon jeder von uns träumt. Aber es ist sein Leben, - und ich möcht nicht mit ihm tauschen.
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