CDU-naher Medienunternehmer Sebastian Turner wird Herausgeber des "Tagesspiegels"

Als CDU-Kandidat verlor er die einstige Unions-Hochburg Stuttgart an die Grünen - jetzt übernimmt Sebastian Turner ein einflussreiches publizistisches Amt in Berlin: An der Seite von Giovanni di Lorenzo wird der Werber Herausgeber des Berliner "Tagesspiegels".

Sebastian Turner : Neuer "Tagesspiegel"-Herausgeber
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Sebastian Turner: Neuer "Tagesspiegel"-Herausgeber


Berlin - "Wir können alles. Außer Hochdeutsch": Mit diesem selbstironischen Slogan für das Bundesland Baden-Württemberg schuf sich der Werber und Medienunternehmer Sebastian Turner zumindest branchenintern ein Denkmal. 2012 wechselte er in die Politik. Als parteiloser Kandidat wollte er sich auf CDU-Ticket zum Stuttgarter Oberbürgermeister wählen lassen, verlor die einstige Unions-Hochburg aber an die Grünen. Ein Jahr später steuert er nun ein neuen Posten an - in der Medienbranche: Der 47-Jährige wird Herausgeber des Berliner "Tagesspiegels", wie die Zeitung mitteilte.

Zudem übernimmt Turner von "Tagesspiegel"-Verleger Dieter von Holtzbrinck eine Beteiligung an der Zeitung, heißt es in der Mitteilung weiter. Zum Jahreswechsel erwerbe Turner 20 Prozent der Gesellschaftsanteile an der "Tagesspiegel"-Gruppe.

Die bisherigen Mitherausgeber Gerd Appenzeller, Pierre Gerckens und Hermann Rudolph scheiden altersbedingt zum Ende des Jahres aus dem Gremium aus. "Zeit"-Chef Giovanni di Lorenzo bleibt dem Blatt als Herausgeber erhalten.

Interessant zu beobachten dürfte sein, wie sich der als aufgeklärt-bürgerlich geltende "Tagesspiegel" unter Turner entwickelt - besonders im Hinblick auf die Berliner Innenpolitik, in der die Union sich zuletzt schwer tat, eine Identifikationsfigur für das erstarkende wertkonservative Milieu der Stadt zu finden.

Turner kann bereits auf eine erfolgreiche Karriere als Medienunternehmer verweisen: Er gründete Verlage, Kommunikationsagenturen und Internetunternehmen und ist Aufsichtsrat in der Holtzbrinck-Zeitungsgruppe, die ihm nun die Beteiligung einräumte.

vks



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fs123 12.12.2013
1. Und in Stuttgart ...
.. ist er bei der Bürgermeisterkandidatur gegen die Wand gefahren. Trotz immenser Wahlkampf-Aufwendungen für Riesenplakate usw. Trotz Intervention von Merkel während seines Wahlkampfs, und wegen Unglaubwürdigkeit und unahltbaren Positionen. Unaufrichtigkeit ist sozusagen sein Markenzeichen. Ganz schlechtes Zeichen, wenn sich so einer bei einer Zeitung einkauft.
rainer_daeschler 12.12.2013
2. Stuttgart
Stuttgart an die die Grünen verloren hatte die CDU bereits bei den Gemeinderatswahlen. Die Grünen stellen die größte Gemeinderatsfraktion, aber nicht die Mehrheit. Sebastian Turner unterlag bei der OB-Wahl dem grünen Kandidaten Fritz Kuhn, trotz beispiellosen Prominenten-Aufgebots und medialen Feuerwerks. Schwer tat sich Turner danach mit der Niederlage und präsentierte abenteuerliche Berechnungen, um den Wahlausgang als Erfolg der Stuttgarter CDU darzustellen.
philemajo 12.12.2013
3. Noch n Schwabe in der Hauptstadt...
Heilig's Blechle! Wolfgang Thierse wird ihm sicher n Kiste Tannenzäpfle zur Begrüßung hinstellen ;-)
xxbigj 12.12.2013
4. optional
Ist doch nichts neues das die CDU einfluss auf die Medien nimmt siehe ZDF. Herr Blome vom Spiegel ist auch ein CDU Mann. Aber die Medien sind ja links^^wär so ein unsinn behauptet sieht einfach nur das was er sehen will und nicht die Tatsachen. Schlimm wenn in Deutschland die Medien von der CDU kontrolliert werden. Dann muss man sich auch nicht wundern das so eine schlechte Kanzlerin wie Frau Merkel mit Samthandschuhen vom ZDF angefasst wird. Anstatt ihr mal kritische Fragen zu stellen die sie nicht einfach weglächeln kann.
doenzdorf 12.12.2013
5. Erwähnenswert wäre auch:
Dass Turner der Initiator der ominösen, dem Bürger weitestgehend unbekannten, "Initiative neue soziale Marktwirtschaft", kurz "INSM" ist. Mit Geldern von Tabak, -Rüstung, -Atom, -Gentechnikfirmen die nicht in offiziellen Parteispendenberichten auftauchen sollen wird hier verdeckt konservative Meinungsbildung im Heckenschützenstil betrieben. So werden Medien auf z.B. kritische Berichterstattung überwacht und über eventuelle Konsequenzen am Werbemarkt informiert. Auch werden Sender, um Geld zu sparen, mit fertigem Sendematerial beliefert. In Erinnerung dürfte die unerträgliche "Schlusslichtdebatte" mit den Filmchen der Jammerarien von Unternehmern die den Weltuntergang in der Schröder-Ära in Moll besangen.
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