Drogenkrieg in Mexiko Kriminelle töten Dutzende Journalisten

Drogenkrieg und Korruption bedrohen die Pressefreiheit in Mexiko. Seit 2006 sind laut der mexikanischen Justiz 67 Journalisten ermordet worden. Kriminelle töten offenbar immer wieder Medienvertreter, um Berichterstattung zu verhindern.

Explosion in Nuevo Laredo im Juni 2012: Mexiko leidet unter der Drogenkriminalität
REUTERS

Explosion in Nuevo Laredo im Juni 2012: Mexiko leidet unter der Drogenkriminalität


Hamburg/Mexico City - Es ist eine erschütternde Bilanz. Seit 2006 sind in Mexiko 67 Journalisten getötet worden und 14 weitere verschwunden. Das sagte die für Verbrechen gegen die Redefreiheit zuständige Staatsanwältin Laura Angelina Borbolla am Dienstag Ortszeit bei einer Anhörung im mexikanischen Kongress.

Keiner der Fälle sei bislang gelöst worden, heißt es in der mexikanischen Tageszeitung "El Universal". Borbolla und ihre Kollegen haben bislang 74 Verdächtige im Zusammenhang mit Ermordungen von Reportern identifiziert, sagte die Staatsanwältin dem Blatt zufolge. Bislang sei allerdings niemand festgenommen oder verurteilt worden.

Mexiko gilt als eines der gefährlichsten Länder für Reporter. Nach Angaben des in New York ansässigen Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) seien dafür insbesondere der Drogenkrieg und die damit in Verbindung stehende Korruption verantwortlich. Kriminelle töteten demnach immer wieder Medienvertreter, um den Informationsfluss zu kontrollieren: Vermutlich geht es meist darum, unliebsame Berichterstattung zu verhindern. Laut CPJ-Jahresbericht sind im Jahr 2011 weltweit 43 Journalisten im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden, davon sieben in Pakistan als Land mit der höchsten Anzahl von Morden in dieser traurigen Statistik, danach folgen Libyen und Irak mit jeweils fünf und Mexiko mit drei Todesfällen im vergangenen Jahr.

bos/dapd

insgesamt 7 Beiträge
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eulenspiegel_neu 18.07.2012
1. Kriminelle töten Dutzende Journalisten
Es macht einen wütend, wenn man zusehen muss, wie ein Land unter die Klauen von Drogenbaronen gerät und das normale Bürgertum anscheinend nicht gegen diese krimminellen unternehmen kann oder will. Wohin soll das alles noch führen? Was können die Staaten der Welt unternehmen, um den anständigen Bürgern zu helfen? Es stellt sich im Grunde eine Ratlosigkeit ein ,,,
sprechweise 18.07.2012
2. optional
Eine wie auch immer geartete Beteiligung der Behörden an den Morden ist eher wahrscheinlich
hanfiey 18.07.2012
3. Krieg verloren
Der "War on Drugs" ist verloren, die Verbote gescheitert. Um Menschenleben zu retten müssen wir umdenken, nicht nur bei uns und den anderen "Kosumentenländern" sondern Weltweit. Die meisten auf diesem Planeten wollen was zu Essen und keine Drogen, haben aber anders keine Chance an Geld für Nahrung zu gelangen.
Persiflist 18.07.2012
4.
Zitat von sprechweiseEine wie auch immer geartete Beteiligung der Behörden an den Morden ist eher wahrscheinlich
"Mit ruhiger Stimme erklärt er, wie er bereits als Schuljunge vom Drogenkartell rekrutiert und zur Polizeischule geschickt wurde, um später, wie rund ein Viertel aller Polizisten in Juárez, der heute gewalttätigsten Stadt der Welt, für das Kartell zu arbeiten. Ihre Verbindungen reichen bis zu den Gouverneuren der mexikanischen Bundesstaaten und der amerikanischen Polizei." (Der Auftragskiller - Zimmer 164 (http://videos.arte.tv/de/videos/der_auftragskiller_zimmer_164-6800982.html)) ...oder auf Youtube (http://www.youtube.com/watch?v=_g-lcoiy5dE). Das wird aber extrem brutal, wenn er beschreibt, wie man einem Opfer eine brennende Decke über den nackten Rücken legt um sie dann plötzlich abzureißen, so daß die obersten drei Schichten Haut mit abgerissen werden. Oder wenn er schildert, dass er ungern Frauen erwürgt hat, weil man zusehen muss, wie so langsam das Leben aus ihnen entweicht. Dass Erschießen eindeutig besser wäre. Dass es Häuser gäbe, wo nicht ein oder zwei Leichen verscharrt werden würden, sondern gleich 400 oder mehr. Häuser, von denen nicht nur die judukative Gewalt, sondern auch Gouverneure und das Innenministerium wüssten. (Ab Zeitindex 3:46 (http://www.youtube.com/watch?v=ZropVoSS5rs&feature=relmfu))
Pelao 19.07.2012
5. So ...
Jetzt erwischt es also auch die Journalisten ... Es sind also nun auch Dutzende dieser Berufsgruppe die sich in die Menge der 50000 Toten einreihen. Die Bereitschaft hier in Mexiko sich über diese Phänomen aufzuregen halte ich für eher gering. Erstens steigt irgendwann die Abstumpfung gegenüber solchen "Horror-Meldungen". Zum anderen ist man als Opfer sowieso allein. Als Entführungsopfer da man weder die Polizei noch die Medien einschalten kann. Die Spitzel lauern überall. ... Als Opfer der sogenannten Pressefreiheit ebenso, da in Mexiko das Motto gilt: Der Angeklagte gilt als schuldig, bis er den Beweis seiner Unschuld selbst erbracht hat. Und viel zu schnell liest man in Mexiko seinen Namen samt Telephonnummer und Adresse in der Presse und ist gebrandmarkt. ... Als Berufsgruppe rangieren die Journalisten irgendwo hinter Polizisten, Narcos (das sind die organisierten Kriminellen), Anwälten und Politikern. ... Der neu gewählte Präsident (Peña Nieto) verdankt seine Macht einer gelenkten Presse, die seine Partei zum Wahlsieg gejubelt hat. Und er verdankt seine Macht dem Glauben, daß seine Partei, die die Drogenbarone jahrzehntelang gedeckt hat, auf diese Weise auch jetzt wieder Ruhe im Land herstellen kann. ... Hierbei wird die Presse wieder eine herausragende Rolle spielen. ... So reihen sich also die ermordeten Journalisten in die lange Reihe der Nachbarn, Freunde und Bekannten, der Familenmütter und -väter, der Kinder die für die möglichen Handlungen ihrer Eltern haften und der unzähligen anonymen Opfer. ... Wenn die internationale Presse diesem Wahnsinn wirklich begegnen will, dann sollte sie etwas mehr tun als ab und zu reißerische Schlagzeilen zu verbreiten, die sich nur an der Anzahl der Opfer orientieren. ... Differenzierte Berichterstattungen, eine WikiNarcoOpfer vielleicht, warum auch nicht Punkte in GoogleEarth, die auf Verbrechen hinweisen ... man kann auch vieles von außerhalb Mexikos tun, man muß es nur richtig wollen. ... p.s. Ich schreibe aus Mexiko und die Zahl meiner Bekannten oder deren Familienangehörigen die durch diesen Wahnsinn getötet und/oder verschwunden wurden läßt sich nicht mehr an den Fingern beider Hände abzählen. ... p.p.s. Ich gehen davon aus, daß dieser Beitrag nicht veröffentlicht wird, Journalistenschelte in einer Zeitschrift und als Kommentar, das ist zuviel der Meinungsfreiheit ... auch in Deutschland.
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