Bademützen : Glücklich sind die Verkappten

Von Anne Haeming

Wirklich lästig, so eine Badekappe. Wie man sie dreht und wendet: Man sieht dämlich damit aus. Von wegen! Es gibt Klassiker unter den Sommerprodukten, die von Designern noch mal neu erfunden werden. Das Kopfkondom gehört dazu - in einer Version für langhaarige Schwimmer.

Neue Bademützen: Alles unter eine Kappe
Fotos
Pension für Produkte

Während Olympia hatte man ja jede Menge Gelegenheiten, sich die Dinger anzuschauen. Beim Schwimmen natürlich, Badekappen mit Glitter beim Synchronschwimmen und die wirklich aller-aller-schlimmsten beim Wasserball.

Doch wie man die Kappe auch dreht und wendet: Sie ist wie sie ist, fertig designt, wie andere Klassiker auch, seien es Sonnenbrillen, Zelte oder Sonnenschirmständer. Egal von welchem Hersteller, ob aus Latex oder Lycra, man fühlt sich immer ein bisschen wie Woody Allen im weißen Sperma-Catsuit im Film "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten ...". Jepp, nicht wirklich das beste Sommerfeeling auf dem Weg von der Umkleidekabine zum Wasser.

Papperlapapp! Dass das nicht sein muss, zeigen wir in einer kleinen Serie und stellen fünf generalüberholte Sommerprodukte vor. Es gibt Designer, die wirklich überraschende Ideen hatten, um diese Dinge neu zu erfinden. So überraschend, dass sie dafür sogar jede Menge Auszeichnungen bekommen haben.

Moment, Sie denken: Badekappe, was kann man an dem Stück schon ändern? Diese Frage trieb auch die italienische Produktdesignerin Monica Alegiano um. Jahrelang. "Ich zog meine Bahnen im Schwimmbad, auf und ab, mit einem einzigen Gedanken: Ich muss ein Konzept für eine neue, praktische Badekappe finden."

Das tat sie. Und zwar aus ihrer Perspektive als Frau mit langen Haaren:

Das Nervigste an Badekappen

Man sieht bescheuert aus. Man fühlt sich hässlich. Nicht die ideale Voraussetzung für eine körperbewusste Szenerie wie das Freibad oder der Hotelpool. Und für alle Schwimmer mit langen Haaren kommt noch dazu: Es dauert ewig, bis man mit Haarnadeln und Haargummis die Mähne so zusammengezurrt hat, dass sie unter die enge Hülle passt. "In Umkleidekabinen kommt es regelmäßig zu bizarren Szenen, wenn eine oder mehrere Frauen mit Gewalt einer anderen eine Bademütze überzuziehen versuchen." Sie fand: "Genug für einen Designer, um zu merken, dass das Prinzip einfach überdacht werden muss."

Und das steckt unter der Haube

Die "Smart Cap" ist eine Kombination aus Stirnband und Badekappe: Mit dem Stirnband um den Kopf geht man zum Beckenrand - und kurz bevor die Schwimmer einen Köpfer ins Wasser machen, ziehen sie dann die Kappe über, die versteckt hintendran hängt.

Wie ist sie darauf gekommen?

Als Monica Alegiani recherchierte, stellte sie fest: Der Prototyp "Badekappe" hatte sich nie geändert. Sie verglich Kopfbedeckungen unterschiedlicher Kulturen und Ären und wie sie angelegt werden, Bandanas, Turbane, Outdoor-Mützen-Stirnbänder. Und kam dann darauf, Turban und Stirnband zu verbinden: Zwei Kopfbedeckungen in einem Modell, eine für den Weg auf dem Trockenen, eine für die Zeit im Wasser, mit genug Raum für viel Haar. Als Modell musste die Kollegin mit dem voluminösesten Lockenkopf herhalten. Am lustigsten, erzählt Alegiani, fand sie die Testphase: Morgens nähten sie die Prototypen, in der Mittagspause hüpfte sie damit ins Schwimmbad, um sie auszuprobieren.

Schön und gut, aber taugt das Ding für den Sommer?

Um genau zu sein: Menschen mit langen Haaren, die ihren Urlaub in Ländern wie Italien oder Frankreich verbringen, wo Badekappenpflicht herrscht, sind vielleicht eitel genug, 18 Euro auszugeben. Für den Weg zum Pool. Oder sie fahren einfach woanders hin. Dass diese Mütze eine neuartige Alternative ist, befand eine einschlägige Designjury und versah Arenas "Smart Cap" mit dem "Red Dot Award" 2012.

Gab's noch nie eine ähnliche Lösung?

Badekappen, egal ob von Adidas, Puma, Speedo oder Diana, unterscheiden sich bislang vor allem in der Materialmischung. Und der Farbe. Monica Alegiani machte das auch nachdenklich: "Das bedeutete entweder, meine Mission ist unmöglich", vermutete sie anfangs, "oder aber Designer haben bislang das Potential eines Updates unterschätzt. Und halten Badekappen sowieso für komplett antiquiert." Apropos, in den fünfziger Jahren gab es doch eine Innovation: Badekappen mit falschem Pony vorne dran, vorgestellt bei einer Modenschau. Die Idee hat sich offenbar nicht durchgesetzt.

Können die Dinger wirklich nicht gut aussehen?

Okay, es gibt Menschen, die diese Kopfkondome tragen können und nichts an Grazie einbüßen. De facto zwei: Marilyn Monroe im Thriller "Niagara" und Keira Knightley in der Verfilmung des Beststellers "Abbitte".

Deren Look inspirierte offenbar die Modewelt, so dass auch Designer tatsächlich eigene Bademützen entworfen haben, beispielsweise der lässige Marc Jacobs in Knallfarben, Victoria Beckham oder Prada. Aber die Models hüpfen damit ja auch nicht ins Wasser.

Das wussten Sie noch nicht

Wenn Profischwimmer mal zwei Badekappen übereinander anziehen, dann nicht, um sich zusätzlich abzudichten, sondern um das Schwimmbrillen-Gummi am Kopf unverrutschbar zu machen: Badekappe, Schwimmbrille, Badekappe. Und gut, Sie haben es vielleicht geahnt, aber hier haben Sie's schriftlich: Keine Badekappe der Welt sei komplett wasserdicht, versichert der verantwortliche Produktmanager von Arena. Keine! Das Wasser kommt letztlich immer an den Stellen bei den Ohren rein. Hier gibt's also noch Designbedarf.

Und was mache ich jetzt mit der alten Bademütze?

Na, entweder man treibt damit Schabernack bei "Wetten, dass?" oder zweckentfremdet die Gummikappe gleich ganz, wie es die "Pension für Produkte" mit dem Kulturbeutel "Gänsehaut" vormacht. Auch eine Art der Bankrotterklärung.

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  • Mittwoch, 15.08.2012 – 16:49 Uhr
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