S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Frauen, schaut "Mad Max"!

Leute, die sonst das Netz mit frauenfeindlichen Kommentaren vollrülpsen, demonstrieren jetzt in ihrem Namen. Auf diese Hilfe sollte sich niemand verlassen.

Eine Kolumne von


Ganz kurz, liebe Damen und Herren, öffnete sich ein mediales Fenster, aus dem hinaus einige vernünftige und viele krude Meinungen über die Gewalt gegen Frauen geschrien wurden. Ein paar lustige Positionen waren zu bemerken. Von Herrn Augsteins Position - Frauen, stellt euch nicht so an, mit der er ganz im Zeichen der bislang offiziell vertretenen Position der meisten Männer steht - bis hin zum anderen Extrem: dem deutschen Bären. Dem Frauenbeschützer.

Seltsame Vögel demonstrieren im Namen der Frauen. Nazis jubeln. Leute, denen man weder im Dunkeln noch bei Tag begegnen will. Leute, die das Netz mit frauenfeindlichen Kommentaren vollrülpsen, benutzen kurzfristig ein Geschlecht, das sie latent verabscheuen, sei es aus Unsicherheit oder wegen irgendwas im Kopf, stellten sich also vor die geistig und körperlich schwachen, ähm, Dings, Frauen, die sie normalerweise nicht wahnsinnig schätzen. Es sei denn in der Küche. Nackt. Kleiner Scherz.

Es gibt, und die meisten Frauen werden es nicht anders erleben, in meinem Umfeld mehrheitlich angenehme, kameradschaftlich agierende Männer. Und dennoch müssen die anderen existieren, die man zum Glück meist nur aus der Entfernung beobachtet. Übergriffige Chefs, Freier, Zuhälter, Schläger, Maskulisten, und so lange, bis die Menschheit durch Bildung und Aufklärung zu einer Gesellschaft gelangt ist (okay, das werden wir vermutlich nicht mehr erleben), die wirklich für alle gleichberechtigt funktioniert, müssen sich die körperlich Unterlegenen etwas einfallen lassen.

Die Frau, das schützenswerte Wesen

Gut, haben wir mal darüber geredet. Gut, haben viele Frauen vielleicht realisiert, dass es weltweit immer noch ein Problem für sie gibt, das auf fehlender Muskelmasse gründet. Es scheint, dass keine Regierung in der BRD bisher in der Lage war, Gesetze so anzuwenden, dass die Hälfte der Bevölkerung, die sie stellvertritt, zufriedenstellend vor Gewalt geschützt wäre. Vielleicht, um der deutschen Regierung, die im Moment in vielen Belangen ein wenig überfordert scheint, nicht noch mehr Arbeit aufzuladen, ist es auch nicht vollumfänglich möglich.

"FAZ"-Autorin Frau Baum schrieb auch etwas, von dem ich mir nur einen Satz merkte: "Meiner kleinen Schwester sage ich, dass sie auf den Boden gucken und schnell weitergehen soll, wenn sie sieht, dass ihr eine Männergruppe entgegenkommt."

Alter! Die Frau, das schützenswerte Wesen. Wenngleich unwahrscheinlich ist, dass mich jemand beschützen wollte, ich möchte mich darauf nicht verlassen müssen. Wie in allen Bereichen ihres Lebens tun Frauen also gut daran, sich nicht auf Hilfe und Zuneigung zu verlassen, sondern sich selber zu schützen. Vor Gewalt und Übergriffen, von wem immer sie ausgehen. Eben nicht zu Boden blicken, sondern geradeaussehen, laut werden, Kampfsport lernen, aggressiv werden, Mut haben, zusammenhalten, "Mad Max" schauen... Und nicht darauf setzen, dass man von der Gewalt körperlich Stärkerer verschont wird, wenn man nur besonders niedlich, unsicher, unauffällig, leise ist oder zu Boden schaut.

Wenn Sie, liebe männliche Leser (dem Geschlecht in den Kommentarspalten geschuldet, nehme ich an, dass hier keine Frauen verkehren), eine Frau kennen, bitte geben Sie ihr den Text doch zu lesen. Falls sie lesen kann. Kleiner Scherz.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 149 Beiträge
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Seite 1
May 16.01.2016
1.
Ja, Frauen schaut Mad Max. Toller Film. Lernen wir etwas daraus? Wohl eher weniger. Der Artikel wirft aber auch sonst viel durcheinander. Männer tragen ein deutlich (!!!) höheres Risiko als Frauen Opfer von Gewalt und insbesondere schwerer Gewalt zu werden. So zu tun als wären gerade Frauen die Opfer geht völlig an der Realität vorbei. Trotzdem ist es richtig, dass gerade in dem Narrativ, dass Frauen besonders schützenswert sind immer auch eine gewisse Entmündigung der Frauen mitschwingt, da sie sich selbst ja nicht schützen können und somit einen Aufpasser benötigen.
hatem1 16.01.2016
2. Bitte den ganzen Satz zitieren, Frau Berg
Der Satz aus Antonia Baums FAS-Artikel, den sie hier nur halb (nämlich bis zu eimem Komma) und damit auch inhaltlich unvollständig wiedergeben, lautet vollständig und korrekt so: "Meiner kleinen Schwester sage ich, dass sie auf den Boden gucken und schnell weiter gehen soll, wenn sie sieht, dass ihr eine Männergruppe entgegen kommt, auf die die eben genannten Kriterien (eigentlich genau diese Kriterien: schwarze Haare, dunkle Augen, breitbeiniger Gang, Bock auf Stress) zutreffen." Womit auch schon ein Problem des Artikels von Frau Berg benannt wäre... ;-)
nogogirl 16.01.2016
3. Liebe Frau Berg,
hier verkehren sehr wohl auch Frauen. Und ja, der Tipp mit dem Kampfsport ist seit Jahren nicht verkehrt.
hajopie 16.01.2016
4. Hm ...
... ich lasse mich auch von Frauen beschützen! Gibt immerhin viele Polizistinnen und Soldatinnen! :-)
docker 16.01.2016
5. Ach Frau Berg...
...würden mir Gruppen aggressiver Menschen mein Leben vergällen, wäre doch jede Unterstützung durch Mitmenschen -ob weiblich, ob männlich - großartig. Ich würde da nicht mit der zukünftigen Entwicklungsgeschichte der Helfer spekulieren, sondern den Moment vorne anstellen.
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