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Sexistische Sprache Frankreich sagt Adieu zur "Mademoiselle"

Adieu, Mademoiselle: Café-Kundin in Paris, ca. 1925Zur Großansicht
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Adieu, Mademoiselle: Café-Kundin in Paris, ca. 1925

Warum Fräulein, wenn es kein Herrlein gibt? Diese Frage wurde in Frankreich nun mit der Tilgung des Begriffs "Mademoiselle" aus Behördenformularen beantwortet. Frauenrechtlerinnen wollen jetzt auch die freie Wirtschaft dazu bringen, auf die Verniedlichungsform zu verzichten.

Paris/Berlin - Rund 40 Jahre nachdem Deutschland das "Fräulein" offiziell abgeschafft hat, streicht auch Frankreich die "Mademoiselle" aus Formularen. Regierungschef François Fillon forderte seine Minister auf, in Briefen und auf Behördenformularen auf die bisher für unverheiratete Frauen übliche Anrede zu verzichten. Sozialministerin Roselyne Bachelot sprach am Dienstagabend von einem Ende der "Diskriminierung".

Künftig soll laut dem Rundschreiben des Regierungschefs im offiziellen Schriftwechsel und auf Formularen nur noch von "Madame" und "Monsieur" die Rede sein. Alte Formulare mit der Anrede "Mademoiselle" dürfen aber noch aufgebraucht werden. Frauenrechtlerinnen begehren seit langem gegen die dem deutschen "Fräulein" entsprechende "Mademoiselle" auf. Sie sehen darin eine Diskriminierung der unverheirateten Frauen. Ledige Männer würden ja auch nicht "Mondamoiseau" (Herrlein) genannt, bemerkte die Organisation "Osez le féminisme" (Wagt den Feminismus) dazu bereits im Herbst.

Die für Frauenfragen zuständige Ministerin Bachelot hatte Fillon im November aufgefordert, die "Mademoiselle" abzuschaffen. Mit der Anweisung vom Dienstag sieht Bachelot nun das Ende "einer Form der Diskriminierung von Frauen gegenüber Männern" gekommen. Auch Frauenrechtsvereinigungen begrüßten die Entscheidung, die nun aber auch konkret umgesetzt werden müsse. Sie forderten Unternehmen und Organisationen auf, dem Beispiel zu folgen.

Die Anrede "Mademoiselle" ist in Frankreich nicht nur in Behörden üblich, sondern wird auch von Banken und Kaufhäusern benutzt. Gesetzlich vorgeschrieben ist die "Mademoiselle" aber nicht, wie das Büro Fillons noch einmal betonte.

kuz/afp

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insgesamt 120 Beiträge
cassandros 22.02.2012
Wie schrecklich. Jetzt verkrampfen unsere westlichen Nachbarn genauso wie ihre verkniffenen östlichen. Frolleinchen, Frolleinchen, wenn das mal nicht ein schlimmes Ende nimmt. Was kommt als nächtes? Vermutlich wird das [...]
Zitat von sysopWarum Fräulein, wenn es kein Herrlein gibt? Diese Frage wurde in Frankreich nun mit der Tilgung des Begriffs "Mademoiselle" aus Behörden-Formularen beantwortet. Frauenrechtlerinnen wollen jetzt auch die freie Wirtschaft dazu bringen, auf die Verniedlichungsform zu verzichten.
Wie schrecklich. Jetzt verkrampfen unsere westlichen Nachbarn genauso wie ihre verkniffenen östlichen. Frolleinchen, Frolleinchen, wenn das mal nicht ein schlimmes Ende nimmt. Was kommt als nächtes? Vermutlich wird das Baguette zuerst in Strauss-Kahn-Brot umbenannt, und wenn dann die Feministinnen auf dessen phallöse Form aufmerksam geworden sind, wird es vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verboten. Schließlich bleibt als Kulturgut bloß noch der Schimmelweichkäse.
laui 22.02.2012
Schade, die Mademoiselle gehört zu Frankreich, wie der Eifelturm. Egal ob man nach der Bedienung ruft oder mit einer Dame spricht. Übrigens, auch hier in Deutschland kenne ich nach manche Ältere Damen die noch immer Wert [...]
Schade, die Mademoiselle gehört zu Frankreich, wie der Eifelturm. Egal ob man nach der Bedienung ruft oder mit einer Dame spricht. Übrigens, auch hier in Deutschland kenne ich nach manche Ältere Damen die noch immer Wert darauf legen, mit Fräulein angesprochen zu werden. Auch im Lokal gibt es immer noch keine Alternative für den Ober. Es bleibt also auch hier beim "Froilein, die Rechnung bitte". "Bedienung, die Rechnung bitte!" hört sich auf jeden Fall ganz bescheuert an, egal ob man einen Ober oder ein Fräulein damit ansprechen will. Und "Oberin" ist eh für eine andere Berufsgruppe reserviert.
homo_popularis 22.02.2012
Mir ist irgendwie nicht ganz klar, was an Fräulein oder Mademoiselle sexistisch ist. Nur weil es das männliche Pendant nicht gibt, ist das gleich diskriminierend? Und wenn ja, für wen? Es ist mir ja ziemlich einerlei, ob die [...]
Mir ist irgendwie nicht ganz klar, was an Fräulein oder Mademoiselle sexistisch ist. Nur weil es das männliche Pendant nicht gibt, ist das gleich diskriminierend? Und wenn ja, für wen? Es ist mir ja ziemlich einerlei, ob die Anrede in offiziellen Anschreiben benutzt wird oder nicht, vllt. sind solche Diskussionen und Entscheidungen ja auch einfach nur ein Zeichen dafür, dass Gleichberechtigung inzwischen Realität ist und dem Feminismus die Themen ausgehen.
Celegorm 22.02.2012
Nicht jeder sprachliche Unsinn sollte zum "Kulturgut" aufgeblasen werden, entwertet man so doch letztlich richtige Kulturgüter. Persönlich scheint mir der Entscheid jedenfalls sinnvoll, was für einen Nutzen solche [...]
Zitat von cassandrosSchließlich bleibt als Kulturgut bloß noch der Schimmelweichkäse.
Nicht jeder sprachliche Unsinn sollte zum "Kulturgut" aufgeblasen werden, entwertet man so doch letztlich richtige Kulturgüter. Persönlich scheint mir der Entscheid jedenfalls sinnvoll, was für einen Nutzen solche anachronistischen Spitzfindigkeiten auf offiziellen Formularen haben sollen war mir jedenfalls nie klar. Und das wird auch niemand ernsthaft vermissen. Im übrigen, um das vorneweg zu nehmen, mir gehen viele der sprachlichen Haarspaltereien im Namen des Feminismus auch zu weit. Manche der politisch überkorekten Konstruktionen wie "man/frau" sind m.E. sogar ziemlich lächerlich. Trotzdem sollte man doch etwas differenzieren können und nicht selbst legitime Änderungen reflexartig ablehnen, nur weil man irgendwo das Reizwort "Feminismus" erschnuppert hat..
KonsulOtto 22.02.2012
Wann wird den Hunden das Männchen machen verboten? Oder gibt es da keine Lobby?
Wann wird den Hunden das Männchen machen verboten? Oder gibt es da keine Lobby?
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