Missbrauch in Schauspielbranche Bundesverband gründet Beschwerdestelle

Ziel sei ein Kulturwandel und die Schaffung eines Bewusstseins für eine gewaltfreie Arbeitskultur: Der Bundesverband Schauspiel hat in Berlin die Schaffung einer externen Anlaufstelle für Betroffene verkündet.

#metoo-Protest
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#metoo-Protest


Bislang war die #MeToo-Debatte in der deutschen Schauspielbranche vor allem durch Wortbeiträge bestimmt - jetzt sollen konkrete Maßnahmen folgen: Der Bundesverband Schauspiel (BFFS) verkündete zum Auftakt der Berlinale, dass man eine Beschwerdestelle für Opfer sexuellen Missbrauchs schaffen wolle.

Die externe Anlaufstelle soll voraussichtlich Anfang März ihre Arbeit aufnehmen - und nicht nur erste Anlaufstelle für Betroffene von sexualisierter Belästigung, Gewalt und Diskriminierung sein, sondern sich auch mit der Aufarbeitung und Prävention befassen. Ziel sei es, mittel- bis langfristig einen Kulturwandel und eine Bewusstseinsbildung für eine gewaltfreie Arbeitskultur zu schaffen.

Hinter der Beschwerdestelle stehen mehr als zwölf Berufs- und Branchenverbände der Film- und Fernsehbranche, darunter die Deutsche Filmakademie, die Deutsche Fernsehakademie und der Bundesverband Regie. Die Verbände appellierten an die Fernsehsender, sich an der Anlaufstelle finanziell zu beteiligen.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) unterstützt die Aufbauphase mit bis zu 100.000 Euro aus ihrem Etat: "Die Einrichtung einer Anlaufstelle, an die Betroffene sich vertrauensvoll wenden können, ist das Mindeste, was Opfer sexueller Gewalt oder Belästigungen in der Film- und Kulturbranche erwarten dürfen", erklärte Grütters. Sie erwarte, dass bald weitere finanzielle Förderer ins Boot kämen. Es liege im Interesse aller, dafür zu sorgen, "dass das völlig inakzeptable Verhalten einzelner nicht eine ganze Branche in den Schmutz zieht".

"Wir wollen uns da einbringen"

Der Skandal um die Missbrauchsvorwürfe gegen Hollywood-Produzent Harvey Weinstein hatte eine Debatte über Machtverhältnisse und sexuelle Gewalt losgetreten. Spätestens mit den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Regisseur Dieter Wedel erreichte die #MeToo-Debatte auch die deutsche Kulturindustrie. Zuletzt hatte der Regisseur und Schauspieler Sebastian Schipper im SPIEGEL-ONLINE-Interview über den Machtmissbrauch gesprochen, den er am Set mit Wedel erlebt habe.

Derweil hat das ZDF verkündet, bei der Archivauswertung und Mitarbeiterbefragung keine neuen Hinweise auf sexuelle Übergriffe durch Wedel gefunden zu haben - allerdings sei ein Teil der Akten nicht mehr vorhanden.

Die ARD ist laut tagesschau.de hingegen noch mit der Durchsuchung ihrer Archive beschäftigt, die voraussichtlich in einigen Wochen abgeschlossen sein soll - und unterstützt die Einrichtung der Beschwerdestelle: "Wir wollen uns da einbringen", sagte der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm in München zum Abschluss einer Intendantensitzung. "Ich habe auch die Erwartung, dass das fürs ZDF, für RTL, ProSiebenSat.1 auch gelten würde."

bsc/dpa



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