Shareconomy Die Ausbeutung, die wir Sharing nennen

Autos, Wohnungen, Partner: Wir teilen alles und fressen uns am Ende der Nahrungskette gegenseitig auf.

Travis Kalanick, der CEO von Uber
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Travis Kalanick, der CEO von Uber

Ein Kolumne von


Während ich mich die letzten zehn Tage von Uber-Fahrern durch London chauffieren ließ und mich ungemein lässig fand in der eleganten Ausbeutung von Menschen, die vermutlich weniger Geld haben als ich, dachte ich an Jeff Bezos, der mit der Abschaffung vieler Mittelstandsunternehmen so viel Geld verdient hat, dass er nur von den Zinsen als Privatperson die Traditionszeitung "Washington Post" gekauft hat.

Rupert Murdoch mit der Einkaufstour seiner 63 Yellow-Press-Bullshit-Zeitungen ist ein nasser Husten dagegen. Wer glaubt schon der "Sun"? Die "Washington Post" ist da eine seriösere Geschichte. Glückwunsch, Warren Buffett.

Über der Frage, was es eigentlich bedeutet, wenn in absehbarer Zeit, sagen wir, alle Medien im Besitz von wenigen Milliardären sind, schlief ich ein, parallel erzählte mir wieder einmal ein Uber-Fahrer seine Lebensgeschichte, die der aller anderen Uber-Fahrer glich.

Alle waren Nomaden, die nicht mal mehr versuchen, irgendwo reich zu werden, sondern nur überleben wollen. Alle waren glücklich, diesen Job zu haben, der ihnen nach Abzug der 25 Prozent, die an Uber gehen, pro Fahrt zwischen fünf und zehn Pfund einbringt. Mahlzeit.

Am Ende der Nahrungskette beuten wir uns also gegenseitig aus. Teilen Autos, Wohnungen, Kleider, Partner und Nahrung, wir verscherbeln unsere Klamotten auf Ebay und sind damit beschäftigt, in sozialen Medien rumzuquatschen, während andere Leute von ihren Zinsen den manifestierten medialen Brainfuck der Masse shoppen gehen. London war mir, aus einem etwas langsameren und vor allem winzigen Land kommend, ein Crashkurs im Verstehen dessen, was dieser neue Feudalismus meint.

Als Nächstes kommt im Fernsehen irgendwas mit Live-Stuhlgang

Im Fernsehen laufen Brot und Spiele, Schwachsinnssendungen, nackte Leute turnen gerade mit wackelnden Genitalien auf einer Insel herum, das System hat sie bereits verdaut und ausgeschieden, das sieht man gerne, als Nächstes kommt irgendwas mit Live-Stuhlgang. Im Anschluss: Live-Killing. Es ist angenehm zu beobachten, wenn es anderen noch schlechter geht, wenn sie sich blamieren, zerfleischen, da geht es einem besser.

Die Welt funktioniert doch noch großartig, wenn man genug Leute findet, die Schlange für ein Scheißtelefon oder ein paar bescheuerte Turnschuhe von Kayne West stehen. Vielleicht werden die dafür bezahlt. Vielleicht ist es auch vollkommen egal, wem die Welt gehört. Wem Zeitungen und das Fernsehen gehören. Wer sagt, dass die alten Zeitungsbesitzer nicht versuchten, die Konsumenten zu beeinflussen?

Wer sagt, dass die Alleinherrschaft einiger Riesenkonzerne ein Problem sein muss? Klappt doch ganz gut, mit dem Privatbesitz, wie meine guten Freunde von Vattenfall mit ihrer humanen Geste zeigen. Warum die Welt am Leben erhalten, wenn man Profit machen kann?

Möglicherweise ist jeder Mensch so: gefräßig, haltlos, gierig. Das Einzige, was verhindert, dass die ekelhaften Anteile der Persönlichkeit jedes Einzelnen die Welt ruinieren, ist die mangelnde Möglichkeit.

Unsere Möglichkeit ist sanfte Ausbeutung, die wir Sharing nennen. Das Posten, das wir politische Aktivität nennen, also Sie sicher nicht. Aber ich.

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insgesamt 133 Beiträge
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Seite 1
pteranodon 15.10.2016
1.
Interessante These und interessantes Thema. Leider konnte ich dem Text keinen Sinn entnehmen. (Was hat denn das Aufkaufen journalistischer Medien durch Superreiche mit Uber zu tun...?)
koulekafe 15.10.2016
2. don't cry baby
Ach wie blöd, dass man die Ausbeutung nun ein bisschen deutlicher sieht. Leute wie wir zwei hatten schon vorher mehr Geld als der Uber Fahrer, und das war auch vorher schon der Ausbeutung geschuldet. - Nur möchten wir das bitteschön nicht so deutlich sehen. Am besten protestieren wir noch dagegen!
thunderflash 15.10.2016
3. verstehe den letzten Satz nicht
irgendwie komme ich nicht auf dem Sinn, von "Das Posten, das wir politische Aktivität nennen, also Sie sicher nicht. Aber ich." Was möchte uns der Autor sagen? Wirkt alles irgendwie wie eine Problembeschreibung, ohne dabei wirklich Neues oder einen Lösungsansatz zu bieten, die in eine nicht ganz saubere literarische Form gebracht wurde. Thema insgesamt ist jedoch sehr gut gewählt und eine angenehme Abwechselung.
marthaimschnee 15.10.2016
4.
Zitat von pteranodonInteressante These und interessantes Thema. Leider konnte ich dem Text keinen Sinn entnehmen. (Was hat denn das Aufkaufen journalistischer Medien durch Superreiche mit Uber zu tun...?)
Warum wohl sind die Superreichen superreich? Sie lassen arbeiten und kassieren, egal ob der Arbeiter davon leben kann! Was macht Uber gleich nochmal?
spieglein19 15.10.2016
5. What?
Wenn die Menschen sich selber auffressen, dann weil sie immer mehr für immer weniger Geld haben möchten, und daher den niedrigen Preisen hinterherlaufen wie ein Windhund dem Köder. Das Resultat sind Konzerne wie Amazon, aber auch alle anderen Ketten, die zu Marktkonzentration und Marktmacht führen, somit können Gehälter aller nach unten gedrückt werden, man hat weniger Realeinkommen, etc. pp. Einige wenige wie Bezos profitieren. Mit Sharing Economy hat das wenig zu tun. Und wo ist Uber Sharing Economy? Ist soviel Sharing Economy wie ein normales Taxi. Wenn Sie das nicht verstehen, kommt ein so verwirrender Artikel dabei heraus. Übrigens: auch Uber etc. setzen auf Netzwerkeffekte in der New Economy um Winner takes it all zu spielen. Mit demselben Ergebnis der Marktmacht und Konzentration.
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